Mit Pferdeergotherapie das Körpergefühl des Pferdes verbessern

Stolpert dein Pferd häufig? Läuft es unsicher und hat Probleme mit seinem Takt? Kann es vielleicht beim Hufschmied seine Hufe nicht lange heben, drängelt beim Reiten immer wieder auf eine Seite, hat Probleme beim Longieren oder lässt sich nicht einsprühen? Dann kann es sein, dass es keine optimale Körperwahrnehmung hat. Hier kann ich dir bzw. deinem Pferd als zertifizierte Pferdeergotherapeutin nach PFERGO-Pferdeergotherapie® helfen.

Was ist Ergotherapie für Pferde?

Pferdeergotherapie basiert auf dem Konzept der Ergotherapie im Humanbereich. Es geht um „Gesundung durch Handeln und Arbeiten„. Die Ergotherapie geht davon aus, dass aktives Handeln eine heilende Wirkung hat. Ein Ergotherapeut hilft Menschen, ihre Handlungsfähigkeit im Alltagsleben (wieder) zu erlangen, um den Alltag so selbstständig und unabhängig wie möglich gestalten zu können. Als Pferdeergotherapeutin ist mein Ziel, deinem Pferd seinen Pferdealltag mit all den Herausforderungen zu erleichtern. Das fängt bei der Haltung an und endet beim Training.

Die Ergotherapie verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz und fördert ein harmonisches Zusammenwirken von Bewegung, Wahrnehmung und Aufmerksamkeit.

Die Ergotherapie lässt sich natürlich nur in modifizierter Form auf Pferde übertragen und der Fokus liegt auf der Wahrnehmungsverarbeitung von Reizen.

Die Basissinne: taktiles System, propriozeptives System, vestibuläres System

Eine enorm wichtige Bedeutung haben dabei die Basissinne. Die Basissinne entwickeln sich bereits pränatal, noch ehe weitere Sinne wie Sehen, Hören, Riechen oder Schmecken entstehen. Sie informieren das Gehirn über den eigenen Körper und seine Position in der Umwelt und sind die Grundlage dafür, dass Sinneseindrücke wie Sehen, Hören, Riechen und Schmecken gut verarbeitet werden können.

Je besser die Verarbeitung der Sinneseindrücke funktioniert, desto besser kann auf die vorherrschende Situation reagiert werden.

Zu den Basissinnen gehören:

Sensorische Integration: die Wahrnehmungsverbeitung

Eine Grundlage der Ergotherapie ist die Sensorische Integration. Der Begriff geht zurück auf die amerikanische Entwicklungspsychologin Jean Ayers. Bei der Sensorischen Integration handelt es sich um einen neurologischen Prozess der Aufnahme, Weiterleitung, Verarbeitung, Verknüpfung und Interpretation aller Sinnesreize. So werden die von den Sinnen aufgenommenen Informationen bedeutsam und nutzbar.

Die Sensorische Integration ist bedeutend für die Entwicklung eines Menschen: Das Kind nutzt seine Erfahrungen, um Neues zu lernen. Auf diese Weise entstehen neue Verknüpfungen im Nervengeflecht des Gehirns und der Erfahrungsspeicher wächst. Eine Lernspirale entsteht.

Und das ist nicht nur bei Menschen so, sondern auch bei deinem Pferd.

Du kannst es dir wie einen Baum vorstellen: Die Basissinne sind die Wurzeln, mit ihnen werden Reize wahrgenommen, die aus dem Körper selbst kommen. Der Stamm besteht aus der Wahrnehmung von Umweltreizen (Riechen, Schmecken, Sehen) und darauf bildet sich die Krone des Baumes, die das Ergebnis der Reizverarbeitung darstellt und Fähigkeiten wie Koordination, Körperwahrnehmung, Balance und Gleichgewicht umfasst.

Sind die Wurzeln nicht richtig ausgebildet, kann auch kein kräftiger und großer Baum wachsen.

Probleme bei der Wahrnehmungsverarbeitung

Wenn die Sinnesinformationen nicht adäquat verarbeitet werden können, entstehen Probleme, das eigene Verhalten den jeweiligen Erfordernissen anzupassen. Dann kann es passieren, dass man die Balance verliert und ins Stolpern gerät oder dass ein taktiler Reiz so stark wahrgenommen wird, dass er einem unangenehm ist (Stichwort: Nagelpfeile).

Wichtig zu wissen ist, dass es sich hierbei nicht um ein Problem des Gehirns handelt, sondern ein Problem der Informationsverarbeitung ist.

Ein Problem bei der Wahrnehmungsverarbeitung sieht immer anders aus und reicht von Unterempfindlichkeit (in diesem Fall werden Reize nicht oder nur verzögert wahrgenommen) bis hin zur Überempfindlichkeit (Hypersensibilität). In beiden Fällen ist keine adäquate Reaktion auf die aktuelle Situation möglich.

