Reitersitz verbessern und stabiler sitzen

Reitersitz verbessern und stabiler sitzen – mit dieser Übung klappt es bestimmt!

Zuletzt aktualisiert am 3. Oktober 2021 von Karolina

Den Reitersitz verbessern und vor allem stabiler sitzen möchten mit Sicherheit die meisten Reiter. Schließlich hat der Sitz des Reiters eine enorme Auswirkung auf das Pferd. Ist dein Sitz eher fest und angespannt, dann wird auch dein Pferd nicht locker und losgelassen laufen können. Dein Körper und der Körper deines Pferdes beeinflussen sich schließlich enorm. In diesem Beitrag möchte ich dir einen tollen Tipp teilen, mit dem ich selbst meinen Sitz verbessert und stabilisiert habe. Dabei geht es um eine imaginäre Kugel. Was es damit auf sich hat und warum sie dir hilft, deinen Reitersitz zu stabilisieren, das verrate ich dir in diesem Beitrag.

Bevor ich dir verrate, warum mir die Kugel hilft, meinen Reitersitz zu verbessern und warum ich diesen Tipp auch mit dir teilen möchte, sollten wir klären, wie der ideale Reitersitz aussieht. Denn nur wenn wir eine gemeinsame Basis haben, über die wir reden, verstehst du, was ich meine.

Der ideale Reitersitz – wie sieht er eigentlich aus?

Ich halte mich hierbei an die FN, die den Dressursitz als Basis aller Sitzformen auserkoren hat.

Beim idealen Reitersitz

  • sitzt der Reiter aufrecht im Sattel,
  • bilden Reiterschulter, Hüftgelenk und Absatz eine lotrechte Linie, wenn das Pferd steht,
  • wird das Gewicht gleichmäßig auf beide Gesäßknochen verteilt,
  • hängen die Beine locker aus den Hüftgelenken nach unten,
  • liegt das Knie locker am Sattel an und klammert nicht,
  • bilden Unterarm und Zügel eine gerade Linie, die vom Ellenbogen bis zum Pferdemaul reicht.

Klingt alles ganz einfach. Ist es aber nicht.

Vom perfekten Reitersitz und dem Streben nach Idealen

Zunächst einmal – und das ist absolut wichtig zu wissen – ist dieser Reitersitz ein Idealbild. Und damit alles andere als das, was wir in der Praxis sehen. Versuchst du dennoch das Ideal auf Zwang zu erreichen, verkrampfst du dich.

Jeder Reiter hat einen individuellen Sitz

Jeder Reiter hat einen anderen Körper. Was dem einen mühelos gelingt, gelingt dem anderen gar nicht. Dabei geht es gar nicht darum, dass einer besser ist als der andere. Es geht vielmehr darum, dass der eine Körper Dinge kann, die der andere aufgrund seiner Anatomie nicht kann.

Der eine Reiter hat einen langen Oberkörper und kurze Beine. Bei dem anderen ist es genau umgekehrt. Einer hat eine Skoliose, der andere einen Beckenschiefstand usw.

Somit gibt es nicht DEN perfekten Sitz (und überhaupt, was heißt schon perfekt?). Es gibt immer nur den individuell besten Sitz.

Zu diesem Thema findest du hier einen umfangreichen Text mit dem Titel: Der Reitersitz: Das Kommunikationsmedium zwischen Pferd und Reiter

Dennoch beinhaltet die Definition der FN viele Punkte, die wir Reiter anstreben sollten. Andere können wir ein Stück weit ignorieren. Zum Beispiel den Punkt Reiterschulter, Hüftgelenk und Absatz bilden eine lotrechte Linie, wenn das Pferd steht . Warum ich das sage? Weil wir nicht eine halbe Stunde lang auf dem stehenden Pferd sitzen wollen. Das Pferd bewegt sich. Und wir Reiter bewegen uns mit ihm. Somit verändert sich der Sitz permanent.

Andere Punkte hingegen sind durchaus relevant. Beispielsweise, dass die Beine locker aus dem Hüftgelenk nach unten fallen und das Knie nicht am Sattel klammern sollte. Nur so können wir eine Grundlage dafür schaffen, dass wir unser Becken locker bewegen können. Und das ist meiner Meinung nach das A und O.

Auch hierzu habe ich einen Beitrag verfasst, den ich dir empfehlen möchte: Mit dem Becken beim Reiten locker mitschwingen – leichter gesagt als getan

Auch der Punkt aufrecht sitzen ist wichtig. Aber hier fangen die Probleme an. Wenn du im Sattel sitzt und dich aufrecht hinsetzt bin ich mir sehr sicher, dass du dich festmachst und anspannst. Du wirst dich nämlich womöglich so sehr bemühen, aufrecht zu sitzen, dass du dich gar nicht mehr traust dich zu bewegen und der Bewegung deines Pferdes zu folgen. Du wirst starr und fest und störst dein Pferd somit viel mehr, als wenn du weniger an der eigenen Aufrichtung arbeitest.

Auch mein Sitz entsprecht nicht dem Ideal. Mir zum Beispiel fällt es schwer, mein Gewicht gleichmäßig auf beide Gesäßknochen zu verteilen. Ich knicke links immer wieder ein. Und ich neige dazu, mich festzumachen. Wobei das eine oft auch das andere bedingt.

Lange Zeit hatte ich zudem große Probleme damit, tief im Sattel einzusitzen und stabil zu sitzen. Ich habe ein paar blöde Unfälle mit dem Pferd gehabt und bin ein Angstreiter geworden. Daran habe ich sehr, sehr viel gearbeitet – nicht zuletzt durch viel Sitzschulung. Dennoch setze ich mich nach wie vor sehr ungern auf fremde Pferde.

