Pferd auf Pferdewippe

Das vestibuläre System beim Pferd: Hilfe bei Gleichgewichtsproblemen

Stolpert dein Pferd häufig, drängt es immer wieder zu einer Seite oder ist triebig? Dann kann es sein, dass es Probleme mit den Basissinnen, insbesondere mit dem vestibulären System, dem Gleichgewichtssystem, hat. Wie sich Gleichgewichtsprobleme bei Pferden auswirken und was du tun kannst, um das vestibuläre System zu stärken, erfährst du in diesem Beitrag.

Dieser Beitrag enthält Werbung, denn er entstand in Zusammenarbeit mit der PFERGO Akademie.

 

Das Gleichgewichtssystem ist wichtig für einen natürlichen Bewegungsablauf – und das sowohl bei uns Menschen, wie auch bei den Pferden. Würde es uns fehlen, könnten wir weder gerade sitzen, noch einen Schritt vor den anderen setzen. Ähnlich erginge es auch unseren Pferden.

Der Gleichgewichtssinn ist der Sinn, der als erstes ausgebildet wird – und zwar bereits im Bauch der Mutter. Er hängt eng mit der Bewegung zusammen. Bewegt sich die Stute während der Trächtigkeit viel, kann sich auch der Gleichgewichtssinn ihres Fohlens gut entwickeln. Und gleich nach der Geburt, sobald das kleine Fohlen seinen Kopf hebt und versucht aufzustehen, wird der Gleichgewichtssinn stimuliert und geschult. Alles, was danach an Bewegung hinzukommt – die Beine koordinieren, sich aufrichten, laufen, stoppen, fressen – trainiert und schult das Gleichgewicht. Das Fohlen lernt, mit der Schwerkraft umzugehen und den Körper im Gleichgewicht zu halten. Je mehr sich ein Fohlen gleich zu Beginn bewegen kann, je mehr wird auch das Gleichgewicht geschult.

Der Gleichgewichtssinn dient als Grundlage für die gesamte weitere Entwicklung. Ein guter Gleichgewichtssinn hilft Pferden dabei, sich freier und besser zu bewegen.

Das peripher vestibuläre System: ein kleiner Einblick in Anatomie und Funktion

Zum peripher vestibulären System gehören der Vestibularapperat und der Nervus vestibulochochlearis bis zu seiner Eintrittsstelle in den Hirnstamm.

Das Vestibularorgan liegt im Innenohr am Felsenbein (er gehört zu den härtesten Knochen überhaupt). Das Vestibularorgan bildet eine anatomische Einheit mit dem Hörorgan. Es besteht aus einem knöchernen und einem häutigen Labyrinth und aus dem sogenannten Otolithen Apparat, dem Sacculus (Schwerkraft – hoch und runter) und dem Utriculus (Lineare Beschleunigung) und drei Bogengängen (anterior, posterior und horizontaler Bogengang). Die Bogengänge stehen senkrecht zueinander. Sie messen Winkelbeschleunigung (Richtung und Ausmaß der Bewegung), Gravitationskräfte und Linearbeschleunigung. All diese Informationen werden über den Nervus vestibulochochlearis an das Hirn weiter geleitet.

Bei Pferden steuert das vestibuläre System also die Position des Kopfes, die Haltung, die Position der Augen und sogar die Haltungs- und Stellposition.

Manchmal stellt sich die Reizverarbeitung im vestibulären System als nicht ganz passend dar und viel zu oft wird dem Gleichgewichtssinn keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt. Auch mir war bis vor kurzem nicht bewusst, was es damit auf sich hat und welche Bedeutung es für unsere Pferde hat. Ich habe mich erst im Zusammenhang meiner bevorstehenden Ausbildung zur Pferdeergotherapeutin bei der Pfergo-Akademie damit auseinandergesetzt.

Das vestibuläre System gehört, gemeinsam mit dem taktilen System (Wahrnehmung der Oberflächensensibilität) und dem propriozeptiven System (Tiefensensibilität), zu den Basissinnen des Pferdes. Findet bei einem dieser Basissinne die Verarbeitung von  Reizen nicht entsprechend statt, entstehen Probleme bei der Wahrnehmungsverarbeitung: Das Pferd kann seinen Körper nicht mehr gut wahrnehmen und es kann zu Defiziten im Bereich Durchlässigkeit, Koordination und Balance kommen. Mögliche Folgen sind Rittigkeitsprobleme oder Verhaltensauffälligkeiten wie Schreckhaftigkeit oder soziale Unverträglichkeit.

