Den Nasenriemen richtig verschnallen: Darauf solltest du bei Trense und Kappzaum achten

Den Nasenriemen richtig verschnallen

Neulich wurde ich bei Instagram gefragt, ob und wenn ja warum ich immer ohne Nasenriemen reite. Ich habe ihr geantwortet, dass ich seit Jahren schon ohne Nasenriemen reite, weil jeder Nasenriemen, so locker er auch verschnallt ist, die Beweglichkeit des Kiefergelenks einschränkt.

Wenn es um die Verschnallung von Sperrriemen geht, ist es mittlerweile weit bekannt, dass dieser Riemen – wenn er denn überhaupt genutzt wird, möglichst locker verschnallt werden muss.

Michael Geitner hat einen sehr schönen Beitrag zum Sperrriemen geschrieben, den ich dir hier gern verlinke. Darin erzählt er, woher der Sperriemen kommt und welchen Zweck er ursprünglich hatte:

  • er sollte (anders verschnallt) Druck vom Gebiss nehmen und auf den Nasenrücken „umleiten“ und
  • er diente dem Militär dazu. das Pferd beim Sturz vor Kieferbrüchen zu schützen. Angeblich konnte mit Sperrriemen die Zahl der Kieferbrüche bei den Pferden um 80% gesenkt werden (die Frage ist natürlich, ob diese Aussage allgemeingültig ist, denn sicherlich wurde damals nicht immer dokumentiert, was mit einem Pferd passierte)

Obwohl die Zeit der Kriegseinsätze zu Pferd vorbei ist, ist der Sperrriemen geblieben. Mir erklärt sich der Sinn dahinter nicht, wer ihn aber nutzen möchte, sollte zumindest auf eine lockere Verschnallung achten.

Und das gilt übrigens gleichermaßen für den Nasenriemen – sowohl bei der Trense, als auch beim Kappzaum! Bei einem verschnallten Nasenriemen sollten immer mindestens zwei aufeinander liegende Finger Platz finden. Denn auch ein der Nasenriemen hat immer Einfluss auf die Bewegung des Kiefergelenks.

Das Kiefergelenk sitzt nicht am Maul

Wenn es darum geht, wie fest ein Riemen verschnall ist, schauen sich viele Pferdebesitzer an, wie weit das Pferd sein Maul öffnen kann. Aber – und das ist der entscheidende Punkt – das Kiefergelenk sitzt NICHT am Maul, sondern sehr viel weiter oben im Gesicht des Pferdes.

Das ist genau wie bei uns Menschen: Dein Kiefergelenk befindet sich ja auch unterhalb deiner Ohren.

Das Kiefergelenk verbindet den Ober- und Unterkiefer. Und wenn du beim Besuch des Pferdezahnarztes mal einen Blick in das Maul deines Pferdes geworfen hast, wirst du sicherlich gesehen haben, wie lang Ober- und Unterkiefer sind.

Wenn du übrigens ein bisschen mehr über Anatomie und Biomechanik des Pferdes wissen möchtest, empfehle ich dir die folgenden Bücher:

Trense oder Kappzaum: das Kiefergelenk muss beweglich bleiben

Wenn also der Nasenriemen so verschnallt ist, dass dein Pferd sein Maul ein wenig öffnen kann, findet aufgrund der Hebelwirkung nur sehr wenig Bewegung im Kiefergelenk statt.

Bei Dauberg&Roth bin ich auf den Aufsatz Viel zu eng! Über die Verschnallung der Nasenriemen von Dr. Kathrin Kienapfel und Prof. Holger Preuschoft vom Institut für Zoologie und Neurobiologie an der Uni Bochum gestoßen. Darin schreiben sie folgendes:

Alle Reitlehren fordern für das Pferd die Möglichkeit des „Kauens“ am Gebiss während des Reitens. Kauen, ebenso wie die Aufnahme einer Belohnung ist aber nur möglich, wenn die Kiefer voneinander entfernt werden können. Genau das verhindern zu eng geschnallte Nasenriemen. Maßgeblich ist hierbei der am engsten verschnallte Riemen, wobei es völlig belanglos ist, wo dieser liegt, d.h. ob oberhalb des Gebisses „englisch“ oder unterhalb des Gebisses „hannoversch“ verschnallt. Eine Überprüfung der Weite durch Einschieben von zwei Fingern entlang des knöchernen Nasenrückens unter dem Nasenriemen ist notwendig und zuverlässiger als eine Überprüfung am Unterkiefer. Eine Überprüfung an der Seite des Kopfes ist ohne jeden Informationswert.

Kathrin Kienapfel und Holger Preuschoft: Viel zu eng! Über die Verschnallung der Nasenriemen

Fester Nasenriemen, wenig Rückentätigkeit

Wenn der Nasenriemen zu fest ist und das Kiefergelenk sich nicht wirklich bewegen kann, hat das Auswirkungen auf das ganze Pferd, insbesondere aber auf den Rücken. Hält dein Pferd seinen Rücken fest, kann es mit den Hinterbeinen nicht ausreichend unter den Schwerpunkt treten, sein Becken abkippen und den Rücken aufwölben. Woran du erkennst, ob dein Pferd über den Rücken geht, kannst du hier nachlesen.