Wenn ein Mensch (oder ein Pferd) beispielsweise propriozeptiv unterempfindlich ist, fällt es ihm schwer, seine Bewegungen richtig zu planen und er (oder es) ist sehr ungeschickt. Oder hat einen sehr hohen Muskeltonus. Ist jemand taktil überempfindlich, hat er zum Beispiel ein Problem mit Berührungen oder mit dem Gefühl bestimmter Materialien/Reize auf der Haut und meidet diese nach Möglichkeit bzw. reagiert auf Berührungen mit Abwehr. (Hier kannst du mehr über die taktile Überempfindlichkeit beim Pferd lesen.)

Doch es gibt noch einen weiteren wesentlichen Aspekt: Wenn die propriozeptive Reizverarbeitung nicht adäquat funktioniert, weil die Propriozeptoren nach langer verletzungsbedingter Stehpause beispielsweise eingeschlafen sind, besteht ein erhöhtes Verletzungsrisiko, weil die Muskeln, die aufgrund der verarbeiteten Reize mit Kontraktion reagieren, Gelenke nicht ausreichend stabilisieren können.

Bewegung ist das Ergebnis von Reizverarbeitung. Aufgrund der daraus resultierenden Informationen entscheidet dann das Gehirn, wie der Körper reagieren soll. Das Gehirn ist darauf ausgelegt, das Überleben zu sichern. Das Nervensystem, das sozusagen das Kommunikationsorgan mit der Außenwelt ist, ist darauf aus, mögliche Gefahren schnellstmöglichst zu erfassen, damit der Körper schnellstmöglichst darauf reagieren kann. Eine mögliche Reaktion ist beispielsweise die Stabilisierung eines Gelenks.

Um mit einer präzisen und koordinierten Bewegung reagieren zu können, benötigt das Gehirn zahlreiche hochwertige und klare Informationen über den Körper und die Umwelt. Es muss sozusagen eine 3-D-Landkarte des Körpers erstellen, um diesen adäquat steuern und einsetzen zu können. Wenn dein Pferd seinen Körper nicht optimal wahrnehmen kann, kann es ihn auch nicht optimal einsetzen. Ihm fehlt quasi ein Puzzleteil seines Körpers. Je nachdem, wie viele und welche Puzzleteile in der Wahrnehmung deines Pferdes fehlen, zeigen sich unterschiedliche Probleme: Dein Pferd kann beispielsweise mit der Hinterhand nicht adäquat unter den Schwerpunkt fußen oder ist an manchen Körperstellen sehr berührungsempfindlich.

Bei welchen Problemen kann Ergotherapie für Pferde helfen?

Nicht immer findet die Wahrnehmungsverarbeitung von Reizen adäquat statt. Liegt ein Problem bei der Reizverarbeitung vor, nimmt ein Pferd seine Umwelt unklar wahr und nicht immer kann es angemessen auf die vorherrschende Situation reagieren. Auch kann das Pferd seinen Körper nicht optimal wahrnehmen und Defizite im Bereich Durchlässigkeit, Koordination und Balance können entstehen.

Die folgende Übersicht ist unvollständig, sie soll dir einfach eine Idee geben, wann ich dir und deinem Pferd als Pfergo weiterhelfen kann:

  • Schlechtes Körpergefühl
  • Gleichgewichtsprobleme (in der Bewegung/beim Hufegeben)
  • Balanceprobleme
  • Konzentrationsprobleme
  • Häufiges stolpern
  • Soziale Unverträglichkeit
  • Nervosität und Schreckhaftigkeit
  • Angst vor der Sprühflasche/der Schermaschine
  • Berührungsempfindlichkeit
  • Probleme beim Schmied/Hufegeben
  • Nach krankheitsbedingter Pause/Aufbau nach Krankheit
  • uvm.

Was wird bei einer Therapieeinheit gemacht?

Als Pfergo helfe ich dir mit verschiedenen Übungen, die Basissinne deines Pferdes zu schulen, um die Wahrnehmungsverarbeitung zu verbessern (Stichwort: Gesundung durch Handeln und Arbeiten). Das verhilft deinem Pferd zu einem besseren Körpergefühl, mehr Trittsicherheit und  dadurch zu seelischer Ausgeglichenheit – schließlich sind Pferde als Fluchttier auf ein gutes Körpergefühl, ein gutes Gleichgewicht und Trittsicherheit angewiesen.

Die Basissinne können geschult und verbessert werden, indem die Sinnesorgane regelmäßig mit unterschiedlichen Reizen stimuliert werden. Denn je häufiger die Nervenleitungsbahnen genutzt werden und je breiter die einzelnen Sinneskanäle deines Pferdes stimuliert werden, desto besser funktionieren sie und desto natürlicher und leichter werden beispielsweise die Bewegungen deines Pferdes oder desto weniger unangenehm empfindet es diffuse Reize auf der Haut, wie sie beispielsweise beim Einsprühen entstehen.

