Mein Pferd klebt

Vom klebenden Pferd zu unserer Führungsqualität

Immer wieder höre und lese ich: Mein Pferd klebt. Bei den einen hat das Pferd ein großes Problem damit, wenn sein Weidekumpel nicht da ist. Ein anderes Pferd verlässt den Hof nicht ohne Pferdebegleitung. Beides ist für den jeweiligen Besitzer ziemlich nervig. Häufig erlebt man sogar großes Unverständnis für das Verhalten. Dabei müssen wir doch nur die Menschenperspektive ablegen. Dann können wir nicht nur Verständnis für das Verhalten aufbringen, sondern wir können sogar erkennen, dass das Problem häufig wir selbst sind.

Viele Menschen denken, dass ein Pferd, das wiehert und auf der Weide auf- und abgaloppiert, wenn die Weidekumpels von ab geholt werden oder das nicht alleine vom Stall weggehen möchte, schrecklich unerzogen ist. Sie ärgern sich und schimpfen mit ihrem Pferd. Dabei sind sie im Unrecht. Oder zumindest meistens. Viele Pferde haben nämlich ein Problem mit dem Alleinsein, das ziemlich tief liegt und sich nicht so leicht lösen lässt. Und häufig verstärken wir mit unserem Verhalten das Problem, anstatt es zu lösen.

Deswegen gilt jetzt: Menschenbrille ab, Pferdebrille auf.

Aus Menschensicht erscheint uns der Stress unseres Vierbeiners nicht logisch, die Trennung von den Pferdefreunden ist schließlich nur für kurze Zeit. Diese Sicht bringt uns aber nicht weiter und unser Problem bleibt bestehen. Wenn wir unsere Pferde verstehen möchten, müssen wir das Ganze aus Pferdesicht betrachten.

Pferde sind Herdentiere

Pferde sind seit Urzeiten Herdentiere. Bis heute ist das Streben nach Geselligkeit ein elementares Grundbedürfnis. Die Herde und die Nähe zu den Artgenossen gibt den Pferden Sicherheit. Ohne Herde sinken die Überlebenschancen des Pferdes, denn so ganz allein in weiter Flur wird es zu einer leichten Beute.

Lange Zeit ging man (ich auch 😉 ) davon aus, dass es in einer natürlichen Herde eine Herdenstruktur gibt mit Leithengst und Leitstute, denen die anderen Herdenmitglieder vertrauen und folgen.

Mittlerweile weiß man, dass es in einer Herde keine feste Rangordnung gibt. Das heißt, dass es von Situation zu Situation unterschiedlich ist und mal das eine Pferd die Verantwortung übernimmt und mal das andere. Ich verweise hier sehr gern auf die Studie von Dr. Elke Hartmann. Du kannst sie dir hier kostenlos herunterladen.

In den meisten Fällen folgen Pferde aber ganz gern. Da sind sie ganz wie wir Menschen: Auch ich bin froh, dass ich mich nicht um die Aufgaben meines Chefs kümmern muss, sondern meinen sicheren Platz in der Firma habe und mich um Aufgaben kümmere, mit denen ich mich auskenne.

Natürlicher Instinkt: Streben nach Gesellschaft

Obwohl unsere domestizierten Pferde in der Regel keine reellen Gefahren kennen, steckt das Streben nach Gesellschaft nach wie vor tief in ihnen drin. Je größer die Herde ist, desto mehr Sicherheit kann sie dem einzelnen Tier geben. (Natürlich kommt es hier auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Pferde an, nicht per se ist eine große Herde gut und es gilt auch nicht, je größer, je besser. Eine weitläufige Meinung ist, dass eine Herde mit acht bis zehn Pferden ideal sei.) Nicht jedes Pferd lebt in einer großen Herde. Viele werden von uns in kleinen Gruppen – zu zweit, zu dritt, zu viert – im Offenstall gehalten. Das ist auch nicht schlimm. Aber wenn in einer Dreiergruppe zwei gemeinsam ausreiten, dann bleibt immer ein Pferd allein zurück.

Alleinsein verunsichert

Das Alleinsein verunsichert unsere Pferde. Bei einem ohnehin schon unsicheren Pferd, wird das Alleinsein dann zu einer nur schwer zu ertragenden Stresssituation. Denn während es in einer Herde viele Augen und Ohren sind, die mögliche Gefahren wahrnehmen können, muss es jetzt alleine besonders aufmerksam sein, damit es rechtzeitig fliehen kann. Solange es seinen Weidekumpels anfänglich hinterherruft aber ansonsten recht gelassen mit der Situation umgehen kann, ist alles gut.

