Knabberäste für Pferde Was ist erlaubt und welche Äste sind giftig für Pferde

Knabberäste für Pferde: Welche Bäume und Sträucher sind erlaubt?

Knabberäste für Pferde sind eine tolle Abwechslung für den Offenstall. Sie können den Bedarf deines Pferdes an faserhaltigem Futter ergänzen und sind darüber hinaus tolle Mineralstofflieferanten. Und zwar unabhängig davon, ob du Äste abschneidest und hinlegst oder ob du deinen Paddock mit Knabbersträuchern bepflanzt. Aber welche Bäume und Sträucher sind überhaupt erlaubt?

Auf unserem alten Paddock stand ein Apfelbaum und als eines der Pferde herausgefunden hat, dass es ganz schön ist, daran zu knabbern, wollten die anderen natürlich mitmachen. Wir Pferdebesitzer fanden das nicht so toll, weil neun Pferde bei einem Apfelbaum dem Baum ganz schön zusetzen. Deswegen haben wir den Baum so gut es geht geschützt und unseren Pferden Knabberäste besorgt, die sie gerne angenommen haben. Das war für mich der Zeitpunkt, mich mit dem Thema Knabberäste näher zu befassen.

Erhöhter Bedarf an faserhaltigem Futter

Während des Winters und zu Beginn des Frühlings wächst bei Pferden der Bedarf an faserhaltigem Futter wie Rinde oder Blätter. Dies ist ein natürlicher Trieb. Deswegen fressen die Pferde im Herbst die herabfallenden Blätter so gerne und knabbern im Frühjahr besonders gern an Holz – seien es Zäune, Tore oder aber Bäume. Bäume und Sträucher sind außerdem tolle Vitamin- und Mineralstofflieferanten – wobei das Mineralfutter natürlich nicht einfach weggelassen werden kann, nur weil ein Pferd ein bisschen am Holz knabbert.

Ein weiterer Vorteil von Knabberästen ist, dass Pferde ihre Zähne richtig abnutzen. In der Regel fressen Pferde mit Heu und Heulage sehr viel weiches Futter. Hier sind regelmäßig verfügbare Knabberäste eine sinnvolle Ergänzung.

Dies gilt übrigens auch, wenn das Pferd zu dick ist und man ihm anstelle von Raufutter ad lib noch etwas anderes zum Knabbern anbieten möchte (hier liest du mehr über das Thema dicke Pferde). Die Pferdeernährungsexpertin Conny Röhm empfiehlt beispielsweise, Knabberäste in die Raufutterration einzuberechnen (hier bei wehorse* findest du einen tolle Kurs mit ihr zu den Grundlagen der Pferdefütterung und mit dem Code 360GRADPFERD sparst du beim Abschluss eines Jahresabos sogar 60€!)

Außerdem stellen sie ein sinnvolles Beschäftigungsangebot dar und können daher prima in die Paddockgestaltung integriert werden – entweder indem du sie pflanzt oder indem du Zweige abschneidest.

Birke für Pferde ist als Knabberast beliebt
Birke ist als Knabberast für Pferde sehr beliebt

Welche Knabberäste sind erlaubt?

Falls auch du deinen Pferden ein paar Knabberäste zur Verfügung stellen möchtest, findest du im folgenden eine Auflistung von erlaubten und giftigen Bäumen.

Ein kleiner Hinweis vielleicht noch: Bei Obstbäumen solltest du, wenn diese Bäume an/auf deinem Offenstall stehen, die Früchte ernten und sie deinen Pferden nicht geben. Aber ich glaub, dass sich das von selbst erklärt.

Erlaubte Bäume und Sträucher sind:

  • Birke (bei Nordfalben findest du viele Infos rund um die Birke)
  • Obstbäume (zum Beispiel Apfel, Birne, Pflaume)
  • Weide (hier gibt es rund 300 unterschiedliche Arten; Weide enthält Salizylate, die im Pferdedarm zu Salizylsäure umgewandelt werden. Salizylsäure ist eine Vorstufe von Acetylsäure und dies kennst du sicherlich von Aspirin. Deswegen sind Weidezweige für Pferde mit beispielsweise Arthrose oder Hufrehe auch gut geeignet. Aufpassen musst du allerdings, wenn du mit deinem Pferd aufs Turnier fährst, denn Salzylsäure ist dopingrelevant. Dein Pferd sollte 48 Stunden vorher lieber keine Weide fressen.
  • Haselnuss
  • Erle
  • Pappel
  • Linde
  • Ulme
  • Weißdorn
  • Hainbuche
  • Brombeere ( Brombeeren bzw. die Blätter von Brombeerhecken werden von Pferden gerne gefressen. Mehr dazu kannst du hier nachlesen: Darf mein Pferd Brombeeren fressen?)
  • Himbeere (als angepflanzte Knabberei)
  • Wildrose (als angepflanzte Knabberei)

Weniger geeignet als Knabberäste sind:

Buche

Obwohl die Buche hier bei uns in Deutschland sehr weit verbreitet sind, gehört die Buche nicht zur ersten Wahl bei den Knabberästen. Bucheckern sind giftig für Pferde. Buchenholz an sich soll in kleinen Mengen unbedenklich sein, wenn du aber eine Alternative hast, würde ich auf die Buche verzichten.

Eine Ausnahme ist die Hainbuche.

Nadelbäume

Diese enthalten ätherische Öle und sollten maximal in Maßen gegeben werden. Deswegen gehört der Weihnachtsbaum nach dem Fest auch nicht zu den Pferden. Bei den Weihnachtsbäumen kommt außerdem hinzu, dass diese oft gespritzt und damit höchst giftig für die Tiere sind.

