Fellwechsel beim Pferd

Bedarfsgerechte Fütterung im Fellwechsel: Warum mehr nicht immer besser ist

Artikel aktualisiert am 08.01.2019

Es ist noch keine zwei Wochen her, da hatten wir den kürzesten Tag des Jahres. Und jetzt ist der Fellwechsel meines Pferdes schon wieder voll im Gange und an den ersten Stellen wird das Winterfell abgeschmissen. Für mich ist nun höchste Zeit, die Fütterung anzupassen, um mein Pferd beim Fellwechsel bestmöglich zu unterstützen.

Dein Pferd hat drei verschiedene Haararten:

  • Bleibendes Haar: Mähne, Schweif und Wimpern
  • Tasthaar: befindet sich am Maul und an den Augen. Die Haarwurzel
  • Temporäres Haar: das  Pferdefell, also das dichte Unterhaar und das lange Deckhaar

Vom Fellwechsel betroffen ist nur das temporäre Haar. Dieses durchläuft drei Phasen: eine Wachstums-, eine Übergangs- und eine Ruhephase. Die Phasen werden vor allem hormonell durch das Tageslicht ausgelöst und stellen den Fellwechsel dar (mehr über den Start des Fellwechsels liest du hier). Während der Wachstumsphase wächst das Haar und in der Übergangsphase löst es sich langsam.

Der Fellwechsel stellt für alle Pferde eine körperliche Höchstleistung dar. Während das Pferd ein neues Haarkleid aufbaut, läuft sein Stoffwechsel nämlich auf Hochtouren. Viele Pferde sind in dieser Zeit oft schlapp und anfälliger für Infekte wie beispielsweise Husten. Auch benötigen Pferde jede Menge Energie – und entsprechend mehr Futter. Wenn du deinem Pferd nicht eh schon Raufutter zur freien Verfügung anbietest, dann solltest du während des Fellwechsels auf jeden Fall die Ration erhöhen.

Neben dem erhöhten Energiebedarf braucht dein Pferd auch vermehrt Mineralstoffe. So braucht der Körper deines Pferdes beispielsweise vermehrt Biotin, Spurenelemente wie Zink, Kupfer und Selen und auch Aminosäuren.

Unterstützende Fütterung im Fellwechsel: Tut das wirklich Not?

Ich bin kein Futterexperte. Aber ich habe mich dennoch schon so viel mit der Fütterung von Pferden beschäftigt, dass ich sagen kann: Ich bin kein Freund davon, kopflos irgendwelche Zusatzmittelchen in das Pferd zu füttern, nur weil einem diese von der Freundin oder der Facebookgruppe empfohlen wurden oder das Marketing der Futtermittelhersteller gut funktioniert. Deswegen empfehle ich auch dir, dass du nur dann etwas an deiner Fütterung änderst, wenn es wirklich notwendig ist. Denn die Fütterung steht in einem großen Zusammenhang mit dem Fellwechsel und dem Stoffwechsel!

Du musst nämlich wissen: (Fast) alles, was du deinem Pferd an Futtermitteln gibst, wird zunächst vom Darm aufgenommen. Dort befinden sich rund 80 Prozent der Lymphknoten. Diese filtern mögliche Schadstoffe und Krankheitserreger aus der Lymphflüssigkeit des Körpers heraus. Und auch mehr als 90 Prozent der Immunzellen werden dort gebildet. Damit beides funktioniert, muss das Verdauungssystem deines Pferdes intakt sein.

Bei einem Ungleichgewicht im Darm, entstehen giftige Stoffwechselprodukte. Diese Substanzen werden von der Leber umgebaut und entweder zurück in den Darm geschickt und ausgeschieden oder in wasserlöslicher Form über die Niere entgiftet.

Wird dein Pferd nun falsch gefüttert (falsch kann heißen: kein Mineralfutter, falsches Mineralfutter, fertige Müslis, zu fettes Gras, zu wenig Heu, usw.) kommt es zu einem Ungleichgewicht im Magen-Darm-Bereich, der Stoffwechsel gerät aus dem Ruder, das Immunsystem wird geschwächt und dein Pferd bekommt Probleme mit dem Fellwechsel.

In diesem Fall schlägt gut gemeint ins Gegenteil um.