Wenn ein Ausritt der anderen aber bedeutet, dass das Pferd extrem gestresst ist, die ganze Zeit im Paddock oder auf der Wiese auf- und abläuft, wiehert und sich überhaupt nicht beruhigen lässt, dann sollten wir unserem Pferd zuliebe dringend dafür sorgen, dass solche Stresssituationen vermieden werden.

Was macht Führungsqualität beim Pferd aus?

Was können wir tun, um unseren Pferden die temporäre Trennung zu erleichtern?

Eine naheliegende Lösung wäre es, die Herde zu vergrößer. Auch ein Umzug in eine größere Herde wäre denkbar. Doch beides ist nicht immer möglich.

Jedes Pferd ist anders und muss individuell betrachtet werden.

Was einem Pferd hilft, hilft beim anderen nicht. Trotzdem denke ich, dass wir nicht ignorieren dürfen, dass unser Pferd großen Stress empfindet, wenn die anderen Pferde nicht da sind. Damit helfen wir unserem Pferdefreund nämlich nicht. Grundsätzlich sollte die (temporäre) Trennung von den Artgenossen bereits im Pferdekindergarten gelernt werden. Das Pferd soll nicht lernen, tagelang allein zu sein. Aber es muss lernen, dass ihm auch ohne seine Artgenossen nichts passiert und es uns ruhig zum Ausritt oder Spaziergang begleiten kann.

Doch manchmal kauft man sich ein älteres Pferd, das in der Vergangenheit ein traumatisches Erlebnis hatte und deswegen nicht ohne Artgenossen sein möchte.

Trennung mit etwas Positivem verbinden

Eine Möglichkeit, mit unserem Pferd die temporäre Trennung im Offenstall zu üben wäre, die Trennung mit etwas Positivem zu verknüpfen. Futter bietet sich da gut an. Wir könnten die Besitzer der anderen Pferde zum Beispiel bitten, dass diese die Weide verlassen. Sie sollen aber nicht weit gehen, sondern in Reichweite bleiben. Wenn sich unser Pferd alleine fühlt, kann es seinen Freunden hinterherrufen und bekommt eine Antwort. Es ist also alleine und hat trotzdem die Herde in der Nähe. Sobald die anderen Pferde gehen, bekommt unser Pferd eine Extraportion Heu.

Das müssen wir so oft wie möglich wiederholen. Jedes Mal sollte die Trennung etwas länger dauern. Unser Pferd lernt so, dass ihm nichts passiert, sondern dass es möglicherweise sogar vorteilhaft sein kann, wenn die anderen nicht da sind, weil es etwas zu fressen gibt. Es kann auf diese Weise Selbstvertrauen entwickeln. Oft hilft es unserem Pferd, wenn wir seine Kumpels ersetzen. In ihrem Bedürfnis nach Nähe schließen sich Pferde nämlich auch uns Menschen an und übertragen uns die Verantwortung des Herdenchefs.

Aber hier kommt ein möglich neues Problem ins Spiel:

Wie steht es um unsere eigene Kompetenz?

Wenn wir unserem Pferd kompetent und vor allem vertrauenswürdig genug erscheinen, hat es mit dem Alleinsein kein Problem, solange wir dabei sind. Wir passen ja schließlich auf. Wenn es uns und unseren Führungsqualitäten vertraut, dann folgt uns auch bereitwillig, wenn wir mit ihm die Herde verlassen um beispielsweise auszureiten.

Eins möchte ich hier aber klarstellen: Führungsqualität bedeutet keinesfalls, dass wir unser Pferd dominieren!

Die klare Hierarchie, die sogenannte „Hackordnung“, wie man sie von Hühnern auf Pferde übertragen hat, gilt mittlerweile als veraltet. Natürlich dominiert ein Pferd ein anderes. Aber es gibt keine klare Hierarchie, vielmehr ist es situationsabhängig, ob ein Pferd mal etwas höher steht als ein anderes oder nicht. Und so offen und flexibel sollten wir es auch in unserer Beziehung und in unserem Training gestalten.

Als „Chef der Situation“ dürfen wir unser Pferd niemals in eine Situation bringen, in der es Schmerzen erfährt oder Angst haben muss. Wir sind in dem Moment für seine Sicherheit und seinen Schutz verantwortlich.