Allerdings lasse ich mein Pony im Wald Nadelbäume fressen, wenn es dazu Lust hat (und das hat es meist immer). Doch auf Knabberäste in größeren Mengen würde ich verzichten.

Eiche

Rinde, Eicheln und Laub enthalten Tannine und sind – in großen Mengen aufgenommen – giftig für Pferde. So können Magenreizungen und Verstopfungen entstehen. Bei stoffwechselbelasteten Pferden sollte in der Zeit des Eichelfalls besonders aufgepasst werden.

Kleine Mengen find ich unbedenklich – wir haben zum Beispiel eine Eiche am Paddock und ich mach mir da auch keine Sorgen, wenn die Pferde mal ein bisschen Rinde knabbern, Blätter fressen oder Eicheln sammeln (wobei wir im Herbst großräumig absperren und die Eichelfresserei unterbinden 😉 ). Ich persönlich würde Eiche aber nicht als Knabberäste anbieten.

Giftige Knabberäste sind:

Akazie

Für Pferde ist die gesamte Pflanze giftig, ganz besonders aber die Rinde und die Früchte. Frisst ein Pferd Akazie, kann es zu Magen-Darm-Problemen und zur Störung des zentralen Nervensystems kommen. Auch Hufrehe ist möglich.

Bergahorn

Lange Zeit hieß es, dass Ahorn verantwortlich sei für die Atypische Weidemyopathie. An der Veterinärmedizinischen Fakultät Utrecht konnte herausgefunden werden, dass Hypoglycin A, das ist das Gift, das für die Atypische Weidemyopathie verantwortlich ist, weder im Spitzahorn, noch im Feldahorn (beides sind, gemeinsam mit dem Bergahorn in Europa verbreitete Ahornarten) nachzuweisen ist (Quelle). Besonders hoch ist die Giftkonzentration in den Sprösslingen und Samen des Bergahorns.

Buchsbaum

Die Blätter des immergrünen Buchsbaums sind für Pferde tödlich. Das Gift wirkt auf den Magen-Darm-Trakt und das Zentrale Nervensystem. Das Pferd stirbt durch Herz- und Atemstillstand.

Efeu

Sollten die Knabberäste mit Efeu bewachsen sein, unbedingt das Efeu entfernen, besser wäre es aber, andere Äste zu besorgen. Efeu sorgt für Reizungen der Schleimhaut und Durchfall. Auch Koliken und Gefäßerkrankungen sind möglich.

Eibe

Eibennadeln können tödlich sein für Pferde. Eibe führt zu Atemlähmung und Herzstillstand.

Lebensbaum (Thuja)

Auch wenn Thuja nicht tödlich ist, so ist der Lebensbaum dennoch giftig für Pferde und führt unter anderem zu Leberproblemen.

Robinie (falsche Akazie)

Robinie kann zu Magen-Darm-Entzündungen und Hufrehe kommen. Außerdem kann Robinie tödlich für die Pferde sein.

Rosskastanie

In den Rinden (Fruchthüllen) von Kastanien sind Saponine und Glykoside enthalten, die für Pferde tödlich sein können. Fressen Pferde Rosskastanien können sie Magen- und Darmkrämpfe und Durchfall bekommen. Auch Muskelzuckungen und Benommenheit sind möglich.

Walnuss

Das Kernholz im Inneren des Walnussbaumstamms ist giftig für Pferde und kann sogar tödliche Vergiftungen hervorrufen. Die Blätter hingegen sind unbedenklich. Sie unterstützen das Verdauungssystem und sind entzündungshemmend und blutreinigend. Mehr über Walnussblätter in der Pferdefütterung kannst du bei Tash Horseexperience nachlesen. Auch die grüne Schale der Walnüsse solltest du deinen Pferden lieber nicht geben.

Knabberäste für Pferde
Knabberäste für Pferde

Die Listen sollen nur ein paar Ideen liefern und sind bei weitem nicht vollständig. Wenn du Holz übrig hast und unsicher bist, ob du es füttern darfst oder nicht, informiere dich unbedingt. Außerdem ist es wichtig ist darauf zu achten, dass die Knabberäste, die deine Pferde bekommen sollen, nicht gespritzt sind. Falls dich in dem Zusammenhang auch die Fütterung von Laub interessiert, solltest du mal bei Pferdekult vorbeischauen.

Viele weitere Ideen für den Offenstall findest du auch in meinem eBook Pferdehaltung als Selbstversorger.

Wenn du dich grundsätzlich informieren möchtest, welche Pflanzen giftig für dein Pferd sind, dann empfehle ich dir mein Pferdehaltungs-Lieblingsbuch Pferdehaltung & Permakultur von Dr. Tanja Romanazzi.

Bietest auch du deinen Pferden Knabberäste an? Welches Holz nutzt du dafür?

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Quellen:

Giftpflanzen für Pferde

Offenstallkonzepte

9 Kommentare zu „Knabberäste für Pferde: Welche Bäume und Sträucher sind erlaubt?“

  1. Pingback: Die Eibe - tödlich giftig und lecker... - experience-outdoor.de

  2. Pingback: Pferde-Spielzeug – Spiel & Spaß in Box und Paddock - EquidocsEquidocs

      1. Flieder hab ich schon mehrfach als giftig oder bedenklich gehört und gelesen.
        Lassen wir daher weg.
        Witzig finde ich dass Kaninchen und Pferde wohl das gleiche zum knabbern lueben und vertragen. Das war uns auch ein guter Anhaltspunkt. (Immer lieber auf Nummer sicher)

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