Trauma lösen durch Pferdeosteopathie

Traumabehandlung beim Pferd

Hast du gewusst, dass ein Pferd ein Trauma haben kann? Und weißt du, welche Auswirkungen ein solches Trauma auf das emotionale Befinden und die körperliche Gesundheit deines Pferdes hat? Ich muss gestehen, dass ich mir bis vor kurzem noch nie Gedanken darum gemacht habe. Und weil ich vermute, dass es dir genau so geht, möchte ich dir ein bisschen was über die Traumabehandlung bei Pferden erzählen.

Dieser Beitrag enthält Werbung, denn er entstand gemeinsam mit Pferdeosteopathin Selina Dörling

Wir hatten vor kurzem mal wieder Besuch von der Pferdeosteopathin Selina Dörling. Sleipi hatte zwar keine Blockaden, die ich beim Reiten oder bei der Bodenarbeit gemerkt hätte, doch er gefiel mir im Großen und Ganzen nicht so gut. Er hatte einen sorgenvollen Gesichtsausdruck, und ich wollte, dass Selina etwas für sein Wohlbefinden tut.

Selinas Schwerpunkt ist die Visionäre Pferdeosteopathie und sie hat sehr feine Antennen für das Wohlbefinden der Pferde.  Der Eindruck, dass mit meinem Pferd etwas nicht stimmt, wurde von ihr direkt bestätigt. Als sie kam, stand Sleipi am Putzplatz. Sie gesellte sich zu ihm und in kürzester Zeit wurde er unruhig: Ständig scharrte er mit den Hufen, schubberte sich den Kopf und versucht das Gras, das zwischen den Pflastersteinen wächst, zu knabbern. In dem Moment war es mir unangenehm, ein so unerzogenes Pferd zu haben. Doch im Nachhinein denke ich, dass er ihr mit seinem Verhalten sagen wollte, was los ist.

Dann betrachtete sie Sleipi in der Bewegung und sagte etwas, was mich traurig stimmte: „Er sieht aus, als sei er ihm schwindelig. Er eiert so sehr rum, als sei er sediert. Schau ihn dir selbst an, es sieht aus, als schwebe er über dem Boden, ihm fehlt die Erdung. Und auch sein Blick ist gar nicht da.“ Wir ließen Sleipi von einer anderen Person führen, damit ich sehen konnte, was sie meinte. Und ja, sie hatte Recht!

Und dann war da noch sein ständiges Fressen: Ständig zog er am Halfter und steckte seinen Kopf ins Gras. Etwas, was er normalerweise nicht macht. Selina fiel dieses Verhalten auch sofort auf und ich erzählte ihr, dass er zurzeit nur am Fressen ist. Unser Paddock besteht aus Naturboden und es wächst überall noch Gras. Sleipi hat seine Nase ständig auf dem Boden und knabbert in einer Tour. Am auffälligsten war das, als zwei neue Pferde in die Herde kamen und er anfangs nur unbeteiligt auf der Wiese stand und gefressen hat. „Das ist Stress!“, sagte Selina zu mir. „Das ist wie bei Menschen, die bei Stress immerzu essen müssen.“ Und tatsächlich, auch ich gehöre dazu: Habe ich Stress, brauche ich Schokolade.

Wenn du mir bei Instagram folgst, dann weißt du, dass Sleipi im letzten Jahr leider ein paar Mal umziehen musste: Wir haben ein Haus gekauft und natürlich muss bei so einem Ortswechsel auch das Pferd mit! Doch leider entpuppte sich der ausgewählte Stall, der sich anfangs so schön präsentierte, sehr schnell als nicht sehr pferdefreundlich. Also suchte ich schon nach kurzer Zeit einen neuen Stall, der meinen Anforderungen an die Pferdehaltung eher erfüllte. Aber als ich nach einigen Monaten durch Zufall erfuhr, dass bei mir im Dorf ein kleiner Isi-Selbstversorgerstall entstehen soll, habe ich entschieden, dass Sleipi noch einmal umziehen muss. Nun kann ich nämlich auch zu Fuß oder mit dem Rad zum Stall und ich vor allem wieder selbst dafür sorgen, dass die Haltung so pferdegerecht wie möglich ist.  Und seit wir dort sind, ist Sleipi wieder wesentlich ruhiger und entspannter. Es gibt noch Unruhe in der Herde und ich weiß, dass es etwa ein halbes Jahr dauert, bis ein Pferd irgendwo angekommen ist. Doch ich hatte dennoch das Gefühl, dass WIR angekommen sind.