Führungsqualität kann niemand spielen

Wenn wir unserem Pferd nicht vertrauenswürdig genug erscheinen, dann übernimmt es selbst die Führung. Es entscheidet, dass es sein Zuhause nicht verlassen möchte und weigert sich, mit uns zu gehen. Es klebt. Oder es reißt es sich los und rennt nach Hause zurück.

Mit diesem Problem hatte auch ich vor einigen Jahren auch zu kämpfen: Als mein Wallach noch Jungpferd war, konnte ich nicht alleine mit ihm rausgehen. Sobald er seine Herde nicht mehr sehen konnte, wurde er bockig. Er hat mir und meinen Führungsqualitäten offenbar noch nicht genug vertrauen und mich als Leittier akzeptieren können. Und er hatte Recht: Ich habe mir ständig Gedanken darüber gemacht, was passieren könnte. Wir könnten einem gefährlichen Trecker begegnen, ein Jäger könnte schießen und mein Pferd könnte sich losreißen und wegrennen… Ich war total unsicher.

Mit der Zeit wuchs mein Vertrauen in ihn und sein Vertrauen in mich. Er fing an, an meine Führungsqualität zu glauben. Dabei bin ich noch immer nicht sehr mutig. Aber um Mut geht es auch gar nicht. Es geht um etwas viel wichtigeres: Mein Pony hat im Laufe der Jahre die Erfahrung gemacht, dass ich auf ihn aufpasse und ihn niemals in Gefahr bringe.

In meinem Onlinekurs Grundlagen der Bodenarbeit baue ich das Führtraining mit dem Pferd Schritt für Schritt auf, sodass du entspannt zum Führprofi für dein Pferd wirst.

Onlinekurs Grundlagen der Bodenarbeit
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Wenn wir beim Ausreiten einer Situation begegnen, die uns nicht ganz geheuer ist, steige ich ab und wir gucken uns die Sache in Ruhe an. Ich zwinge ihn nie, an etwas vorbeizugehen, wovor es sich fürchtet. Das würde auch ein Herdenchef niemals tun.

Ich rede mit ihm und erzähle, was wir da sehen und warum wir keine Angst haben müssen. Das Reden gibt in erster Linie mir Sicherheit. Es hilft mir tief zu atmen. Gleichzeitig beruhigt es aber auch mein Pferd: Wenn ich ruhig bin, dann weiß es, dass ihm nichts passiert. Mit dieser Vorsicht sind wir bisher sehr gut zurechtgekommen.

Viele denken, dass sie ihr Pferd dominieren müssen, um als Leittier akzeptiert zu werden. Das ist Quatsch.

Wenn das Pferd beispielsweise Angst hat, an einer Mülltonne vorbeizugehen, dann darf ich es nicht zwingen, dort vorbeizugehen – nur um zu beweisen, dass ich der Chef bin und das Pferd tun muss, was ich möchte. In dem Moment verhalte ich mich nämlich so, wie sich ein Leittier niemals verhalten würde: Ich bringe mein Pferd absichtlich in eine vermeintliche Gefahr.

Sinnvoller wäre es, dass mein Pferd anhand meines Verhaltens lernt, dass es keine Angst vor der Mülltone haben muss. Also Lernen aus Erfahrung. Möglich ist, diese Lernsituation noch positiv zu verstärken.

Leider kann man dieses Verhalten sehr häufig sehen.

Was macht Kompetenz aus?

  • Authentizität. Wir müssen authentisch sein. Unser Pferd durchschaut nämlich sofort, wenn wir ihm etwas vorspielen. Wer nicht authentisch ist, der ist auch nicht glaubwürdig. Da geht es unserem Pferd genauso wie uns.
  • Innere Stärke. Wir können mit täglichen Herausforderungen, Enttäuschungen und unerfreulichen Situationen gut umgehen und haben gelernt, Probleme erfolgreich zu lösen. Wir lassen uns nicht so leicht unterkriegen. Wenn unser Pferd das weiß, fühlt es sich in unserer Gegenwart gut aufgehoben.
  • Klarheit. Wir sagen was wir meinen und zeigen, was wir wollen. Nur so versteht das Pferd, was wir von ihm wollen.
  • Selbstsicherheit. Wir müssen uns selbst vertrauen und an unsere Stärken und Fähigkeiten glauben. Wenn wir uns selbst nicht vertrauen, warum sollte es dann unser Pferd tun?
  • Entschlossenheit. Wir müssen wissen, was wir wollen. Nur dann sind wir auch in der Lage zu leiten. Und nur dann folgt unser Pferd uns bereitwillig und vertrauensvoll. Zeigen wir Unentschlossenheit, verunsichern wir es.

