Weide

Frühjahrsputz für die Weide

Frühjahrsputz für die Weide
Artikel aktualisiert am 14.03.2019

Ist das nicht herrlich? Nach dem langen Winter scheint die Sonne endlich wieder länger als 10 Minuten am Stück, die Vögel übertreffen sich gegenseitig mit ihrem Gezwitscher und wir können auch mal ohne zehn Klamottenschichten raus gehen. Mit dem wärmeren Wetter rückt auch die Weidesaison immer näher. Viele Pferdebesitzer fangen bereits an, vorsichtig anzuweiden. Je nach Wetterlage, Bodenbeschaffenheit, Aufwuchs und Weidevorbereitungen können die Pferde ab April aufs Grüne gelassen werden. Doch bevor es so richtig losgeht, steht die Vorbereitung der Weide auf die kommende Saison im Fokus.

Gastbeitrag von Steffi

Material für den Weidebau
Sind Pfähle, Zaungriffe, Isolatoren und Litze startklar? Prima. Dann kann’s losgehen.

Ich gehöre zu den glücklichen Pferdemädchen, die mit den Pferden hinterm Haus aufgewachsen sind. Der Frühjahrsputz auf den Sommerweiden ist entsprechend schon ein kleines jährliches Event und stimmt mich immer auf den Frühling und Sommer ein. Prinzipiell sollte jeder Pferdehalter die Umzäunungen vor dem ersten Weidegang gründlichst prüfen und gegebenenfalls ausbessern. Ich zeige dir heute, worauf du achten musst.

Litze

Litze Pferdeweide
So bitte nicht: Ein Sammelsurium an Litzen und Drähten. Hier sind Stromverluste und Verletzungen vorprogrammiert.

Die klassische stromführende Litze gibt es mittlerweile in zahlreichen Breiten, Stärken und Farben. Die Wahl der richtigen Litze hängt davon ab, „was“ man umzäunen möchte.

Für Stuten mit Fohlen oder Jungpferde empfehlen sich beispielsweise breite, gut sichtbare Breitbandlitzen, die auch von „Weideneulingen“ gut wahrgenommen werden. Mittlerweile erhält man neben den klassisch weißen auch welche in Orange, Rot, Grün, Blau, …. undundund.

Hengsthalter sollten insbesondere darauf achten, dass die Litze ausreichend Strom führt. So schön, wie es für den Hengst ist, wenn er eine Weide sein Eigen nennen darf, so unangenehm kann es für vorübergehende Ausreiter werden, wenn sich der Pferdemann aufgrund von zu wenig Strom im Zaun verselbstständigt.

Unsere drei Ponys sind zwar alte Weideprofis und benötigen keine speziell sichtbare Litze oder wahnsinnig starken Strom, aber so ganz sorglos können auch wir nicht an die Umzäunung gehen. Insbesondere Shettydame Hannah ist eine wahre Ausbruchskünstlerin. Wegen ihr gilt: eine Litze muss immer knapp über dem Boden verlaufen und stets frei von Bewuchs sein ­– das würde sonst die Stärke des Stroms erheblich beeinträchtigen und Hannah zu dem einen oder anderen Spaziergang außerhalb der Wiese ermuntern. Für die Höhe gilt generell, dass die oberste Litze mindestens auf Widerristhöhe des größten Pferdes angebracht sein sollte – es sei denn man hat einen Springer dabei, der sich mit einem gekonnten Satz über den Zaun davonmacht. Dann darf es gerne auch mal ein bisschen höher werden.

Pferde auf Pferdeweide
Der Graue springt drüber, die Schwarze kriecht untendrunter durch. Da helfen nur entsprechend viele Litzen.

Die Knackpunkte der meisten Litzen sind, insbesondere nach sehr kalten oder nassen Wintern, die dünnen Metalldrähte, die den Strom führen. Sie können rosten und dann auch ganz brechen.

Verrostete Litze
Der verrostete Metalldraht sorgt für ordentliche Stromverluste.

Aber auch das Plastik kann durch zu starken und langen Frost brechen. Das hemmt zwar nicht den Stromfluss (solange der Metalldraht noch intakt ist), könnte aber bei der nächsten Belastung komplett reißen. Solche Schwachstellen also am besten immer gleich ausbessern: defektes Stück Litze mit einem Seitenschneider oder einer scharfen Schere rausschneiden und ein neues Stück Litze der gleichen Stärke mittels Kreuzknoten einfügen. Unbedingt darauf achten, dass die Metalldrähte Kontakt zueinander haben.

Knoten in Litze
Der Kreuzknoten ist die Allzweckwaffe beim Reparieren von schadhaften Stellen im Zaun.

Gerade bei etwas entlegeneren Weiden ist das komplette Abgehen des Zaunes vor dem ersten Anweiden extrem wichtig: Wild könnte im Verlauf des Winters hindurchgesprungen sein und große Schäden angerichtet haben. Auch heruntergefallene Äste oder Gestrüpp bitte immer vollständig entfernen. Die Sichtkontrolle des Zaunes sollte im Laufe der Weidesaison zu einer regelmäßigen Routine werden.

