Pferdemist ordnungsgemäß lagern und entsorgen

Was tun mit dem Pferdemist? Tipps zur ordnungsgemäßen Lagerung und Entsorgung

Der eigene Traum vom Stall ist in greifbarer Nähe und plötzlich kommt die Frage aller Fragen: Wohin mit dem Pferdmist? Einfach irgendwo einen Haufen anlegen und einmal im Jahr wegbringen (lassen), war früher mal möglich. Heute darfst du das nicht mehr machen. Worauf es bei der Mistlagerung und -entsorgung ankommt, erzähl ich dir in diesem Beitrag.

Obwohl ich schon viele Jahre Selbstversorger bin, war das Thema Mist bislang immer ziemlich easy bzw. kein Thema, um das ich mich persönlich kümmern musste. Entweder war unsere Haltergemeinschaft direkt bei einem Bauern, der selbst Tiere hatte und sich um die korrekte Lagerung und Entsorgung des Mists gekümmert hat, oder wir hatten einen Landwirt im direkten Umfeld, der unseren Mist abgenommen hat.

Mit dem jetzt eigenen Stall und alleiniger Pferdehaltung muss ich mich also auch intensiv mit dem Thema Pferdemist lagern und entsorgen auseinandersetzen. Ich selbst lebe in Niedersachsen, daher ist das, was ich dir hier erzähle, auf Niedersachsen bezogen. Ich gehe aber davon aus, dass es in den meisten Bundesländern sehr ähnlich gehandhabt wird. Genauere Informationen findest du bei der jeweiligen Landwirtschaftskammer deines Bundeslandes.

Düngeverordnung betrifft Pferdebesitzer

Seit dem 20.04.2020 bzw. dem 01.01.2021 gilt in Niedersachsen eine neue Düngeverordnung, die auch uns Pferdebesitzer betrifft. Der Grundsatz dieser Verordnung gilt schon länger. Neu, so sagte es mir Ulrike Struck, Fachreferentin Pferdezucht und -haltung bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, sei das Thema Nitratbelastung der Böden. Mit der neuen Düngeverordnung werden vor allem verstärkt die Vorgaben der EG-Nitratrichtlinie umgesetzt.

EG Nitratrichtlinie = Richtlinie zum Schutz der Gewässer und des Grundwassers vor Verunreinigung durch Nitrat aus der landwirtschaftlichen Düngung und Flächennutzung.

Warum betrifft mich als Pferdehalter im Selbstversorgerstall die EG Nitratrichtlinie?

Wenn du Pferde hältst, fällt jede Menge Mist an. In ihrem Buch Pferdehaltung & Permakultur (hier erhältlich und absolut lesenswert!!*) gibt Autorin Dr. Tanja Romanazzi auf S. 161 an, dass Pferde rund zehn bis 15 Mal am Tag äppeln und du pro Pferd mit rund 20 – 24 m³ Pferdemist im Jahr rechnen solltest.

Vielleicht etwas praxisbezogener: Bei zwei Islandpferden habe ich eine volle Schubkarre Pferdemist, bei vier Pferden zwei volle Schubkarren und bei neun Pferden hatten wir meist vier volle Karren – alles pro Tag und auf reine Äppel ohne Stroh oder Späne bezogen.

Auch wenn Pferdemist natürlich mit der Zeit verrottet, sind 20 m² pro Pferd eine ganze Menge. Sind deine Äppel dann auch noch mit Stroh oder Spänen vermischt, erhöht sich die Lagermenge noch einmal deutlich.

Lagerst du die aufgesammelten Pferdeäppel auf einem Haufen und dieser regnet nass, sickert ziemlich viel davon in den Boden und verunreinigt diesen sowie das Grundwasser. Aus diesem Grund betrifft dich die EG Nitratrichtlinie selbst dann, wenn du nur zwei Minishettys hast – denn auch die fressen und äppeln anschließend.

Pferdeäppel sammeln: eine gute Stallhygiene ist das A und O für die Gesundheit deiner Pferde

Je nachdem, wie dein Stallkonzept aussieht und wie viel Weide dir zur Verfügung steht, wirst du entweder täglich alles absammeln (dann kommst du sicherlich auf die angegebene Menge) oder du lässt während der Weidesaison die Pferdeäppel auf der Wiese liegen. Letzteres ist in der Dünge-Verordnung übrigens nicht erfasst, wie mir Ulrike Struck verriet. „Man muss allerdings den anfallenden Mist bei der Düngung berücksichtigen. Wenn man Mist auf gewachsenem Boden liegen lässt, können Sickersäfte in das Erdreich gelangen und zu einer Verschmutzung des Grundwassers führen.“

Ich persönlich befürworte ganz klar das tägliche Absammeln von Paddock und Wiese. Letzteres vor allem deswegen, weil ich auch ein Befürworter von zeitlich begrenztem Weidegang und Steckwiesen bin. Zeitlich begrenzt, weil meine Isis sind zu dick werden. Steckwiesen, weil ich das Abfressen des Gras besser steuern und die Weidestücke besser auf Giftpflanzen wie Jacobskreuzkraut und ähnliches hin kontrollieren kann.