Selinas Besuch hat mir aber gezeigt, dass seine vermeintliche Ruhe eher damit zu tun hatte, dass er gar nicht richtig da war. Denn der Umzug (oder die Umzüge) scheint bei Sleipi ein Trauma angetriggert zu haben.

Trauma bei Pferden: So entsteht es

Ein Trauma ist eine Verletzung, die sowohl körperlich als auch emotional/psychisch vorhanden sein kann. Während es bei einer starken körperlichen Verletzung in der Regel bekannt ist, wie sie entstanden ist, ist ein Trauma, das auf der emotionalen Ebene liegt, unsichtbar. Es entstand durch Schockerlebnis, das extremen Stress ausgelöst hat – dies kann beispielsweise ein Unfall gewesen sein, das plötzliche Absetzen als Fohlen von der Mutter oder auch ein Import. Auch die Fahrt mit einem Hänger bedeutet für viele Pferde Stress.

Bei Fluchttieren entstehen Traumen häufig dann, wenn sie ihren Fluchtinstinkt nicht ausleben können. Das Gefühl nicht fliehen zu können kann bei einem Fluchttier Todesangst hervorrufen und erzeugt eine Situation völliger Überforderung. Selina erklärte mir, dass viele Pferde in solchen Momenten anfangen, die Luft anzuhalten und nicht mehr richtig atmen. Diese Anspannung löst sich oft auch dann nicht, wenn die vermeintliche Gefahr vorbei ist.

Im Grunde ist das wie bei uns: Sind wir angespannt und gestresst, nutzen wir die oberflächliche Brustatmung. Diese versorgt den Körper nicht ausreichend mit Sauerstoff und kann eine vorübergehende Vergiftung hervorrufen, weil Kohlendioxid und Schlacken, Abfallprodukte der Atmung, in der Lunge angesammelt werden. Die Folge sind Unruhe, Erschöpfung, Müdigkeit und Verspannungen. Atmen wir mit Bauch, wird der Körper optimal mit Sauerstoff versorgt. Da unser Leben aber immer hektischer und stressiger wird, bleibt die Bauchatmung oft auf der Strecke und wir atmen die meiste Zeit mit der Brust. (Mehr über die Atmung und ihre Auswirkung auf das Reiten kannst du hier nachlesen.)

In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden verschiedene Emotionen bestimmten Organen zugeordnet. Diese wären:

  • Herz: Freude
  • Leber: Zorn, Ärger
  • Milz: Nachdenklichkeit
  • Lunge: Trauer, Sorge, Verlust
  • Niere: Angst, Schrecken

Sensoren, die bei einem Trauma auf der emotionalen Ebene triggern, liegen in den Organen Lunge, Herz, Niere, Milz, Leber und Beckenzwerchfell. Das Beckenzwerchfell ist beispielsweise immer betroffen, wenn ein Kastrationstrauma vorliegt.

Die Folgen eines (ungelösten) Traumas

Das Anhalten der Luft als Folge von Angst führt letztendlich dazu, dass das Nervensystem implodiert, weil alles festgehalten wird. Die Organe können nicht mehr vernünftig arbeiten und alle Giftstoffe, die eigentlich ausgeschieden werden, sammeln sich im Körper. Dadurch wiederum wird der Stoffwechsel des Pferdes stark belastet und funktioniert nicht mehr richtig.

„Da kann man füttern, was man will, wenn im Körper des Pferdes eine Blockade vorliegt, wird keine Verbesserung auftreten können“, sagte Selina und verglich es mit einem Gartenschlauch, der in der Mitte abgedrückt wird. Es kann nichts mehr fließen – und genau darauf kommt es aber an: Ohne Fluss kann der Körper mit all seinen Funktionen nicht funktionieren. Sie erzählte mir von einem Pferd, das bei der ersten Behandlung große Stoffwechselprobleme hatte und sehr dick und aufgeschwemmt war. Die Besitzerin hatte im Laufe der letzten Jahre sehr viel Geld in diverses Zusatzfutter gesteckt – aber nichts fruchtete. Es war ein Pferd, das mit dem Flugzeug nach Deutschland importiert wurde. Als sie das Pferd nach einigen Wochen wiedersah, funktionierte der Stoffwechsel wieder und das Pferd hatte deutlich abgenommen. Ein anderes Pferd habe eine übermäßig dicke Kruppe mit diversen Einlagerungen gehabt. Nach der Behandlung fing das Pferd an zu pinkeln und pinkelte eine Woche lang sehr viel. Es handelte sich nämlich um Wassereinlagerungen, die es nun endlich loswerden konnte.

