Pferd macht Pause

Bewusste Pausen motivieren und machen das Training effizienter

Artikel aktualisiert am 21.09.2018

Macht ihr bewusst Pause während einer Trainingseinheit? Also richtig bewusst und nicht intuitiv? Ich habe es lange Zeit nicht getan. Pausen habe ich eingebaut, na klar. Das habe ich aber eher intuitiv gemacht, ich habe mich aber nie bewusst mit dem Thema auseinandergesetzt. Dabei ist die Pause so wichtig – sowohl für mein Pferd, als auch für mich als Reiter.

Erinnert ihr euch noch an die Schulzeit? 45 Minuten Unterricht kamen mir so manches Mal ziemlich lang vor. Vor allem, wenn es um ungeliebte Fächer wie Mathe oder Physik ging. Da hat mir oft der Kopf gequalmt und ich habe mir die Pause herbeigesehnt.

Das hat sich auch mit dem Älterwerden nicht geändert. Wenn ich mich bei der Arbeit auf etwas konzentriere, dann merke ich nach einer Weile, wie die Aufmerksamkeit nachlässt. Ich brauche eine Pause.

Ähnlich geht es mir beim Sport. Wenn ich eine besonders anstrengende Übung mache, zum Beispiel Sit-Ups, dann freue ich mich auf die Pause, in der ich tief durchatmen und meine Muskeln entspannen kann.

Ihr seht: Kurze Pausen sind wichtig. Und zwar sowohl die Pausen für den Kopf, als auch die Pausen für den Körper.

Genauso geht es auch unseren Pferden. Nur mit dem Unterschied, dass die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsspanne eines Pferdes viel kürzer ist als unsere eigene. Sie ist etwa vergleichbar mit der Konzentrationsspanne eines Kindes.

Wenn wir 10 Minuten eine neue Lektion trainieren, ist das Pferd vom Kopf her bereits müde. Kein Wunder, schließlich muss es unseren Hilfen zuhören, sie verstehen und bestmöglich umsetzen. Da bringt es nichts, immer weiter zu üben. Ein Pferd kann nämlich nur etwas Neues lernen, wenn es sich konzentrieren und damit auseinander setzen kann. Ist der Kopf aber müde, gelingt das nicht.

Gleiches gilt für die Muskulatur, die bei ungewohnter Anstrengung ebenfalls schneller ermüdet. Deswegen sollte auf das Trainieren einer neuen Lektion unbedingt eine kurze Pause folgen.

Machen wir keine Pause, sondern fordern unser Pferd immer weiter, dann kann leicht eine zu hohe An- bzw. Verspannung entstehen, die zu negativem Stress führt. Stress wiederum hemmt aber die Konzentrations- und Lernfähigkeit des Pferdes, das als Fluchttier von Natur aus dem Stress entfliehen möchte.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Effektiv und nachhaltig Lernen kann das Pferd nur, wenn es losgelassen und entspannt ist.

Und diese Losgelassenheit wird durch Pausen erreicht.

Kleine Pausen motivieren

Doch Pausen können viel mehr: Sie sorgen auch für viel mehr Motivation im Training. Wenn mein Pferd nämlich weiß, dass auf die anstrengende Übung Entspannung und womöglich sogar noch ein Lob folgt, dann ist seine Motivation zur Mitarbeit sehr viel höher, als wenn nach der Anstrengung eine andere Anstrengung kommt.

Wenn wir nach einer Übungseinheit eine kurze Pause machen, dann kann das Pferd über seine neuen Aufgaben nachdenken.

Außerdem kann es seine Muskeln entspannen. Ein stetes Wechselspiel von Anspannung und Entspannung ist für die Muskeln elementar, denn sie können nur effizient arbeiten, wenn zwischen An- und Entspannung eine Balance herrscht.

Auch Reiter brauchen Pause

Doch nicht nur das Pferd braucht immer wieder kurze Pausen. Auch für uns Reiter sind kleine Unterbrechungen im Training wichtig.

Wir können ebenfalls tief durchatmen, zur Ruhe kommen und unsere Muskeln entspannen. Häufig spannen wir uns selbst nämlich viel zu sehr an und merken es gar nicht, zum Beispiel wenn wir konzentriert an Seitengängen wie dem Schulterherein arbeiten. Außerdem haben wir in der Pause die Möglichkeit, uns gedanklich neu zu sammeln.

Nach einer kurzen Pause geht es viel besser weiter, denn die Motivation ist gleich viel höher.

Die Balance zwischen Entspannung und positiver Anspannung ist also für ein effektives und erfolgsversprechendes Training wichtig.

Wie eine Pause aussieht, das ist individuell und von Pferd zu Pferd und Situation zu Situation verschieden.

Formen der Pause könnten sein:

  • Kurze Pausen
  • Schritt-Pausen am langen Zügel
  • Anhalte-Pausen
  • Spaß-Pausen

Kurze Pausen

Kurze Pausen bieten sich beim Erlernen neuer Lektionen an. Dazu wird die Lektion in kleine Schritte zerlegt und nach jedem Schritt (oder nach zwei, drei Schritten) wird eine kurze Pause gemacht, ehe es weitergeht. Diese Form des Trainings verhindert eine Überanstrengung und motiviert die Pferde vielmehr zur Mitarbeit.

Schritt-Pausen am langen Zügel

Nach einer Übungseinheit, bei der es zwischendurch bereits kleine Pausen gab, folgt eine Schrittpause am langen Zügel. Dabei kann mein Pferd seine Muskeln dehnen und entspannen.

