Balance- und Muskeltraining mit der Zweibeinwippe für Pferde

Balance- und Muskeltraining mit der Zweibeinwippe

Mein Pony und ich haben ein Lieblingstrainingsgerät: eine Zweibeinwippe. Warum das Training mit der Zweibeinwippe so toll für dein Pferd ist und wie die Wippe effektiv in dein Training einbinden kannst, erfährst du in diesem Beitrag.

Eine Zweibeinwippe ist, wie der Name schon sagt, eine Pferdewippe für zwei Beine. Das Pferd kann also mit seinen Vorder- oder mit seinen Hinterbeinen draufsteigen. Durch Gewichtsverlagerung kann es dann selbstständig nach links und rechts wippen.

Es gibt Zweibeinwippen mit Kufen, die eine sanfte Wippbewegung ermöglichen, und Zweibeinwippen ohne Kufen. Letzere lassen sich prima selbst bauen. Es gilt jedoch zu beachten, dass die Enden bei einer kufenlosen Wippe immer recht hart auf den Boden aufschlagen, was den Gelenken deines Pferdes nicht unbedingt gut tut. (Tipp: Eine kostenlose Bauanleitung für eine Kufenwippe findest du hier.)

Ein riesiger Vorteil der Zweibeinwippe ist, dass sie sich aufgrund ihrer Größe lässt problemlos überall lagern lässt – selbst in kleinen Sattelkammern. Und da sie nicht sehr schwer ist, kann sie leicht von A nach B getragen werden. Häufig ist für eine große Ganzkörperwippe kein Platz auf dem Hof.

Warum sollte ich eine Zweibeinwippe in mein Training einbauen?

Balance- und Muskeltraining

Die Zweibeinwippe schult Balance und Gleichgewicht (das vestibuläre System), trainiert die Muskeln von Vor- und Hinterhand, von Bauch und Rücken und sie mobilisiert Hüfte, Becken und Schulter.

Wenn du dir dein wippendes Pferd von der Seite anschaust, kannst du sehen, wie vor allem die Bauchmuskeln arbeiten müssen. Was du in der Regel nicht so gut siehst, sind die tiefen Muskeln entlang der Wirbelsäule und der Gelenke, die bei diesem Training ebenfalls angesprochen werden.

Vertrauensarbeit

Außerdem stärkt sie das Vertrauen zwischen Pferd und Mensch, denn ohne Vertrauen wird sich kein Pferd freiwillig auf dieses wackelige Brett stellen. Und sie regt dein Pferd zum Nach- und Mitdenken an.

Zudem schult die Wippe die Basissinne deines Pferdes, insbesondere den Gleichgewichtssystem und das propriozeptive System (die Tiefenwahrnehmung).

Hilfe bei Takt- und Gleichgewichtsproblemen und bei stolpernden Pferden

Das Wippen ist für die Pferde nämlich gar nicht so leicht. Sie dürfen nur kleine, feine Bewegungen machen, andernfalls verlieren sie schnell die Balance. Und sie müssen gute koordinative Fähigkeiten haben. Aus diesem Grund nutze ich die Wippe total gern im Rahmen der Pferdeergotherapie.

Hier steht jedoch weniger das aktive Wippen im Vordergrund, als vielmehr das passive Wippen: Während das Pferd auf der Wippe steht, bewege ich die Wippe mit meinem Fuß. Das Pferd muss hierbei die Wippenbewegungen mit Kontrabalance ausgleichen, das heißt, es muss sein Gleichgewicht trotz mechanischer Krafteinwirkung von außen halten und wiederherstellen. Diese Übung ist vor allem für Pferde gut geeignet, die viel stolpern und Probleme mit dem Takt haben oder die an der Longe schlecht laufen und immer wieder auf die Schulter kippen, weil sie Balanceprobleme haben.

Außerdem kann das passive Wippen auf der Zweibeinwippe das Hängertraining effektiv unterstützen, weil das Pferd bei einer Fahrt im Anhänger ständig sein Gleichgewicht halten und wiederherstellen muss.

Wippen ist für dein Pferd gar nicht so leicht!

Du siehst: Wippen ist gar nicht so leicht für Pferde und es spricht jede Menge Muskeln und Fähigkeiten an.

Deswegen ist es auch wirklich wichtig, dass du das Wippentraining langsam aufbaust! Du solltest dein Pferd niemals einfach so auf eine Wippe stellen, sondern es langsam ranführen. Dies gelingt, indem dein Pferd zum einen mit neuen Untergründen vertraut machst und das Wippentraining beispielsweise auf einem Sandplatz beginnst oder die Wippe zunächst unterlagerst, sodass nur minimale Wippbewegungen möglich sind. Außerdem könntest du mit instabilen Untergründen beginnen.

Ein paar Trainingsideen findest du in meinem eBook Pferdetraining mit instabilen Untergründen.

