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Machst du nichts mehr? Oder: Mein Blick auf die Online-Pferdewelt

Bei 360° Pferd ist es in den vergangenen Monaten still gewesen. Das hängt zum einen damit zusammen, dass ich von Mai 2023 bis Februar 2024 an meinem Buch Sensomotorisches Pferdetraining gearbeitet habe, das am 05. März 2024 erschienen ist. Aber es hat auch noch andere Gründe. Und davon möchte ich dir heute erzählen.

Du möchtest die Folge lieber anhören? Kein Problem:

Bevor ich über das Jetzt erzähle, muss ich ein wenig ausholen und von den Anfängen berichten.

Wie es mit 360° Pferd begann…

Im März 2015 habe ich meinen ersten Blogartikel veröffentlicht. Damals stand die Online-Pferdewelt noch in den Startlöchern. Es gab ein paar wenige Pferdeblogs aber ein Onlinebusiness mit Onlinekursen, Webinaren und Co, wie du es heute kennst, gab es noch nicht. Die wichtigste Social-Media-Plattform war Facebook, Instagram und Co besaßen zu dem Zeitpunkt kaum Relevanz und auch Podcasts waren noch lange nicht das, was sie heute sind.

Damals begann ich zu Bloggen, weil ich durch meine journalistische Arbeit für Pferdemagazine zwar viele Themen zu Papier bringen durfte, noch viel mehr Themen aber in meinem Kopf hatte, die aufgeschrieben werden wollten. Und weil ich auch hauptberuflich im Bereich Online Marketing/Content Marketing tätig war, kam das eine zum anderen und mein Blog entstand.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch keine meiner praktischen Pferde-Ausbildungen absolviert. Ich hatte aber durchaus schon sehr viel praktische Pferdeerfahrung: Aufgewachsen bin ich mit den Pferden hinterm Haus und reiten gelernt habe ich gemeinsam mit unserem damaligen Jungpferd, einem fünfgängigen, passliebenden Islandwallach namens Fölvi. Fölvi gehörte meiner Mama. Mit ihm hab ich damals ein wenig Turnierluft geschnuppert und war sogar zur Sichtung für den Landesjugendkader.

Wir hatten immer Jungpferde bei uns, die von meiner Mama ausgebildet wurden, und eigentlich immer habe ich sie dabei unterstützt.

Mit diesem Backround habe ich 2008 den Sleipi zu mir geholt. Er war noch keine vier Jahre alt, kam direkt von der Jungpferdeweide und kannte nichts. Ihn habe ich allein und ohne Unterstützung ausgebildet.

Somit waren beim Start meines Blogs Pferdewissen und Pferdepraxis vorhanden – und zwar mehr als „nur“ Reitschul- und Reitbeteiligungserfahrung.

Mit der Zeit habe ich mit meinem Blog immer mehr Menschen erreicht. Ich wurde gefragt, ob ich nicht auch Unterricht oder Kurse geben könnte. Doch ohne etwas in der Hand zu haben – damit meine ich eine Ausbildung – wollte ich das nicht.

Echte Qualifikationen: Erst Pfergo, dann Physio Riding

Lange habe ich nach einer passenden Ausbildung gesucht, denn mir war vieles zu einseitig: Als Pferdetherapeutin, beispielsweise als Pferdephysiotherapeutin oder Pferdeosteopathin, fehlte mir immer der Reiter, der maßgeblich zum Gesundheitszustand seines Pferdes beiträgt. Eine Pferdetrainer-Ausbildung kam für mich nicht infrage, weil ich mit vielen Regelwerken nicht konform gehe. Beim IPZV beispielweise brauchte man für den Trainer C ein Longierabzeichen. Um dieses zu erlangen, muss man ein Pferd mit Gebiss und Hilfszügeln longieren können. Da ich das Longieren mit Gebiss ablehne, ist somit auch keine Trainerausbildung möglich gewesen.

Was mich damals schon interessiert hat, war Physio Riding – eine Kombination aus klassischer Reitlehre und Pferdephysiotherapie, bei der der Reiter selbst angeleitet wird zu sehen, zu fühlen und dadurch sein Verhalten (bezogen auf den Sitz, das Training oder die Haltung) zu verändern (hier liest du mehr dazu). Doch zu dem Zeitpunkt wurde keine Praxisausbildung angeboten.

2018, mitten in der Elternzeit, hab ich dann endlich etwas passendes gefunden: Die Ausbildung zur Pferdeergotherapeutin an der PFERGO-Akademie, die ich im Frühjahr 2019 erfolgreich abschließen konnte. Weil mir dieses Wissen aber nicht reichte und die Ausbildung zum Physio Riding Coach wieder angeboten wurde, hab ich diese direkt im Anschluss nach drangehängt.

Seit 2018 habe ich viel unterrichtet und Kurse gegeben. Auf diese Weise konnte ich Praxiserfahrung mit vielen unterschiedlichen Pferde-Mensch-Paaren sammeln – und habe schlussendlich mein Konzept des Sensomotorischen Pferdetrainings entwickelt.

Corona hat die Pferdewelt verändert: online first!

2020 kam Corona und brachte zahlreiche Lockdowns mit sich. Die Konsequenz: Vieles ging nur noch online. Auch in der Pferdewelt. Webinare, Onlinekurse, Onlinecoaching und Onlineunterricht wurden beliebt und erreichten immer mehr Menschen.

Auch ich habe mein Angebot auf online umgestellt – nicht nur wegen Corona, sondern auch, weil ich Anfragen aus ganz Deutschland und sogar Österreich und der Schweiz bekommen habe, die ich alle gar nicht bedienen konnte und bedienen kann. Und auch, weil ich mehrere tausend Euro an Weiterbildung investiert habe und fand, dass ich mein Wissen nicht mehr nur kostenlos zur Verfügung stellen kann und möchte.

Ich selbst bin ein riesiger Freund von diesen Online-Lernangeboten und nutze sie selbst sehr viel – auch nach Corona.

Was aber durch diese Fokussierung auf Online passiert ist, ist folgendes: Jeder möchte sein Angebot verkaufen – schließlich geht es um den Lebensunterhalt. Wichtig hierfür ist, möglichst viele Menschen zu erreichen. Diejenigen, die gutes Marketing machen, verkaufen auch gut.

Und das ist auch gut. Eigentlich. Denn: Das Marketing ist nur das, was ich von außen sehe. Problematisch wird es, wenn hinter den Inhalten wenig Wissen steckt.

Viel Glitzer, hohe Preise und wenig echtes Wissen

Im Laufe der vergangenen Jahre habe ich immer mehr Accounts auf z.B. Instagram gesehen, die sehr viel Reichweite haben, weil sie schöne Fotos und Videos teilen und schlaue Dinge sagen. Diese Accounts stellen sich oft als „echte Experten“ dar und werden auch als solche wahrgenommen. Doch wirft man mal einen Blick hinter das ganze Glitzer-Bling-Bling und fragt, wo das vermeintliche Wissen herkommt, bleibt die Antwort oft aus. Häufig ist es sogar so, dass einfach Dinge angelesen sind und nachgeplappert werden, ohne dass das eigene Erfahrungswerte dahinterstecken. Es musste immer mehr und mehr sein.

Versteh mich nicht falsch, es gibt durchaus super Accounts, die viel Reichweite haben, die aber auch echte Fachkompetenz mitbringen – beispielsweise Veronika von Kernkompetenz Pferd oder OsteoDressage. Die meisten Accounts, die ich kenne und bei denen richtig viel und vor allem echtes Wissen vorhanden ist, haben im Vergleich eine eher geringe Reichweite. Aber frag mich bitte nicht, wie oft ich Textpassagen von mir auf Instagram gefunden habe, die 1:1 kopiert und dort veröffentlicht wurden – ausgegeben als eigene Worte und eigenes Wissen. Ein Grund, warum jetzt über jedem Blogbeitrag ein Hinweis zum Urheberrecht steht…

Mehr Schein als Sein

Das war für mich einer der Gründe, warum ich mich bei Instagram zurückgezogen habe.

Mich haben diese ganzen Accounts getriggert, bei denen wenig Wissen, dafür aber viel Glitzer und „laute Worte“ vorhanden sind.

Mich hat es so oft geärgert, dass vermeintliche Experten meine Texte kopieren und auf ihrem Instagramprofil als ihre Worte teilen.

Und vor allem hat es mich wahnsinnig geärgert – bzw. ärgert es mich -, dass so wenig hinterfragt wird.

Wo bleibt das kritische Hinterfragen?

Jemand hat viel Reichweite? Dann muss es stimmen, was er sagt. Woher derjenige sein Wissen hat, ob es echtes Praxiswissen ist oder nur angelesene Theorie, interessiert nicht. Es interessiert auch nicht, ob wissenschaftlich belegte Fakten verdreht und anders dargestellt und dann in Onlinekursen zu viel Geld gemacht werden. (Dieses kopflose Hinterherrennen und Nachplappern ärgert mich übrigens nicht nur in der Pferdewelt. Wir haben es auch in der Politik, in der Erziehung und in vielen anderen Bereichen. Wo bleibt das Nachdenken? Wo bleibt das kritische Hinterfragen? Warum ist die Gesellschaft so denkfaul geworden?)

Ich hatte und habe da einfach keine Lust mehr mitzumachen.

Was ich dir an dieser Stelle offen sagen kann: Viel Reichweite bei Instagram fördert den Verkauf von Onlineprodukten und bringt Anfragen für Unterricht und Kurse. Aber ich habe für mich erkannt: Ich will das nicht (mehr). Ich will kein Glitzer auf mein Wissen packen, um mithalten zu können und genug Geld zum Leben zu verdienen.

Deswegen habe ich mir selbst den Druck genommen. Ich habe mir einen neuen Hauptjob gesucht und 360° Pferd wieder zu einem Nebengewerbe gemacht. Ich möchte authentisch sein und nicht mehr Schein als Sein.

Aus diesem Grund gebe ich zurzeit keinen Unterricht mehr und auch nur sehr selten einen Kurs. Dafür fehlen aktuell die Zeit und die Energie. Vielleicht ändert sich das bald wieder. Zurzeit ist es aber so. Und das ist gut.

Für dich klingt das jetzt nach Mimimi und Neid?

Das mag sein, denn natürlich bin ich neidisch, wenn jemand sich trotz wenig Wissen richtig gut verkaufen kann und man selbst bei großem Aufwand immer eher klein bleibt. Aber vor allem ärgert es mich, dass nicht selten falsche Dinge behauptet und als einzige Wahrheit verkauft werden und dass sehr viele (Pferde-)Menschen dies dann auch noch glauben und nicht einmal kritisch hinterfragen.

Warum ich dir das erzähle? Eine gute Frage. Mir ist es ein Bedürfnis zu erklären, warum es bei 360° Pferd so ruhig ist. Und ein noch viel größeres Bedürfnis ist es mir, dich zum Nachdenken anzuregen: Bist du kritisch genug mit den Inhalten, die dir online begegnen? Informierst du dich darüber, welche Kompetenz jemand hat? Oder lässt du dich manchmal blenden von schönen Worten und ansprechenden Layouts?

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5 Kommentare zu „Machst du nichts mehr? Oder: Mein Blick auf die Online-Pferdewelt“