Anhalte-Pause

Die Anhalte-Pause ist eine Pause, von der auch ich als Reiter profitiere. Wenn ich eine Schrittpause mache, dann fällt es mir oft schwer, komplett zu entspannen und keine Hilfen zu geben. Ich achte trotzdem darauf, ob mein Pferd zu trödelig wird oder vielleicht zu einer Seite hin driftet. Deswegen mache ich immer dann, wenn wir sehr konzentriert arbeiten – zum Beispiel während einer Reitstunde – eine Pause, indem wir anhalten. Dann gebe ich keine Hilfen und entspanne mich. So können wir beide einmal kurz die Anspannung wegatmen, nachdenken und uns neu sammeln. Diese Anhalte-Pause ist somit vor allem eine Kopf-Pause.

Spaß-Pause

Eine weitere Form der Pause ist die Pause, die Spaß macht aber gleichzeitig Training ist. Hier hat das Pferd die Möglichkeit etwas zu machen, was ihm Spaß macht – zum Beispiel in seiner Lieblingsgangart laufen oder auf das Podest klettern.

Pausen individuell auf das Pferd abstimmen

Je nachdem, welche Pause gemacht wird, unterscheidet sich die Dauer der Pause. Die kurzen Pausen beim Erlernen einer Lektion dauern nur ein paar Sekunden, eine Schritt-Pause hingegen kann, ebenso wie eine Anhalte- oder eine Spaß-Pause auch mal ein, zwei, drei Minuten dauern.

Wann und wie oft eine Pause erforderlich ist, das müsst ihr abhängig machen von eurem Pferd und der jeweiligen Situation. Ihr kennt euer Pferd am besten und könnt somit am ehesten erkennen, wann es eine Pause braucht, weil sich die positive Anspannung in Verspannung umwandelt und Ermüdungserscheinungen auftreten.

Ganz wichtig ist die Pause zu machen bevor euer Pferd überfordert ist und Stress bekommt. Denn wenn dieser Punkt erreicht ist, dann hat das Pferd keine Lust mehr mitzuarbeiten. Sind Kopf und Körper müde, beeinflusst dies die Lernfähigkeit und die Motivation zur Mitarbeit negativ.

Übrigens: Die Pausen sind nicht nur beim Reiten wichtig. Auch bei der Bodenarbeit sind regelmäßige Verschnauf- und Denkpausen wichtig.

Wie geht ihr mit Pausen während der Trainingseinheit um? Baut ihr Pausen bewusst ein, um das Training effektiver und angenehmer zu gestalten? Oder seid ihr vielleicht der Meinung, dass eine Pause während einer Trainingseinheit, die zwischen 30 und 45 Minuten dauert, nicht unbedingt nötig ist? Erzählt mir von euren Erfahrungen (positive wie negative) zum Thema Pause. Vielleicht habt ihr ja sogar noch ein paar gute Pausen-Tipps? Ich freu mich drauf!

Viele Grüße

Karo von 360° Pferd

7 Kommentare zu “Bewusste Pausen motivieren und machen das Training effizienter

  1. Pingback: Pferde richtig loben: Tipps, Tricks und Wissenswertes

  2. Hallo Karo,

    Pausen sind bei Clickerpferden, ja immer etwas kompliziert. Die meisten, mit dem Clicker trainierten Pferde wollen keine Pausen, empfinden Pausen sogar als Strafe, weil sie sich ja dann eben keine Clicks verdienen können. Trotzdem brauchen sie natürlich Pausen und die Möglichkeit zu entspannen, da hat sich bei meinen Pferden ganz besonders das Entspannungs-Qudrat von Marlitt Wendt bewährt. In einem ganz klar abgegrenzten Raum wird das Pferd an seinen Lieblingsstellen gekrault, manchmal hilft auch gemeinsames Atmen. ( und nein ich bin nicht esoterisch veranlagt )
    Liebe Grüße Sabine

  3. Die Pause ist so ein wunderbares Lob! Ich habe sie bei meiner Frau Bodenarbeit als erstes kennengelernt und pausiere jetzt immer wieder nach den Übungen und auch zwischendrin. Das freut das Pferd so viel mehr und ist ein wunderschönes deutliches Signal, als jede Möhre. Zumindest ist das meine Erfahrung. Alles Liebe und bis bald auf deinem schönen Blog, Petra

    • Liebe Petra,
      die Pause als Lob wird von viel zu wenigen Reitern genutzt. Dabei hast du Recht, sie ist ein wunderbares Lob und wirkt viel besser, als so manches Leckerli. 🙂

  4. Liebe Karo,
    also ich baue Pausen aktiv ein – auch bei kurzen Trainingseinheiten – bei uns (Pferd und mir) ist es ein Pause machen am langen Zügel – wir machen es nach jeder Übung – das Pferd streckt sich und entspannt – auch ich kann entspannen und nach der Pause geht es wieder frisch weiter.
    Liebe Grüße
    Rita

    • Liebe Rita,
      achtest du dabei auf dein Pferd und machst Pause wenn du siehst, dass es Pause braucht oder beendest du die Übung und machst Pause wenn du meinst, dass die Übung beendet werden soll?
      Liebe Grüße
      Karo

      • Liebe Karo, ich mache Pause wenn ich meine dass die Übung beendet werden soll – das ist meistens bevor mir mein Pferd zeigt dass es eine Pause braucht – es kennt das mittlerweile und streckt sich und entspannt sich schnell. Sollte das Pferd mir aber schon vorher zeigen dass es Pause braucht bekommt es diese dann aber auch.
        Liebe Grüsse
        Rita

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