Wenn das Gleichgewicht Schwierigkeiten macht: Fehler erkennen

Gibt es Defizite bei der Reizverarbeitung im vestibulären System, gerät man aus dem Gleichgewicht. Vom Menschen weiß man: Im schlimmsten Fall fühlt es sich so an, als wäre man betrunken. Alles dreht sich und schaukelt, einem ist schwindelig und man verspürt Übelkeit. Oder man hat Schwierigkeiten Treppe zu steigen, auf einem Bein zu stehen, als Beifahrer in einem Auto mitzufahren oder z.B. über einen schmalen Balken zu balancieren.

Was Pferde empfinden, wissen wir nicht. Was man aber weiß: Wenn das Gleichgewichtssystem des Pferdes nicht entsprechend verknüpft ist, zeigt sich das vor allem in der Bewegung. Das Pferd läuft unsicher, es ist möglicherweise sehr triebig oder es eilt und läuft so vor seiner Unsicherheit weg. Es stolpert, drängelt ständig auf eine Seite oder hat Schwierigkeiten über unterschiedliche Untergründe zu laufen.

Ein korrektes Aufwölben des Rückens, das notwendig ist, damit Pferde uns gesund tragen können, ist nicht möglich. Nicht selten werden die Defizite sogar als Unarten wahrgenommen und die Pferde für ihr Verhalten bestraft.

Doch das ist nicht alles: Das vestibuläre System ist ein Basissinn unserer Pferde. Arbeitet es nicht adäquat, ist auch die Körperwahrnehmung des Pferdes defizitär und Sinneseindrücke können nicht ausreichend verarbeitet werden. Daraus entstehen im schlimmsten Fall Verhaltensweisen, die vom Reiter als „Unart“ betrachtet und zu unrecht bestraft werden.

Den Gleichgewichtssinn des Pferdes fördern

Das Gleichgewichtssystem lässt sich aber stärken. Je mehr Bewegungsanreize ein Pferd erhält, desto mehr wird der Gleichgewichtssinn gefördert. Das fängt schon bei der Pferdehaltung an: So wird das Gleichgewicht eines Pferdes, das im Offenstall mit großem Paddock und vielleicht sogar einem Trail und in einer Herde lebt, immer besser sein, als das Gleichgewicht eines Pferdes, das in der Box stehen muss. Im Offenstall gibt es nämlich sehr viel mehr  natürliche Bewegungsanreize. Und je kreativer der Paddock gestaltet ist, desto mehr Bewegungsanreize gibt es. Tolle Ideen zur Paddockgestaltung findest du hier.

Hilfe bei Gleichgewichtsproblemen beim Pferd

Darüber hinaus kann das Gleichgewicht auch im Training vom Boden aus und unter dem Sattel geschult werden. Helfen das vestibuläre System beim Pferd zu fördern kann beispielsweise:

  • viele Richtungswechsel und Übergängen
  • Bewegungs- und Koordinationsspiele
  • Arbeit auf unterschiedlichen Böden
  • Podesttraining
  • Pferdewippe

Ebenso können dir die PFERGO-Pferdeergotherapeuten (zu denen auch ich mich nach hoffentlich bestandener Prüfung im nächsten Jahr zählen darf) dabei helfen, das vestibuläre System des Pferdes zu trainieren. Sie schulen die Basissinne der Pferde mit Übungen nach ergotherapeutischen Grundsätzen und sorgen auf diese Weise dafür, dass Pferde ihre Körperwahrnehmung verbessern. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wirf doch mal einen Blick auf die Homepage von PFERGO – 1. Akademie für Pferdeergotherapie. Die Initiatorinnen der PFERGO-Akademie für Pferdeergotherapie, Dr. Ruth Katzenberger-Schmelcher und Yvonne Katzenberger, bieten auch Kurse an.

Weitere Informationen findest du hier bei der PFERGO Akademie und hier bei den Trainingsangeboten vom Team Shettysport.

Wenn du selbst mehr über das Thema erfahren und dein Pferd entsprechend trainieren möchtest, kann dir vielleicht auch dieser Onlinekurs* helfen.

Übrigens: Viele weitere Tipps für Pferdehalter findest du auch in meinem eBook Pferdehaltung als Selbstversorger, das du dir hier kaufen kannst.

Hast du mit dem Thema vestibuläres System schon einmal zu tun gehabt? Oder hat dein Pferd womöglich Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht? Dann erzähl mir gern in den Kommentaren davon.

Viele Grüße

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