Sammelst du beim Steckweide-Konzept die Pferdeäppel nicht ab, hast du letztendlich weniger Gras zur Verfügung, weil die Pferde die verunreinigten Stellen nicht fressen. Geilstellen entstehen und gleichzeitig erhöht sich der Wurmdruck.

Letzteres betrifft natürlich auch Stall und Paddock: Liegen hier viele Pferdehaufen, die nicht regelmäßig weggesammelt werden, steigt der Wurmdruck und gefährdet somit die Gesundheit deines Pferdes. Fressen die Pferde dann auch noch Heu vom Boden, knabbern Gras oder ähnliches oder liegen mit ihrer Nase im Mist, steigt die Gefahr der Verwurmung – insbesondere bei Pferden mit einem geschwächten Immunsystem.

Da ich seit einigen Jahren auf das Prinzip der zeigemäßen-selektiven Entwurmung setze und regelmäßig die Kotproben untersuchen lasse, um nicht blind unnötige Wurmkuren zu verabreichen (die im schlimmsten Fall nicht mal gegen die vorhandenen Würmer schützen), ist mir die Stall- und Wiesenhygiene eine Herzensangelegenheit.

Hinweis zum Düngen mit Pferdemist

Wie oben schon erwähnt, muss der möglicherweise liegengebliebene Pferdemist bei der Düngung der Wiesen berücksichtigt werden. Wenn du keine 15 ha Land bewirtschaftest (bei mir ist es nicht mal ein Hektar) und extensiv düngst, das bedeutet, dass du nur sehr wenig Dünger verwendest und unter den Bagatellgrenzen der Düngeverordnung bleibst – das bedeutet kein Schlag erhält mehr als 50 kg N oder 30 kg P2O5 je Hektar und Jahr, musst du keinen Nährstoffvergleich nach § 8 Düngeverordnung erstellen.

Ich empfehle dir, dass du einfach mal auf die Seite deiner Landwirtschaftskammer schaust. Dort findest du sicherlich auch ein Schema „Wer ist aufzeichnungspflichtig im Rahmen der Düngeverordnung?“, mit dem du prüfen kannst, ob bei dir ein Nährstoffvergleich erforderlich ist oder nicht. Wenn ein Nährstoffvergleich nötig ist, musst du den Düngebedarf vor der ersten Düngung des Jahres ermitteln.

Aufzeichnungspflicht Düngen von Pferdeweiden
Hier siehst du Informationen zur Aufzeichnungspflicht für das Düngen von Pferdeweiden, die mir die LWK Niedersachsen an die Hand gegeben hat

Pferdemist lagern: Rechtliche Grundlagen

Stall- und Wiesenhygiene bedeutet im Umkehrschluss aber auch anfallender Mist und die Notwendigkeit eines Misthaufens zur Lagerung der Pferdeäppel.

Um eine Verunreinigung des Bodens und des Grundwassers zu verhindern, gibt es ein paar rechtliche Grundlagen bei der Lagerung von Pferdemist, an die wir uns Pferdebesitzer und Stallbetreiber halten müssen.

Dabei gilt:

Entweder brauchst du eine feste Mistplatte aus Beton mit einer Jauchegrube für das Sickerwasser oder du hast eine überdachte Mistplatte, die mögliches Sickerwasser durch Regen verhindert. Dieser Mistlagerplatz muss eine Lagerkapazität von mindestens zwei bis sechs Monaten (je nach Bundesland) aufweisen können.

Möglicherweise denkst du dir jetzt „puh, wie soll denn das gehen“?

Glaub mir, mit diesem Gedanken bist du nicht allein. Deswegen habe ich Ulrike Struck nach Lageralternativen gefragt und sie hat vier Alternativen genannt, die sich für die Mistlagerung eignen würden.

4 Möglichkeiten zur Mistlagerung

  • Alternative 1: Tiefstall, Mist bleibt als Mistmatratze drin; wenn Ausmisten –> sofortige Abholung des Mistes (Vertrag mit Landwirt)
  • Alternative 2: wasserdichter Container, wasserdicht abgedeckt oder unter einem Dach
  • Alternative 3: eine leere Pferdebox zur Lagerung verwenden
  • Alternative 4: einen überplanten Anhänger nutzen

Eine weitere Alternative, die hier nicht genannt wird, ist die temporäre Zwischenlagerung am Feldrand. Temporär bedeutet: maximal 6 Monate. Und auch nur, wenn der Landwirt mit diesem Mist später sein Feld düngen wird. Auch dieser Misthaufen muss abgedeckt sein. Zusätzlich zur Zwischenlagerung am Feld brauchst du trotzdem eine ordnungsgemäße Mistlagerstelle am Stall – zum Beispiel einen Container oder eine leere Box.