Überwucherter Weidezaun
Ein Fall für die Sense: Bevor die Pferde hier drauf können, muss das Gestrüpp weg.

Zaunpfähle

Wir verwenden je nach Standort und Zweck drei Arten von Pfählen: die klassischen weißen Plastikpfähle, Holzpfähle und etwas kleinere Messingpfähle. Jeder hat so seine Vorzüge und Nachteile.

Plastikpfähle

Sie sind flexibel einzusetzen, leicht in die Erde zu bringen, günstig und gut zu lagern. Allerdings sind sie, je nach Verarbeitung, nicht besonders robust und halten einem Ausbruchsversuch vom Shetty meistens nicht Stand. Bei der Auswahl der richtigen Pfähle kommt es auf ein Merkmal besonders an: das Plastik muss unbedingt UV-beständig sein, damit es durch Sonnenstrahlung nicht spröde wird und bricht. Die leichten Plastikpfähle kommen überall dort zum Einsatz, wo schnell ein Stück Weide abgesteckt werden muss, der Boden zu fest oder zu steinig ist für Holzpfähle oder um im Sommer eine Steckweide für leichtfuttrige Ponys zu installieren. Außerdem sind sie extrem praktisch, falls ein fest installierter Holzpfahl doch mal überraschend den Geist aufgibt und fix ersetzt werden soll. Jeder Pferdehalter mit eigenen Wiesen sollte also immer ein paar Plastikpfähle in petto haben – auch wenn man ansonsten alles mit anderem Material umzäunt!

Weideposten aus Holz und Plastikpfosten
Wackelpartie: Der Holzpfahl kippelt schon bedrohlich. Bis ein neuer gesetzt werden kann, tut’s auch der Plastikpfahl.
Messingpfähle

Eine absolute Empfehlung von mir: Messingpfähle sind extrem witterungsbeständig und robust, flexibel sowie leicht in die Erde zu bringen. Größtes Manko: man kann nur zwei Isolatoren befestigen und sie sind recht niedrig. Für Pferde, die „leicht“ einzuzäunen sind und sich schon durch 2 Litzen beeindrucken lassen, sollte das aber kein Problem darstellen. Leider sind sie auch nicht ganz billig und häufig schwer zu bekommen. Wir haben unsere bereits seit mehr als 10 Jahren und damals von einer Messe mitgebracht.

Holzpfähle

Die wohl optisch schönste Art der Umzäunung. Aber nicht nur das: Holzpfähle sind extrem belastbar, für dauerhafte Umzäunungen und Tore ideal und bieten, bei richtiger Verarbeitung, besten Halt in der Erde. Für das Setzen benötigt man allerdings entweder große Gerätschaften oder starke Muskeln.

Holzpfaehle
Frisch eingegrabene Kanthölzer an den Eingängen zur linken und rechten Sommerweide.

Die idealen Pfosten liefern Harthölzer wie Eiche und Robinie. Beide Hölzer sollten vor der Verarbeitung als Weidezäune mindestens 3 Jahre abgelagert sein. Einmal eingesetzt, können sie dann bis zu 30 Jahre alt werden. Da die Rinde der Robinie giftig ist, dürfen nur geschälte Pfosten dieser Holzsorte verwendet werden. Alternativ kann man natürlich auch Pfähle aus Weichholz (in der Regel alle Nadelbaumsorten) verwenden. Diese sind etwas preiswerter, halten aber nicht ganz so lange – ca. 10 Jahre leisten sie treue Dienste, dann muss man sie meistens wieder austauschen. Um Verbiss zu vermeiden, empfiehlt sich entweder eine Kesseldruckimprägnierung oder eine Litze E-Draht vor dem Holz. Bei chemischer Imprägnierungen gilt grundsätzlich: so wenig wie möglich und so viel wie nötig. Lasst euch am besten im Holzfachmarkt umfassend beraten.

Alter Weidepfahl aus Eichenholz und neuer Weidepfahl
Alter Eichenpfahl hinter neuerer Version. Die knorrigen Dinger halten länger, als man denkt! Die Drahtverbindung stellt sicher, dass der Strom auf allen Litzen gleichmäßig verteilt wird.

Bitte, bitte, bitte keine alten Bahnschwellen, Strom- oder Telegrafenmasten verwenden! Diese sind speziell chemisch behandelt, um extrem langlebig und witterungsbeständig zu sein. Neben der Tatsache, dass die Imprägnierung dieser Hölzer für Pferde giftig ist, ist die Verwendung zu landwirtschaftlichen Zwecken, also auch als Weidezaun, sogar offiziell verboten.