Ein Trauma, sei es körperlich oder psychisch, führt also immer dazu, dass das Pferd aus der Balance gerät. Es kommt zu einer Störung des körperlichen Gleichgewichts, die energetischen Leitbahnen sind blockiert und die Organfunktionen, die so lebenswichtig sind, sind beeinträchtigt. Eine osteopathische Behandlung, die gezielt nach dem Trauma oder dem Schock im Körper sucht um dieses/diesen aus den Zellen zu lösen, ist notwendig. Nur dann kann der Körper sein Gleichgewicht und seine Selbstheilungskräfte wieder aktivieren.

Der Pferdekörper spiegelt das emotionale Befinden

Scheut ein Pferd plötzlich vermehrt, zeigt einen deutlichen Leistungsabfall oder entwickelt sogenannte Untugenden wie Koppen oder (wie bei Sleipi) Dauerfressen, dann sind dies häufig Anzeichen für ein Trauma, das entweder neu entstanden ist oder durch etwas aus der Vergangenheit angetriggert wurde. Wird dies ignoriert, können körperliche Symptome wie Probleme der Atemwege, Magen-Darm-Beschwerden, Erkrankungen von Blase und Niere oder hormonelle Probleme entstehen. Auf diese Weise versucht der Körper den entstandenen Stress loszuwerden. Denn: Pferde können ihre Emotionen nur mittels körperlicher Symptome ausdrücken, da ihnen die verbale Ebene fehlt.

Im Laufe der Behandlung und unseres Gesprächs kamen immer mehr Aspekte zum Vorschein, die auf ein Trauma hinwiesen. In den letzten Wochen, in denen wir unter extremer Trockenheit gelitten haben, hat Sleipi beim Antraben immer mal wieder gehustet. Ich habe es auf den Staub zurückgeführt und mir keine Sorgen gemacht. Selina erklärte aber, dass auch Husten nicht selten auf ein Trauma der emotionalen Ebene zurückzuführen sei, weil die Lunge das Organ der Trauer, der Sorge und des Verlustes ist. Wenn ein Fohlen abrupt von seiner Mutter abgesetzt wird, erfahren beide Pferde einen schlimmen Verlust (Bist auch du Mama? Dann stell dir mal vor wie es wäre, wenn dir dein Baby, das du vielleicht sogar nicht stillst, einfach weggenommen wird, weil es nun „alt genug ist“. Mich stimmt dieser Gedanke wahnsinnig traurig! ). Gleiches gilt, wenn ein Pferd seine Herde verliert – und dies passiert sehr häufig, denn bei jedem Umzug lässt dein Pferd seine Herde und seine Freunde zurück. Beide Erlebnisse können auch bei Pferden eine starke Trauer hervorrufen und zu einer Disharmonie in der Lunge führen. Übrigens: Gleiches gilt auch für uns Menschen: Sind wir in Sorge, fällt uns das Atmen oft schwer.

Die emotionale Ebene steht immer mit der körperlichen Ebene in Verbindung. Das Zwerchfell verkrampft sich und damit auch die Lunge. Außerdem blockiert der Widerrist blockiert. Dies war auch bei Sleipi zu sehen. Und auch hier ist ein Vergleich zu uns Menschen möglich: Geht es uns nicht gut, neigen wir dazu, unsere verspannten Schultern hochzuziehen.

Das Trauma richtig lösen

Ist die Hinterhand blockiert, läuft ein Pferd auf der Vorhand. Deswegen muss bei jeder Behandlung das Pferd als Ganzes betrachtet werden.Das Umziehen habe bei Sleipi offenbar ein altes Trauma angetriggert, welches nun bei ihm im Kopf festsitze, sagte die Osteopathin. Sie begann, das Trauma biodynamisch zu lösen, indem sie dem Nervensystem neue Impulse gab und es mithilfe der Unwinding-Methode wieder zum Schwingen brachte. „Craniosacrale Therapie wie im Sinne der Humanosteopathie ist bei Pferden nicht nachhaltig genug“, erklärte sie mir. „Ein Trauma  bei Pferden muss durch die Eigenbewegung gelöst werden. Ich bin nur dafür da, das Pferd in seinem Prozess zu unterstützen.”