Kleiner Tipp: Wenn du deinen Stall in einem Wasserschutzgebiet hast, gibt es weitere Regeln. Hier musst du unbedingt individuell schauen, was erlaubt ist!

Pferdemist entsorgen: Wohin mit den Pferdeäppeln?

Wenn du in der glücklichen Lage bist, dass du sehr viel Wiese und sehr wenige Pferde hast, kannst du den Pferdemist als Dünger für die Wiesen benutzen. Pferdemist hat ein gutes Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis und ist daher ein gut geeigneter Dünger. Je besser dieser Wert ist, desto mehr Stickstoff steht den Pflanzen am Ende zur Verfügung. Und wenn der Misthaufen einen guten Heißrotte-Kompostierungsprozess durchlaufen hat, sind in der Regel die in den Pferdeäppeln enthaltenen Würmer nicht mehr am Leben.

Für das Ausbringen von Pferdemist gibt es eine Sperrfrist vom 01. Dezember bis 15. Januar bzw. vom 01. November bis zum 31. Januar in nitratbelasteten Gebieten. „Die maximal auszubringende Menge orientiert sich hierbei am Gesamt-N-Düngebedarf der nachfolgenden Kultur und sind mit Mindestanrechenbarkeit zur Folgekultur im Frühjahr zu berücksichtigen. Eine zeitnahe Ausbringung ist natürlich immer zu empfehlen, um eine höhere Nährstoffeffizienz zu erreichen“, heißt es von Seiten der Landwirtschaftskammer.

Wenn dies aber nicht der Fall ist und du nicht so viel Fläche hast, dass du all deine Pferdeäppel als Dünger verwenden kannst, solltest du dir unbedingt einen Landwirt in der Nähe suchen, der dich bei der Mistentsorgung unterstützt.

Oft findest du bei eBay Kleinanzeigen Inserate von Landwirten, die dir entweder den (korrekt gesammelten) Mist abnehmen oder die dir einen Container, Anhänger o.ä. bereitstellen und ihn regelmäßig entleeren.

Alternativ, solltest du keine Anzeige finden, kannst du auch selbst eine schalten und einen Landwirt suchen, der dir deinen Mist abnimmt. Auch Hobbygärtner freuen sich immer wieder über guten Pferdemist als Dünger für den Garten – wobei hier die Abnahmemenge natürlich kaum erwähnenswert ist…

Manchmal kannst du den Pferdemist auch bei einer örtlichen Biogasanlage loswerden. Dies geht aber nur, wenn Pferdemist als Inputstoff genehmigt ist. An deiner Stelle würde ich einfach mal nachfragen!

Mistvolumen natürlich reduzieren und die Kompostierung beschleunigen

Du kannst übrigens das Mistvolumen auf natürliche Weise reduzieren und den Kompostierungsvorgang beschleunigen – interessant, wenn du nicht alle 2-3 Monate deinen Mist abholen lassen kannst. Ich habe hiermit keine Erfahrung und erzähl dir nur, was ich im Rahmen meiner persönlichen Recherche gefunden habe. Die meisten Idee habe ich im oben erwähnten Buch von Dr. Tanja Romanazzi gefunden.

Vielleicht vorab noch kurz etwas zur Kompostierung: Damit Pferdemist zu Dünger wird, ist Sauerstoff erforderlich. Wenn du Äste auf dem Boden hast, kann es hilfreich sein. Außerdem sollte der Mist feucht, nicht zu nass und nicht zu trocken sein. Im feuchten Mist können die Mikroben schneller arbeiten. Im Idealfall hast du nach rund 6 Monaten ein Düngematerial. Eine komplette Zersetzung von reinem Pferdemist ohne Zutun möglicher Beschleuniger dauert etwa 1-2 Jahre.

Pferdemist luftdurchlässig abdecken

Wenn du den Pferdemist luftdurchlässig abdeckst – beispielsweise mit einem Kompostvlies, Gras oder Stroh, kannst du die Heißrotte optimieren und fördern. Dadurch wird der Mist schneller kompostiert.