Egal welche Pfähle verwendet werden – vor der neuen Weidesaison müssen alle auf Standfestigkeit und intakte Litzenhaken geprüft werden. Wackelige oder stark verwitterte/zerfressene Holzpfähle am besten jetzt austauschen: Sofern frostfrei ist der Boden jetzt noch nicht zu stark mit Wurzeln durchzogen und das Eingraben/Einschlagen neuer Pfähle fällt entsprechend leichter. Sind noch keine Ersatzholzpfähle zur Hand oder der starke Mann kann erst am nächsten Wochenende: einfach solange einen Plastikpfahl davor setzen.

Isolatoren

Wer Holzpfähle nutzt, kommt um Isolatoren nicht herum. Beim Abgehen des Zaunes sollten alle Isolatoren auf festen Halt geprüft und gegebenenfalls nachgezogen oder ganz ersetzt werden.

Isolatoren im Weidepfahl
Alle Isolatoren sollten auf festen Halt geprüft werden. Auch Isolatoren, die noch gut „aussehen“ fallen manchmal schon bei der kleinsten Berührung von alleine aus dem Holz.

Stellt man fest, dass an einer Stelle kein Isolator mehr im Holz steckt, wo eigentlich mal einer drin war: auf die Suche gehen. Häufig werden sie von Rehen oder Wildschweinen beim hindurchrennen aus dem Holz gerissen und liegen nun irgendwo auf der Weide rum – nicht gerade ungefährlich für unsere Pferde.

Bewuchs

Eine Sache ist mir persönlich ganz besonders wichtig: Unsere Freizeitpferde sind keine Hochleistungsrinder oder Extremsportler! Saatgutmischungen in denen überwiegend energiereiche Süßgräser zu finden sind, gehören nicht auf die Weiden von Freizeitponys und -pferden. Völlig unerheblich, ob fruktanarm drauf steht oder nicht. Lasst euch da nichts aufschwatzen! Monokotyledone, also einkeimblättrige Pflanzen, zu denen alle Gräser zählen, speichern im Laufe ihres Wachstum vermehrt Fruktane an, die im Verdacht stehen Hufrehe, EMS oder andere zum Teil chronische Stoffwechselkrankheiten auslösen zu können. Die überwiegende Fütterung von solchen energiereichen Gräsern kann (muss nicht) bei leichtfuttrigeren Pferden  entweder für dicke Fettpolster oder im schlimmsten Fall für eine Hufrehe sorgen.

Eine etwas krautiger aussehende Weide, die mit Spitzwegerich, Beifuß, Brennesseln, Löwenzahn oder Schafgarbe durchzogen ist, ist mir persönlich deshalb wesentlich lieber und keinesfalls gleich ein Fall für den Pflug sondern sollte entsprechend gepflegt werden. Die ausgewogene Mischung aus Dykotyledonen, also Kräutern, und Monokotyledonen, den Gräsern, machts. Und natürlich gilt für jede Pferdeweide, dass Giftpflanzen nichts darauf zu suchen haben. Deshalb: regelmäßig im Laufe der Weidesaison nachkontrollieren, denn nicht jede Giftpflanze zeigt sich gleich zu Beginn des Frühjahrs.

Um einen gleichmäßigen Aufwuchs zu gewährleisten und eventuelle Geilstellen, also die Stellen, auf die die Pferde bevorzugt äppeln, zu vermeiden, sollte die Weide vor der neuen Aussaat abgeschleppt werden und anschließend ein paar Tage ruhen.

Neue Weide für Pferde
Sauber abgeschleppt und startklar für die neue Weide-Saison.

Anschließend entweder komplett neu ansäen oder nur die dünnen Stellen mit neuer Saat auffüllen. Wichtig dafür ist der richtige Zeitpunkt: Ist der Boden knochentrocken und hat sich Regen angekündigt? Besser noch ein/zwei Tage warten. Ein ausgedörrter Boden nimmt Wasser sehr langsam auf und das Saatgut könnte durch den Regen zunächst weggeschwemmt werden, anstatt in den Boden überzugehen. Idealerweise sät man aus, wenn der Boden locker und leicht feucht ist, das Wetter mild und frostfrei und sich vielleicht innerhalb der nächsten Tage leichter Nieselregen angekündigt hat.

Verrätst du mir, wie dein Frühjahrsputz im Stall und auf der Weide so aussieht?

Liebe Grüße
Steffi

Übrigens: Viele weitere Tipps für Pferdehalter findest du auch in meinem eBook Pferdehaltung als Selbstversorger, das du dir hier kaufen kannst.
  1. Pingback: Ab auf die Wiese! Aber nicht so schnell … | Pferdefreunde

  2. Habe ich letzte Woche auch gemacht und jetzt hat der Sturm wieder alles kaputt gemacht 🙁 Ich mag deinen Blog sehr 🙂

    • steffimietzke

      Oh nein! Wie ärgerlich. Ich hoffe, es ist niemandem etwas passiert und deinen Pferden geht es gut!? Vielen Dank für die netten Worte! Das freut uns sehr 🙂

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