Kurze Zeit später hing Sleipis Unterlippe und sein Atem ging rein in die Flanken. Außerdem begann er, seinen Kopf nach links und rechts zu bewegen. Auch die Niere, das Organ der Angst stand im Fokus, denn auch diese wird durch ein Trauma in Mitleidenschaft gezogen. Selina bezeichnete es als „ Schockniere“. Nach der Behandlung war die Nierenregion ausgefüllter. Gleiches galt für den Bereich um den Widerrist, denn im Laufe der Behandlung schien Sleipi im Bereich des Widerrists losgelassen zu haben.

Die Folgen der osteopathischen Trauma-Behandlung

Nach der Behandlung wirkte Sleipi irgendwie größer und präsenter. Außerdem fiel mir an den folgenden Tagen auf, dass er wieder ein Clown war. Und das freut mich riesig, denn der Clown war uns irgendwie abhanden gekommen. (Wenn ich sage er war wieder ein Clown, dann klingt das vielleicht seltsam. Ich meine das aber durchaus positiv: Sleipi ist nämlich eigentlich ein sehr neugieriges Pferd, das seine Nase in alles reinstecken muss, total gerne spielt und immer wieder neue Flausen im Kopf hat.)

Außerdem, und das war am auffälligsten, war er plötzlich sehr interessiert an meinem Baby. So gab es die Situation, dass ich den Zwerg weit weg von der Herde auf den Paddockboden absetzte, um Pferdeäppel abzusammeln. Sleipi sah das, kam, und stellte sich dazu.

Eine andere Situation konnte ich beobachten, als ich die Herde gefüttert habe: Wir lagern das Raufutter hinter dem Unterstand und bereiten dort in der Zeit, in der wir nicht ad libitum füttern, die Heunetze vor. Während ich dort also beschäftigt war, saß der Zwerg auf dem Boden und krabbelte rum. Sleipi kam und stellte sich so hin, dass das Baby abgeschirmt war vom Rest der Herde.

Ich weiß nicht, was ihn so belastet hat. Aber wenn es bei ihm um den Verlust der eigenen Mama ging und dieses Trauma durch die Umzüge angetriggert wurde, dann würde es damit zusammenpassen, dass er nun so interessiert und aufmerksam meinem Baby gegenüber ist. (Ja, ich weiß, vielleicht ist es zu menschlich gedacht. Ich finde es dennoch auffällig, dass sein Interesse seit der Behandlung, bei der es um ein Trauma ging, so groß ist.)

Auch bei den ersten Ritten nach der Behandlung konnte ich eine Veränderung feststellen, denn der Trab war plötzlich sehr viel flotter, als ich es sonst von ihm kenne, denn er setzt seine Hinterhand viel aktiver ein.

Die Behandlung hat mich sehr traurig gestimmt. Ich hatte Sleipi gegenüber eh schon ein schlechtes Gewissen, weil er wegen mir so oft umziehen musste. Bei der Tierkommunikation vor ein paar Monaten sagte er zwar, ich solle mir keine Sorgen machen und es gehe ihm gut, dennoch musste ich all das, was mir Selina sagte, verarbeiten.

Ich weiß: Am Ende hat jeder von uns sein Päckchen zu tragen und mit jeder Herausforderung wachsen wir. Und auch unser Leben verläuft nicht immer so, wie wir es gerne hätten. Ich weiß, dass die Umzüge großen Stress bedeutet haben. Doch ich weiß auch, dass sie notwendig waren, entweder weil ich umgezogen bin oder weil der Stall nicht optimal war.

Wenn ich Sleipi jetzt anschaue, dann freue ich mich sehr, dass Selina da gewesen ist und uns helfen konnte. Ich bin davon überzeugt, dass ihm eine große Last von der Seele genommen wurde, er wirkt wieder freier und unbeschwerter.

Wenn auch du aus dem Großraum Hamburg kommst und denkst, dass es deinem Pferd nicht gut geht, dann kann ich dir empfehlen, dich an Selina zu wenden. Auch wenn du von weiter weg kommst, lohnt sich eine Anfrage, denn sie bietet, bei genug Patienten, auch Termine deutschlandweit an. Ihre Webseite erreichst du unter www.pferdeosteopathie-sd.de.

Hast du auch schon Erfahrungen mit der Traumabehandlung bei Pferden gemacht? Dann hinterlass mir gerne einen Kommentar und erzähl mir von deinen Beobachtungen. Ich freue mich drauf!

Viele Grüße

Karo von 360° Pferd

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