Urgesteinsmehl beschleunigt den Kompostierungsvorgang durch Spurenelemente

Auch Urgesteinsmehl soll den Kompostierungsvorgang dank der zusätzlichen Spurenelemente beschleunigen. Alternativ wäre auch Algenkalk möglich, hierzu schreibt Dr. Tanja Romanazzi, dass Algenkalk weniger Spurenelemente liefert als Urgesteinsmehl. Außerdem sei die Verwendung bzw. der Abbau von Algenkalk ökologisch kritisch. Ich selbst hab mich bisher noch nie damit beschäftigt, daher gebe ich das einfach mal so wieder.

Mit Effektiven Mikroorganismen Pferdemist in Bokashi umwandeln

Du kannst deinen Mist auch luftdichtverpackt und mithilfe von Effektiven Mikroorganismen (EM) in Bokashi-Dünger umwandeln.

Bokashi bedeutet so viel wie „fermentiertes organisches Allerlei“. Hierfür wird der Pferdemist luftdicht gelagert und mit EM und Steinmehl behandelt. Diese Kombination sorgt für einen Fermentierungsvorgang. Rund 2 Monate bei einer Temperatur von mehr als 8 Grad dauert laut Dr. Tanja Romanazzi der Umwandlungsprozess zu Dünger, bei kälteren Temperaturen dauert er etwa 3 Monate. Sie zeigt in ihrem Buch Pferdehaltung & Permakultur ein Beispiel auf, wo 6 Wochen lang Mist gesammelt und mit EM und Steinmehl gemischt wird. Danach wurde eine neue Sammlung begonnen. Du findest dieses Beispiel auch hier: Pferdemist wirtschaftlich nutzen (Teil3) | Offenstallkonzepte

Der Vorteil ist: Theoretisch kann Pferdemist 6 Monate zwischengelagert werden. Da der Kompostierungsvorgang bei dieser Variante schneller vonstattengeht und der Mist zudem Luftdicht abgeschlossen sein muss (auch eine Folie wäre geeignet), wäre dies möglicherweise auch eine Option, wenn du keine Mistplatte hast. Aber Achtung: Ich übernehme keine Garantie und Verantwortung, wenn du am Ende Ärger mit den Behörden bekommst, weil du den Mist ohne Mistplatte lagerst!

Kompostwürmer in Flachmieten

Eine andere Möglichkeit sind Kompostwürmer. Diese speziellen Würmer fressen täglich fast die Hälfte ihres Körpergewichts und vermehren sich sehr schnell. Flachmieten sind quasi die Behälter, in denen dein Pferdemist liegt und die Würmer leben. Wichtig: Für diese Variante brauchst du unbedingt eine Genehmigung der zuständigen Behörde.

Obwohl du damit langfristig rund 75% deines Mistvolumens reduzieren und zu organischem Dünger verwandeln kannst, braucht dieser Prozess durchaus einige Monate bis Jahre und ist daher zwar durchaus eine ziemlich tolle Sache, sie ist aber nichts für „kurzfristig“. Allerdings dauert das „normale verrotten“ von Pferdemist, wenn du ihn nicht abgeben kannst, sicherlich noch länger.

Meine Lösung für den Pferdemist

Ich habe (Stand Juni 2021) noch keine perfekte Lösung gefunden. Noch sind wir aber auch nicht auf unseren Hof umgezogen. Ich habe die Möglichkeit, den Mist in einem leeren Stall zu lagern. Das macht vieles schon mal leichter. Außerdem stehe ich bereits in Kontakt mit einem Landwirt, der mir den Mist gegen Bezahlung abnimmt.

Parallel dazu werde ich auf jeden Fall die Bokashi-Lösung testen. Ich werde dafür größere Regentonnen oder Mülltonnen nutzen. Effektive Mikroorganismen gibt es beispielsweise hier bei Tina von Procavallo* zu kaufen.

Viel Mist = Meldepflicht

Noch ein Tipp: Wenn du mehr als 200 Tonnen Pferdemist im Jahr hast, gilt eine Melde- und Aufzeichnungspflicht für dich als Abgeber und den Landwirt als Abnehmer. Weil 200 Tonnen die Kacke-Kapazität meiner beiden Ponys übersteigt, habe ich mich hiermit nicht näher auseinandergesetzt. Deswegen kann ich dir dazu leider keine weiterführenden Informationen geben.

Wenn du aus Niedersachsen kommst und weitere Fragen hast, findest du Infos unter www.lwk-niedersachsen.de. „An unseren Bezirksstellen arbeiten Kollegen/Kolleginnen, die sich mit dem Thema der Düngeverordnung gut auskennen“, sagt Ulrike Struck. Die jeweiligen Bezirksstellen findest du ebenfalls auf der Homepage der Landwirtschaftskammer.

Welche Lösung hast du für deinen Pferdemist gefunden? Hast du vielleicht auch schon Alternativen probiert, was war gut und was war weniger gut? Ich freue mich auf deine Erfahrung in einem Kommentar!

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.