Deswegen: Optimiere die Fütterung und die Gabe von zusätzlichen Mineralstoffen inForm von künstlich hergestellten Präparaten immer individuell anhand des Bedarfs deines Pferdes. Wie sieht dein Pferd aus? Ist es fit oder eher schlapp? Wie fühlt sich das Fell an? Ist es anfällig für Infekte? Bist du unsicher, dann lass ein Blutbild oder eine Haaranalyse machen.

Was du meiner Meinung nach aber ohne große Probleme gut machen kannst, ist dein Pferd mit natürlichen „Hausmitteln“, das heißt mit natürlichem Futter, im Fellwechsel zu unterstützen. Hier bieten sich beispielsweise Leinsamen sehr gut an. Leinsamen sind ein toller Eiweißlieferant (und das Fell besteht zum Großteil aus Eiweißen) und sie haben eine positive Auswirkung auf die Verdauung. Auch Bierhefe, Schwarzkümmel und Kieselgur gehören zu den natürlichen Helfern für den Fellwechsel. Mehr darüber kannst du hier nachlesen.

Um dir zu zeigen, wie wichtig es ist, individuell auf sein Pferd zu achten, möchte ich dir erzählen, wie ich mein Pferd im Fellwechsel unterstütze.

Erhöhter Zinkbedarf im Fellwechsel

Lange Zeit habe ich gedacht, dass es reicht, wenn ich Leinsamen zum Fellwechsel füttere. Doch dann hat ein Blutbild, das ich vor ein paar Jahren zur Zeit des Fellwechsels machen ließ, einen Zinkmangel aufgezeigt. Äußerlich wirkte mein Pony fit, lediglich sein Fell war stumpf und rau. Die Hufe hingegen waren gut und er hatte keine Infekte oder ähnliches.

Weil ein Mangel an Mineralstoffen erst dann im Blutbild zu sehen ist, wenn die körpereigenen Reserven ausgeschöpft sind, habe ich mich aufgrund des Ergebnisses dazu entschieden, zweimal im Jahr eine Zinkkur zu machen. Ich nutze hierfür ein organisch gebundenes Zinkpräparat mit Kräutern. (Ich möchte dir damit aber nicht sagen, dass du nun auch Zink füttern musst. Wenn dein Pferd keinen Zinkmangel hat, benötigt es hier auch kein Zusatzpräparat. Lina von Nordfalen erzählt dir hier, warum grundloses Füttern von Zink im Fellwechsel nicht gut ist. Ich möchte dir mit meiner Geschichte nur zeigen, wie wichtig es ist, das Pferd während des Fellwechsels gut zu beobachten!) Außerdem habe ich das Mineralfutter entsprechend angepasst und füttere nun das Lexa Derma-Mineral*

Mit dieser Kombination bin ich zufrieden. Das letzte Blutbild (im Fellwechsel) zeigte keine Mängel an und das Fell meines Ponys ist nun viel weicher und glänzender.

Gut durch den Fellwechsel kommen: viele Komponenten spielen rein

Wie gut ein Pferd durch den Fellwechsel kommt, ist also von vielen Komponenten abhängig: Die Darmflora muss intakt sein, der Stoffwechsel muss funktionieren und dein Pferd braucht ausreichend Raufutter und Mineralien.

Uns Reitern ist oft gar nicht bewusst, welch eine Höchstleistung unsere Pferde mit ihrem Fellwechsel vollbringen. Wir fordern nur immer wieder, dass unser Pferd „funktioniert“. Doch Leistung kann das Pferd nur erbringen, wenn wir mit der richtigen Haltung und der richtigen Fütterung dafür sorgen, dass es ihm gut geht.

Wie unterstützt du dein Pferd im Fellwechsel? Schreib mir gern einen Kommentar!

Viele Grüße

Karo von 360° Pferd
Kategorien Fütterung

über

Ich bin Karolina und seit mehr als 25 Jahren Pferdefreundin. Auf dem 360° Pferd Blogmagazin schreibe ich über Themen, die mich in meinem Alltag mit meinem Pferd beschäftigen.

0 Kommentare zu “Bedarfsgerechte Fütterung im Fellwechsel: Warum mehr nicht immer besser ist

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Webseite verwendet Cookies. Cookies werden zur Benutzerführung und Webanalyse verwendet und helfen dabei, diese Webseite zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit unserer Cookie-Police einverstanden. Mehr Infos gibt es in der Datenschutzerklärung.

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen