Der Huf als wichtiges Tastorgan des Pferdes

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Der Huf als Tastorgan: So beeinflusst der Huf die Wahrnehmung und das Körpergefühl deines Pferdes

Wusstest du, dass der Huf ein wichtiges Tastorgan deines Pferdes ist und eine sehr wichtige Rolle für die gesamte Wahrnehmung der Umwelt und des Körpergefühls ist? Falls nein, dann solltest du jetzt unbedingt weiterlesen.

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Der Huf gehört zum sogenannten taktilen System deines Pferdes. Über das taktile System schreib ich hier ausführlich. Vereinfacht gesagt ist das taktile System der Tastsinn. Das taktile System nimmt Umweltreize wahr, z.B. die Temperatur, den Wind, die Bodenbeschaffenheit oder Berührungen.

Die sensorischen Nervenzellen, die diese Reize wahrnehmen, befinden sich in der Haut. Und da auch die Hufe deines Pferdes mit Haut überzogen sind – denk nur an die Lederhaut – spielen die Hufe in Bezug auf die taktile Wahrnehmung und das Körpergefühl eine wichtige Rolle.

Von wegen starr: So funktioniert der Hufmechanismus

Der Huf macht auf den ersten Blick den Eindruck eines festen und starren Gebildes. Doch das ist er ganz und gar nicht: Wenn dein Pferd seinen (unbeschlagenen) Huf den Boden setzt, weitet sich der Trachtenbereich. Die Ballen gehen auseinander und der Strahl bekommt Bodenkontakt.

Nimmt dein Pferd seinen Huf wieder hoch, ziehen sich die Strukturen wieder zusammen.

Dieser Prozess wird als Hufmechanismus bezeichnet.

Durch das Weiten und Zusammenziehen entsteht ein Saugpumpeneffekt. Dieser sorgt für eine gute Blutzirkulation und unterstützt somit die Herztätigkeit. Denn der Blutfluss entgegen der Schwerkraft ist anstrengend für das Herz. Dein Pferd hat unterhalb des Karpalgelenks am Vorderbein und des Sprunggelenks am Hinterbein keine Muskeln, die die Blutzirkulation unterstützen können. Bei uns Menschen beispielsweise wirkt hier die Fuß- und Beinmuskulatur als natürliche Pumpe. Hier unterstützt der Huf bzw. der Hufmechanismus.

Der Huf als Tastorgan

Der Huf unterstützt aber nicht nur das Herz und die Blutzirkulation, sondern dient dem Pferdekörper auch als Tastorgan. Durch den Bodenkontakt kann der Huf nämlich die Beschaffenheit des Untergrunds erkunden.

Die Informationen, die das Gehirn von den Hufen erhält, werden für unterschiedliche Aspekte benötigt:

Steuerung des Hufwachstums

Zum einen wird das Hufwachstum entsprechend gesteuert: Ist der Boden sehr hart, wird diese Informationen registriert. Die Lederhäute nutzen diese Informationen und produzieren hartes und widerstandsfähiges Horn.

Ist der Boden aber matschig und weich, ist das Horn eher weich. Der Huf sinkt in weichem Boden eher ein und weitet sich nur wenig. Der Pumpmechanismus funktioniert etwas weniger gut und gleichzeitig gibt es keine Information zur Bildung von festem Horn.

Huf liefert wichtige Informationen zu Körperhaltung und Balance

Zum anderen liefert das Tastorgan Huf Informationen über Unebenheiten des Bodens wie zum Beispiel kleine Steinchen. Das Gehirn kann die Körperbewegungen diesen Unebenheiten anpassen und (sehr wichtig) seine Gelenke entsprechend stabilisieren, die Körperbalance wahren usw.

Im Humanbereich heißt es: „Die Haltung beginnt bei den Füßen“. So ist es bei den Pferden auch.

Der Pferdehuf spielt als Tastorgan eine wichtige Rolle für den Pferdekörper und die Körperwahrnehmung

Hufeisen: Schutz und Einschränkung

Das, was ich dir über den Huf und seine Funktion für den Organismus und die Bewegung erzählt habe, gilt für Barhufpferde. Hat dein Pferd Eisen, sind der Hufmechanismus und alle damit einhergehenden Funktionen eingeschränkt.

Das Hufeisen ist ein starres Gebilde und auch wenn möglichweise minimal Bewegung stattfinden kann im Huf, so ist diese nicht vergleichbar mit einem Barhuf. Die Beine werden weniger gut durchblutet und das Herz muss stärker arbeiten.

Auch verhindert das Eisen den Bodenkontakt vom Strahl und ein Effekt ist, dass der Strahl durch das Tragen von Hufeisen verkümmert. Dies ist besonders schön zu beobachten, wenn dem Eisenpferd die Eisen abgenommen werden und es zum Barhufpferd wird. Der Strahl wird wesentlich größer und kräftiger werden.

Ich selbst habe meine beiden Isis barhuf laufen. Merlin kam im Sommer 2021 barhuf zu mir, Sleipi hat fast sein Leben lang keine Eisen gehabt (über Barhuf und Islandpferde berichte ich hier ausführlich). Für mich sind Eisen keine Option mehr, wenn sie nicht aus irgendwelchen gesundheitlichen Gründen vermeidbar sind. Wenn ich reiten möchte und dafür Hufschutz brauche, ziehe ich meinem Pferd Hufschuhe an – oder auch nicht, ich reite die meiste Zeit problemlos ohne Hufschuhe im Gelände. Ich find es aber nicht richtig, für meine seltenen Ausritte, bei denen ich Eisen brauchen könnte, das Pferd dauerhaft mit Eisen laufen zu lassen.

Sleipi trägt übrigens die Easy Boots Epic. Und solltest du überlegen, dir diese Hufschuhe zu bestellen, empfehle ich dir, die Schnalle zu tauschen. Das geht recht leicht, wird dir das Handling aber ungemein erleichtern!

Kleiner Tipp, falls dich das Thema interessiert: Mehr über die Themen Körperwahrnehmung, Tastsinn, Propriozeption und Sensomotorik erfährst du in meinem Onlinekurs Sensomotorisches Pferdetraining.

Onlinekurs Sensomotorisches Pferdetraining

Sensomotorisches Training bedeutet, dass du auch die Sinnessysteme und das Gehirn in dein Training einbeziehst, um das Zusammenspiel von Gehirn, Nervensystem und Muskeln zu verbessern. Dies sorgt am Ende für eine bessere Koordination zwischen unterschiedlichen Muskeln bzw. innerhalb eines einzelnen Muskels, für ein besseres Körpergefühl des Pferdes, für mehr Stabilität und für verbesserte Bewegungsabläufe.

Erzähl gern mal, gehörst du zum #teambarhuf oder zum #teamhufeisen?

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