In meinem Beitrag Die Sache mit der Körpermitte gehe ich darauf ein und erzähle, warum es mir bei all dem Stress um mich herum oft schwer fällt, eine gute Führungsperson für mein Pferd zu sein.

Selbstvertrauen gewinnen

Wenn unser Pferd weiß, dass es uns vertrauen kann und dass wir es niemals wissentlich einer Gefahr aussetzen würden, gewinnt es an Selbstvertrauen. Da geht es ihm wie uns: Wenn wir uns sicher fühlen – sei es in der Schule, im Job oder beim Autofahren – dann werden wir selbstbewusster und mutiger. Das neue Selbstvertrauen hilft unserem Pferd auch in eher unbequemen Situationen – zum Beispiel, wenn die Weidekumpels zum Ausritt abgeholt werden. Natürlich wiehert es und ist besonders aufmerksam. Aber es kommt mit dieser Situation besser zurecht, als ein unsicheres Pferd.

Mit Pferdebrille betrachtet macht das Verhalten unserer Pferde also Sinn.

Plötzlich verstehen wir, warum ein Pferd am Stall klebt und Ausritte alleine unmöglich sind. Wir verstehen jetzt, warum das Pferd lauthals wiehert, wenn seine Weidekumpels ausreiten gehen. Nun ist es an uns, das Problem pferdegerecht zu lösen.

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Und wie löse ich nun das Problem?

Meine Zauberwaffe hieß und heißt Bodenarbeit!

Deswegen lege ich auch so großen Wert darauf, dass jedes Pferd und vor allem aber jeder Mensch die Grundlagen der Bodenarbeit beherrscht. Diese sind immer wieder Thema mit meinen Schülern im Bodenarbeitsunterricht.

Wenn auch bei euch die Grundlagen der Bodenarbeit noch nicht klappen und du unsicher bist, wie du mit deinem Pferd vom Boden aus arbeiten sollst und was du machen kannst, empfehle ich dir meinen Selbstlernkurs Grundlagen der Bodenarbeit.

Solltest du aus der Nähe von 21244 Buchholz kommen, unterstütze ich dich gern auch persönlich mit Unterrichtseinheiten – kommst du von weiter weg, im Rahmen von Workshops und Kursen. Hier findest du weitere Infos zu meinem Angebot.

Hilfe, mein Pferd klebt: Wie die Arbeit an dir selbst deinem Pferd die Trennung von seiner Herde erleichtern kann

13 Kommentare zu „Vom klebenden Pferd zu unserer Führungsqualität“

  1. Hey ich habe neuerdings eine reitbeteiligung das Pferd ist super lieb wenn es bei den anderen ist aber wenn ich mit ihm auf die andere Weide gehe die ca 1 km von den anderen weg ist flippt er aus wiehert immer und rennt umher da sind Stürze auf rutschigen Boden für ihn kein Hindernis. Ich habe heute 5 Stunden lang versucht ihn mit Boden Arbeit und pausen und leckerlies ruhiger zu bekommen aber keine Chance dann ist er mal 5 min ruhig und dann wenn du den Sattel drauf hast wirft er ihn ab und rennt wieder umher und bekommt sich nicht mehr ein nach 5 std hab ich dann aufgegeben… bitte um Rat
    Lg

    1. Liebe Celine,
      aus der Ferne ist es immer schwer, etwas konkretes zu empfehlen.
      Was mir bei deiner Beschreibung sofort einfällt ist, dass 5 Stunden eine unfassbar lange Zeit ist. Ich würde die Trennung kürzer gestalten und erst nach und nach ausweiten. Du könntest zum Beispiel von der Weide weggehen und bis zu dem Punkt gehen, an dem es noch entspannt ist. Dort drehst du um und gehst wieder zurück – ohne etwas „gearbeitet“ zu haben. Das machst du immer wieder. So wirst du sicherlich nach und nach die Entfernung vergrößern können.
      Viele Grüße
      Karolina

  2. Hallo ich hab eine Reitbeteiligung an einem Hafi,die Besitzerin ist leider ziemliche Anfängerin,jetzt hatte sie schon 3x einen üblen Abwurf erlebt,das Pferd kam allein heimlloppiert,einmal Sattel am Bauch…einmal Zaumzeug zerrissen weil mit Gebiss angehängt.Der Haflinger ist seit 9 Monaten im stall,Ausreiten wenn der Kumpel dabei ist,passt alles gut..Aber wenn ich allein geh ist sie ziemlich gestresst,ich mach kaum Fortschritte,( mach das seit 3 Monaten)geh 1-2 xin der Woche spaziern,geb Resuetropfen,aber weil die Besitzerin gar nix macht komm ich auch nicht weiter,..Und wenn sie unter dem Sattel garzu angespannt ist,dann fühl ich ich auch nicht mehr wohl.Was tun?

    1. Hallo Maria,
      puh, das klingt nach einer verzwickten Situation und aus der Entfernung, ohne dich, die Besitzerin und das Pferd zu sehen, kann ich nur schlecht einen Tipp geben. Ich würde am Boden am Vertrauen arbeiten und vielleicht beim Ausreiten wechseln zwischen Reiten und Führen. Und dann natürlich mit der Besitzerin sprechen, ob sie nicht vielleicht auch vermehrt vom Boden arbeiten möchte, bis das Vertrauen des Pferdes in euch wieder da ist. Vielleicht helfen euch auch Reitstunden weiter? Je nachdem, wo ihr zu Hause seid, kann ich euch möglicherweise auch jemanden empfehlen.
      Viele Grüße
      Karolina

      1. Hallo, ich bin seit November in einem neuen Stall und mein Pferd hat sich von Anfang an super mit seinem Boxennachbarn verstanden. Im Winter standen sie zu dritt auf dem Paddock und im Sommer sind sie jetzt zu fünft auf der Weide. Alles sehr harmonisch ohne irgendwelche Rangeleien. Unser Boxennachbar hat eigentlich von Anfang an nach meinem Pferd gerufen, sobald wir den Stalltrakt verlassen haben. Auch, wenn er Sichtkontakt hat, wenn ich meinen kurz nochmal aufs Paddock stelle (Das Paddock ist quasi hinter seinem Fenster). Jetzt kam das Problem hinzu, dass er trotz der anderen Pferde auf der Weide ein riesen Theater macht, wenn mein Pferd nicht oder nicht mit ihm zusammen auf die Weide gebracht wird. Er fängt an zu rennen und zu schreien und die Besi hat Angst um seine Knochen, da er schon vorbelastet ist an den Beinen. Sie überlegt, die beiden fast komplett zu trennen (Box wie auch Paddock im Winter). Ich bin mir nicht sicher, ob das hilft. Gibt es irgendeine andere Möglichkeit? Es wär eigentlich schade, da sie sich so gut verstehen, aber so kann es auch nicht bleiben. Achso, meinen stört es übrigens überhaupt nicht, wenn der andere mal nicht da ist. Er schreit auch nicht nach dem anderen.

  3. Dieser Artikel ist toll! Es ist wirklich wichtig, grundlegende Punkte so zu erklären, dass es jeder verstehen kann und den Pferden gerecht wird! Doch mit einem Punkt bin ich nicht einverstanden: das Pferd sollte das Alleinebleiben keinesfalls als Fohlen einüben. Fohlen entwickeln sich am besten ohne (viel) menschliches Eingreifen. Ich habe das von erfahrenen und wirklich sehr guten Züchtern gelernt und auch über viele Jahre beobachtet. Wie verhindert man später dann das „Kleben“? Ich bin zum Beispiel mit den jungen, angerittenen Pferden nach der „Arbeit“ noch eine Runde um den Stall geritten, oder ein kurzes Stück mit Hund in eine bestimmte Richtung, dann habe ich das so erweitert, dass das Pferd gar nicht gemerkt hat, dass es alleine herumläuft. Es hatte genug Abwechslung und es gab viel zu sehen, und der Hund war ja auch dabei.
    Das wollte ich nur loswerden!
    LG

  4. Pingback: Warum eigentlich persönliche Entwicklung mit Pferden II | pferde-schule

  5. Hallo,
    vielen Dank für diesen Eintrag. Solch ein Problem hatte ich mit meiner Stute bis vor ein paar Jahren auch. Gar nicht mal, dass sie nicht allein sein kann (das geht sogar inzwischen sehr gut), aber sie hat mich absolut nicht ernst genommen. Als Leitstute unserer kleinen Herde ist sie auch ziemlich dominant. Band ich sie an, riss sie sich los. Wollte ich die Hufe auskratzen, setzte sie sich quasi auf den Hintern und zog so lang, bis das Halfter riss. Verlangte ich – ihrer Meinung nach – zu unbequeme Dinge von ihr, stieg sie. Sie hat mir also sehr deutlich gezeigt, dass ihr relativ egal ist, ob ich da bin oder nicht und dass sie ganz gut allein zurecht kommt. Dann habe ich – klassisch FN ausgebildet – mit Horsemanship angefangen und jetzt sind wir seit 2 Jahren ein super eingespieltes Team. Sie ist extrem entspannt, wenn ich nun da bin und vertraut mir. Und das war die ganzen Tränen und den Schweiß sowas von wert 🙂