  1. Ich sehe es ganz genauso.
    Einerseits gibt es endlich mal Wissen, was ich jederzeit anschauen kann und davon profitieren kann. Ich lerne über Videos besser als durch Bücher und vieles kann man schon per Video ganz toll zeigen. In wie viele verschiedene Richtungen man lernen kann ist der absolute Wahnsinn und es macht so viel Spaß dazuzulernen.
    Andererseits wird man gefühlt bombardiert mit drölfhundert Onlineangeboten ohne die dein Pferd ohne diesen oder jenen Onlinekurs überhaupt und gar nicht gesund werden KANN! Die Sorgen und Ängste der Pferdebesitzer werden ausgenutzt und zu Geld gemacht, was unglaublich traurig ist.
    Durch diese Accounts, die teils auch wirklich interessant sind, werde ich als Besitzerin eines Baustellen-Pferdes regelrecht unter enormen Druck gesetzt, denn ich arbeite nicht schon wie die Personen X und Y seit Monaten und jeder Tag ohne jene Trainings geht mein Pferd laut diesen weiter kaputt.
    Und so stehe ich mehr oder weniger gestresst vor meinem Pferd mit dem Gefühl: ich MUSS jetzt was machen und wir MÜSSEN daran arbeiten, sonst schade ich ihm, was ich ja nicht möchte. Der Spaß geht letztendlich sowas von flöten und am Ende sind ich und mein Pferd total frustriert.
    Und dann scrolle ich abends wieder durch Instagram und bekomme beim Anschauen der tollen Trainer und Therapeuten ein super schlechtes Gewissen, weil es bei allen anderen ja so super klappt.

    1. Liebe Krissi,
      Danke für deine Gedanken.
      Was du ansprichst, ist ein weiteres Thema, das ich schrecklich find: dieses MÜSSEN. Am Ende teile auch ich Tipps und Empfehlungen und gehöre somit auch zu denen, die verkaufen und sich über andere stellen. Aber mir selbst ist das unangenehm und ich hoffe, dass ich es auf eine angenehmere Art und Weise mache. 🙈
      Aber ich weiß genau, was du meinst!
      Am Ende muss man sich immer wieder sagen: Instagram ist NICHT die Realität und es werden immer nur tolle Ausschnitte gezeigt.
      Wichtig ist, dass man sich als Konsument selbst treu bleibt und das macht, was einem sein Bauchgefühl sagt. Und im Zweifelsfall lieber einmal aufräumen und denen entfolgen, die einen triggern. Das tut der Seele gut! 👍

  2. Ich habe heute Dein Buch bestellt. Warum? Weil ich Dich wirklich für eine Expertin halte. Ich suche mir die Personen, denen ich folge, sehr sorgsam aus, und bevor ich beginne, irgendwelche Lehren oder Erkenntnisse zu teilen, ist es mir wichtig, diese Personen persönlich kennengelernt zu haben, und mit ihnen selbst gesprochen zu haben. Ich will Fragen stellen können, ich will sowohl Bedenken als auch Erfolgserlebnisse teilen können. Sehr sehr schade also, dass wir uns noch nicht kennengerlernt haben. Aber vieles von dem, wovon Du im Blog geschrieben hast, habe ich bei mir und meinem Handeln wiedererkannt. Und wenn ich dann von meinen Erlebnissen auf Instagram berichte, dann betone ich, dass es sich ausschließlich um meine eigenen Erfahrungen handelt, und dass diese sehr subjektiv sind und sowohl von Mensch als auch Pferd individuell und durchaus unterschiedlich wahr genommen werden. Genauso wenig, wie ich bevormundet werden möchte, sollen andere Menschen durch meine Meinung bevormundet werden. Auch wenn ich noch so begeistert vom Clicker gestützen intrinsischen Ansatz, der Propriozeption, den Pferdewippen und dem Miteinander von (Island)-Pferd und mir bin, lasse ich allen anderen Personen die Wahl, welcher Ansatz für sie selbst der passende Ansatz ist.
    Also, auf den Punkt gebracht: ich gebe Dir absolut Recht. Weniger ist manchmal mehr, und es ist nicht alles Gold, was glänzt. Danke Dir für diese offenen Worte!

  3. Ich kann es sehr gut nachvollziehen. Mir geht es ähnlich. Nach über 10 Jahre habe ich mich auch zurückgezogen. Danke dir, dass du deine Beweggründe teilst.

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Es heißt  Sensomotorisches Pferdetraining: Mit Leichtigkeit und Freude zu einem besseren Körpergefühl und ist im Cadmos Verlag erschienen!