Fester Nasenriemen beeinflusst das seelische Wohlbefinden des Pferdes negativ

Ein zu fest verschnallter Nasenriemen von Trense und Kappzaum hat außerdem großen Einfluss auf das seelische Wohlbefinden des Pferdes. Das haben Kate Fenner, Samuel Yoon, Peter White und Paul McGreevy in ihrer Studie The Effect of Noseband Tightening on Horses Behavior, Eye Temperature and Cardiac Responses herausgefunden. Sie zeigen auf, dass zu eng verschnallte Nasenriemen physiologische Stressreaktionen wie den Anstieg der Augentemperatur oder der Herzschlagrate auslösen können.

Insbesondere bei der engsten Verschnallung ohne Abstand zwischen Nasenriemen und Nasenrücken zeigten sich bei den Pferden Hinweise für eine physiologische Stressreaktion wie etwa einen Anstieg der Herzschlagrate sowie eine Verringerung der Herzschlagvariabilität und eine Erhöhung der Augentemperatur. Viele Pferde kauten, leckten und gähnten auch nicht mehr.

Außerdem wurde aufgezeigt, dass die Schluckrate und die Kautätigkeit abnahmen, je enger der Nasenriemen saß. Gleiches gilt für Lecken und Gähnen. Du kannst also Abkauübungen noch und nöcher machen: Ziehst du die Riemen zu eng, ist dein Pferd einfach nicht in der Lage abzukauen.

In meinem Text über die Suche nach einem passenden Kappzaum für meinen Isländer schreibe ich übrigens, dass mein Pferd auf jede Form von Einschränkung empfindlich reagiert. Deswegen reite ich schon seit vielen Jahren nur noch ohne Nasenriemen. Ein Kappzaum ohne Riemen funktioniert aber leider nicht und eine Alternative zum Kappzaum für die Bodenarbeit und das Longieren gibt es leider nicht.

Nasenriemen können die Nerven des Pferdes reizen

Ein weiterer Punkt, den du im Zusammenhang mit dem Nasenriemen wissen solltest, ist, dass der Nasenriemen die Nerven deines Pferdes reizen können. Dies wird höchstwahrscheinlich auch ein Grund für das eben erwähnte Unwohlsein und den Stress sein.

Dein Pferd hat auf der Vorderseite seines Schädels, genau wie wir Menschen auch, eine Knochenöffnung, das so genannte Foramen infraorbitale. Durch dieses Austrittsloch gelangt der Nervus infraorbitalis nach außen. Der Nerv versorgt unter anderem die Zähne des Oberkiefers sowie die Haut zwischen Oberlippe und unterem Augenlid. Du erkennst diese Löcher sehr schön auf dem folgenden Foto, das auf einer Fortbildung entstanden ist:

Austrittsloch N Infraorbitalis beim Pferd
Austrittsloch N Infraorbitalis beim Pferd

Sitzen nun dort oder auf den ausgetretenen Nervenverästelungen fest verschnürte Nasenriemen, schmerzt das ganz bestimmt oder ist zumindest sehr unangenehm!

Tipp: Du kannst das Loch mit dem sogenannten Dreifingergriff spüre. Hierfür legst du dein Zeigefinger an den Nasenbeinrand, den Ringfinger an die Jochbeinkante und das Loch, in das dein Mittelfinger quasi fällt, ist das Nervenaustrittsloch.

Gebisslosreiten und Nasenriemen

An dieser Stelle möchte ich noch eine kleine persönliche Anmerkung machen. Ich vertrete nicht die weitläufige Meinung, dass gebissloses Reiten pferdefreundlicher ist. Zum einen entsteht auch dort Druck und Zug, der aber an anderer Stelle einwirkt. Und dann habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich mein Pferd mit Gebiss wesentlich leichter lösen kann. Würde ich ihn gebisslos reiten, bräuchte ich immer einen Nasenriemen. Und das empfindet mein Pferd als unangenehm (ich habe schon ein schlechtes Gewissen, dass ich ihm den Kappzaum anziehe. Wir haben aber mittlerweile einen, mit dem es ok ist).

Natürlich muss das Gebiss so angenehm wie möglich fürs Pferd sein. Sleipi zum Beispiel sperrt immer schon bereitwillig sein Maul auf, sobald er das Gebiss sieht. Ich habe seit einigen Jahren das Golden Wings von Stübben und bin damit sehr zufrieden. Der Vorteil dieses Gebisses besteht aus meiner Sicht darin, dass es so ruhig im Maul liegt. Damit ist die Gefahr vermindert, dass du deinem Pferd weh tust – es gibt nämlich auch eine Studie, nach der Pferde, die gänzlich ohne Nasenriemen geritten werden, die größten Verletzungen im Maulwinkel aufweisen.

Nasenriemen ja, aber …

Ganz gleich, ob bei deiner Trense einen Nasenriemen nutzt oder deinen Kappzaum verschnallst: Achte in Zukunft bitte immer darauf, dass der Nasenriemen nicht zu fest sitzt. Das heißt: Egal ob du mit Englischem oder Hannoveranischem Reithalfer oder mit Kappzaum unterwegs bist – immer sollten zwei übereinander liegende Finger drunterpassen!

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