Taktile Reize Vibration Pferd

Ablauf einer klassischen pferdeergotherapeutischen Erstbehandlung

Damit du eine Idee hast, wie eine pferdeergotherapeutische Behandlung bei mir aussieht, möchte ich dir hier den Ablauf einer klassischen Erstbehandlung skizzieren:

Vor unserem Treffen gibst du mir schon eine kurze Übersicht eures Problems, sodass ich mich optimal auf unseren Termin vorbereiten kann:

  • Welches Problem hat dein Pferd?
  • Fand bereits eine Behandlung durch einen Tierarzt oder Therapeuten statt?
  • Wo steht dein Pferd?
  • Welches Equipment steht dir zur Verfügung?

Für unseren ersten Termin solltest du dir rund 1,5 Stunden Zeit nehmen.

Anamnese, Befundung und Therapieeinheit

Nach Möglichkeit holen wir gemeinsam dein Pferd. So kann ich mir einen besseren Eindruck von seinem Pferdealltag und seinem Lebensumfeld machen. Dies spielt eine wichtige Rolle und manchmal kann man schon mit kleinen Veränderungen in der Umgebung große Wirkung erzielen.

Anschließend erfolgt ein Anamnesegespräch, bei dem du mir mehr von deinem Pferd und eurem Problem erzählst. Auf diese Weise kann ich euch besser kennenlernen und erhalte wichtige Informationen für die spätere Behandlung.

Für die anschließende Befundung bauen wir einen kleinen Parcours auf, der alle drei Basisinne deines Pferdes anspricht (taktiles Systempropriozeptives System und vestibuläres System) und der Aufschluss darüber gibt, in welchen Bereichen die Reizverarbeitung deines Pferdes vielleicht nicht optimal funktioniert und woran wir im Rahmen der Therapie arbeiten sollten. Manchmal zeigt sich nämlich, dass das Problem eigentlich ein ganz anderes ist, als ursprünglich vermutet.

Keine Sorge: Für den Befundungs-Parcours und die weitere Therapie brauchst du nicht zwingend Equipment, ein paar Stangen reichen vollkommen aus. Und solltest du keine Stangen haben, finden wir eine andere Lösung.

Gemeinsam legen wir ein smartes Behandlungsziel fest und beginnen mit der Therapieeinheit (spezifisch, messbar, attraktiv, realisitisch, terminiert). Die Therapie (das Training) besteht aus ganz unterschiedlichen Übungen, mit denen wir die Basissinne deines Pferdes fördern und fordern. Die Übungen werden entsprechend der vorhandenen Problematik ausgewählt und können und sollen sogar von dir selbstständig durchgeführt werden.

Am Ende wirst du von mir ein paar Hausaufgaben bekommen und ein paar Tage nach unserem Termin erhältst du das Ergebnis und einen Trainingsplan per E-Mail zuschickt.

Zum Thema gemeinsame Zielsetzung und Folgetermin noch eine kleine Anmerkung: Eine einzige pferdeergotherapeutische Behandlungseinheit wird nicht dazu führen können, dass die vorhandenen Defizite plötzlich weg sind. Im Humanbereich wird Ergotherapie, ähnlich wie Physiotherapie, vom Arzt verschrieben. Ein Rezept umfasst in der Regel 6-10 Einheiten. Deswegen macht es Sinn, an den großen Termin noch einige Trainingseinheiten folgen zu lassen, in denen ich eure Fortschritte begleiten und euch bei Sackgassen weiterhelfen kann.

Für welche Pferde ist Pferdeergotherapie besonders geeignet?

Im Grunde kann jedes Pferd von Pfergo profitieren. Sollte dein Pferd kein Problem haben aber du möchtest trotzdem ein paar Übungen kennenlernen, die deinem Pferd zu einem besseren Körpergefühl verhelfen, biete ich dir die Möglichkeit von sensomotorischen Trainingseinheiten und Kursen bei dir vor Ort. Außerdem findest du in meinen Onlinekursen jede Menge Input.

Was kostet Ergotherapie für Pferde?

Pferdeergotherapeutische Erstbehandlung (ca. 1,5 Stunden) 120 €*

Nachbehandlung innerhalb der folgenden 6-8 Wochen (ca. 45 Minuten) 50 €*

Weitere Trainingseinheiten (ca. 30 Minuten) 30€*

*zzgl. Fahrtkosten von 30 ct/km ab 15 km

Bitte beachte: Kein Mehrwertsteuerausweis, da Kleinunternehmer nach §19 (1) UStG.

Du hast Interesse an meinem Angebot der Ergotherapie für Pferde?

Dann melde dich bei mir und wir vereinbaren einen Termin. Du erreichst mich am besten per E-Mail unter info@360gradpferd.de.