    Toller Artikel, mehr davon! 🙂

    LG
    Carina

  6. Schön geschrieben, ich sehe das meiste genauso. Das Thema Dominanz wird zu oft missverstanden.
    Ich habe zwei zweijährige Noriker. Einer davon klebt extrem an seinem Kumpel und ist allein sehr unsicher.
    Trotzdem verhält er sich sehr Dominant. Wenn er sich als Führungskraft durchsetzt, sieht sein Vorschlag zur Lösung der Situation so aus:
    „Menschlein komm, das ist hier viel zugefährlich, wir sollten so schnell wir können loslaufen und dabei wild buckeln.“

    Meine Erfahrung ist, dass Selbstsicherheit allein nicht reicht. Er kann mich nur respektieren, wenn ich mich auch auf der Dominanzebene durchsetze. Das gelingt natürlich niemals während einer brenzligen Situation und muss unbedingt vorher in Ruhe geübt werden. Wenn ich das schaffe, dann gilt in einer brenzligen Situation (dazu gehört auch das getrennt sein), alles wie du es beschrieben hast.
    Auf der Dominanzebene werde ich aber im täglichen Umgang immer wieder getestet. Hier darf ich mir keine wiederkehrenden Fehler erlauben. Dann funktioniert der Rest gut. Denn auch mein dominanter Junge fühlt sich viel wohler, wenn er mir vertrauen kann. Mein Vorschlag in einer brenzligen Situation sieht dann so aus

    „Dickerchen, ich bin sehr sicher, dass wir auch ohne deinen Kumpel einfach so an dieser Landmaschine vorbei gehen können. Der sicherste Ort auf diesem Hof ist genau an meiner Seite.“

    Das sage ich dann auch zu ihm, aber eher für mich, um meine eigene Körpersprache zu untermauern. Zu viel reden verunsichert eher wieder. Auf den eigenen Körperausdruck kommt es an.

  7. Hi :o)

    Danke für diesen tollen Bericht!
    Mir ging/geht es leider auch so. Habe seit einem halben Jahr einen 17 jährigen Wallach mit viel (neg.) Lebenserfahrung.
    Er dreht ziemlich durch, wenn er alleine auf der Weide zurück bleibt (immernoch).
    Wenn ich mit ihm alleine weggehe, wird es langsam viel besser. Er wehrt sich fast nie mehr.
    Im ehemaligen Stall gab es zum Schluss auch nur noch Probleme, wenn er alleine zurück bleiben musste.
    Wußte er seinen Kumpel „sicher“ im Stall verstaut, ist er ohne Probleme mit mir mitgegangen. Dann war er sogar sehr neugierig und wollte die Umgebung erkunden. Habe ich ihn jedoch alleine auf die Weide gebracht, ging das gar nicht! Da musste ich schon daneben stehen bleiben ;o)

    Bei ihm hat es gut funktioniert ihn häppchenweise von dem anderen Pferd weg zu führen. Das heißt, wird haben uns jeden Meter erarbeitet mit Möhrchen und wieder umdrehen beim kleinsten Zeichen von Streß.

    So konnten wir letztendlich sogar ne große Runde alleine spazierengehen :o)
    Allerdings, wenn sein Kumpel alleine wegging ist meiner völlig durchgedreht u. ließ sich nicht beruhigen. So ist es leider immer noch :o( da hilft auch keine extra Ration Heu….
    Was ganz gut hilft ist, ihn dann abzulenken indem ich seine Aufmerksamkeit auf mich lenke und ihn fleißig „vorwärts schicke“ in eine von mir gewünschte Richtung (frei, ohne Longe!).

    Ich hoffe in unserem neuen (Offen)stall kann ich das in Ruhe mit den neuen Stallkumpels üben….. leider liegt das ja nicht voll in meiner Hand…. ;o)

  8. Pingback: Pferdefreunde | Bodenarbeit ist toll

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