Mein Pferd konnte kleine Wippbewegungen gleich sehr gut ausbalancieren, sollte es aber so richtig von links nach rechts wippen, fiel es ihm anfangs noch schwer. Ich habe dies geübt, indem ich selbst von links nach rechts gegangen und ihn mit Leckerlis motiviert habe, mir mit dem Kopf zu folgen. Die Gewichtsverlagerung kam so von ganz allein. Hierfür habe ich das Clickertraining genutzt.

Doch – und das erlebe ich regelmäßig bei Kundenpferden – das ist nicht immer so. Es kann also sein, dass dein Pferd anfangs noch Probleme hat sich auzubalancieren.

Durch das Unterlagern und Stabilisieren der Zweibeinwippe kann das Pferd an das Wippentraining herangeführt
Durch das Unterlagern und Stabilisieren der Zweibeinwippe kann das Pferd langsam an das Wippentraining herangeführt werden

Klappt das Wippen mit der Vorhand gut, wird der Schwierigkeitsgrad erhöht: Im nächsten Schritt soll das Pferd nicht mit den Vorder-, sondern mit den Hinterbeinen auf die Wippe steigen.

Das Wippen mit der Hinterhand fällt vielen Pferden wesentlich schwerer. Dies hängt oft damit zusammen, dass die Hinterhand weniger bewusst wahrgenommen wird. Während mit den Vorderbeinen viel mehr bewusste Bewegungen ausgeführt werden (scharren, Spanischer Schritt, irgendwo draufsteigen), läuft die Hinterhand „nur so mit“. Durch die Zweibeinwippe kann somit sehr schön das Bewusstsein für die Hinterhand geschult werden.

Die Zweibeinwippe hilft bei Takt und Balanceproblemen
Die Zweibeinwippe hilft bei Takt und Balanceproblemen

Was sagt das Pferd zur Zweibeinwippe?

Mein Pferd ist ein sehr neugieriges Pferd. Er muss immer alles beschnuppern und versucht überall drauf- oder reinzuklettern. Er liebt vor allem die große Wippe, auf die er sich mit dem ganzen Körper stellen und wippen kann. Und er liebt es, auf das Podest zu klettern. Und auch das Training mit der Zweibeinwippe bereitet ihm viel Freude.

Doch auch das ist nicht bei jedem Pferd so. Hier gilt es immer wieder individuell zu schauen und immer den Grad der Entspannung des Pferdes im Blick zu haben.

Wenn du Interesse an meinem Unterrichtsangebot, einem Kurs oder einem Workshop mit mir hast, dann wirf doch einfach mal einen Blick auf mein Angebot.

Die Wippe ergänzt übrigens auch die Übungen optimal, die ich dir in meinem Onlinekurs „Mehr Balance mit kreativer Bodenarbeit“ zeige. Dort habe ich die Wippe nicht integriert, weil es nicht am fehlenden Equipment scheitern sollte, vom Kurs zu profitieren,

Onlinekurs Mehr Balance mit kreativer Bodenarbeit
Onlinekurs Mehr Balance mit kreativer Bodenarbeit

Und nun bin ich gespannt: Kennt dein Pferd bereits die Zweibeinwippe? Was sagt es dazu? Und wie bindest du sie in dein Training ein?

4 Kommentare zu „Balance- und Muskeltraining mit der Zweibeinwippe“

  1. Hallo Karo, hast du bei deinem Pferd einen unterschied in Balance und beim Reiten gemerkt seit du die Wippe verwendest? Oder war dein Pferd vor der Wippe schon gut was Balance betrifft. Bin mir am überlegen auch eine Zweibeinwippe anzuschaffen da meiner Stute die Balance noch fehlt. Und geht dein Pferd mittlerweile mit den Hinterbeinen schon drauf? Liebe Grüße Patrizia

    1. Hallo Patrizia,
      ich habe die Wippe nun schon ein paar Jahre und habe nicht nur die Wippe ins Training eingebunden. Mein Pferd hatte nie große Balanceprobleme. Er hat sich sogar mal mit den Zähnen am gehobenen Hinterbein gekratzt, während ich drauf saß! 😀 Aber man sieht schon, dass er mittlerweile wesentlich sicherer auf der Wippe steht als noch ganz zu Anfang. Equiwip stellt keine Wippen mehr her aber vielleicht kannst du dir auch eine selbst bauen. Und zum Thema Balance empfehle ich dir meinen Artikel zum vestibulären System (Gleichgewichtssystem), vielleicht sind da auch noch Ansatzpunkte bei, die dir weiterhelfen? https://360gradpferd.de/das-vestibulaere-system-beim-pferd/
      Viele Grüße
      Karo

  2. Meine Freundinnen haben mir zum Geburtstag geschenkt, eine große Wippe für sammy zu bauen, leider haben wir aber keinen Platz dafür an dem Hof und somit hätte ich das Geschenk schon fast abgeschrieben. Vielleicht bauen wir jetzt eine zweibeinwippe daraus. Danke für diese Idee 🙂

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