Kleine Blickschulung Reitersitz

Das folgende Bild ist schon einige Jahre alt, es ist von 2012. Damals saß ich mit Angst auf dem Pferd. Ich saß im Spaltsitz mit nach vorn geneigtem Oberkörper, hielt mich mit den Knien fest, der Unterschenkel rutschte nach hinten. Dieser Reitersitz ist alles andere als stabil. Schaust du dir mein Pferd an, siehst du, dass es nicht zuletzt auch durch meinen Sitz komplett auf der Vorhand läuft, nach hinten raustritt und den Rücken wegdrückt. Aber das ist ein anderes Thema…

Feste Knie mit Pfeilen

Den Reitersitz verbessern und stabiler sitzen

Heute, diverse Sitzschulungen und eine Physio-Riding-Coach-Ausbildung später, habe ich verschiedene Lösungsansätze kennengelernt, die dabei helfen können, den eigenen Sitz zu verbessern und stabiler und damit sicherer zu sitzen und das Pferd nicht mehr (oder weniger) zu stören.

Einen Tipp möchte ich jetzt mit dir teilen. Und zwar das Bild der imaginären Kugel.

Mit inneren Bildern den Reitersitz verbessern

Dieses Bild kommt aus dem Centered Riding, dem Reiten aus der Körpermitte, und wie du vielleicht weißt, bin ich ein großer Fan vom Centered Riding. Ich habe diese Form des Reitens bei verschiedenen Trainern kennengelernt und CR-Sitzschulungen gemacht.

Die Erfinderin des Centered Riding, Sally Swift, schreibt in ihrem Buch Reiten aus der Körpermitte, Band 1: Pferd und Reiter im Gleichgewicht*:

„Um Ihre Mitte zu finden, brauchen Sie nur mit Ihrem Finger auf den Bauch zu zeigen, an eine Stelle zwischen Nabel und Schambein, auf der Vorderseite des Beckens. Tief innen, hinter diesem Punkt, vorne an der Wirbelsäule, liegt Ihr Zentrum der Balance, Zentrum der Energie, Zentrum der Kontrolle. […] Hier unten, tief drinnen und nah an der unteren Wirbelsäule, befindet sich auch das größte Bündel von muskelkontrollierenden Nerven in Ihrem Körper. Bei diesem großen Nervenzentrum und den schweren, kontrollierenden Muskeln ist Ihre Körpermitte.“

Sally Swift, Reiten aus der Körpermitte, Band 1

Eine Besonderheit beim CR ist die Arbeit mit Bildern – die wir übrigens auch beim Physio-Riding nutzen. Den Vorteil dieser Form der Sitzschulung hat den Vorteil, dass dem Körper nichts aufgezwungen wird. Wenn ich dir sagen würde „mach dies oder mach das“, dann wirst du die geforderte Haltung aktiv einnehmen – und dich dabei fest machen. Wenn ich dir aber sage „stell dir vor, dass…“, nimmst du eine andere Haltung ein, bleibst aber locker.

Vor einigen Jahren habe ich mal einen Artikel über das Centered Riding für das Magazin DAS ISLANDPFERD geschrieben. Meine Interviewpartnerin war die mittlerweile verstorbene CR Instructorin Stephanie Hornung. (Kleiner Tipp: Ihren YT-Kanal gibt es noch und ich kann sehr empfehlen einmal reinzuschauen.) Sie sagte mir:


„Wie unser Nervensystem unsere Muskeln koordiniert und damit Bewegung und Balance entstehen lässt, dieses System ist uralt. Auch die Pferde, Hunde oder Katzen haben dieses System und es ist viel, viel älter, als die menschliche Sprache. Wenn wir also mit dem Körper in einer Sprache sprechen, die er nicht versteht, dann ist das natürlich ein Problem. Viele Reiter sind jedoch spontan in der Lage aufrechter zu sitzen ohne sich steif zu machen, wenn sie angeleitet werden sich vorzustellen ihre Wirbelsäule sei eine Wasserfontäne und ihr Kopf sitzt wie ein Pingpongball oben auf der Wassersäule. Durch die Bildsprache erkennt der Körper mit Leichtigkeit, welche Art von Haltungsänderung gewünscht wird und setzt sie nach seinen individuellen Möglichkeiten um. Dem Körper wird nichts aufgezwungen, er wird intelligent in die richtige Richtung geleitet.“

Stephanie Hornung

Damit erklärt sie so wunderbar, warum Centered Riding bzw. die Sitzschulung mithilfe innerer Bilder so wertvoll ist.

Aber zurück zum Thema stabiler Reitersitz und imaginäre Kugel.

Reitersitz verbessern und stabiler sitzen mit der imaginären Kugel
Den Reitersitz verbessern und endlich stabiler sitzen mit der imaginären Kugel

Meine unangefochtene Lieblingsübung für einen stabilen Reitersitz

Die folgende Übung kannst du zunächst ohne Pferd auf einem Stuhl sitzend (bzw. auch stehend) machen und später im Sattel wiederholen. Ich habe sie bei einem CR-Kurs kennengelernt und auch bei einem Kurs Feldenkrais für Reiter tauchte sie auf.

So geht’s

Setz dich auf den vorderen Bereich deines Stuhls und stell dir vor, du hättest in deiner Körpermitte (im Becken) eine schwere Kugel (z.B. einen Golfball), die du hin und her rollen kannst. Möchtest du die Kugel nach vorn rollen, kippst du dein Becken etwas nach vorn. Soll die Kugel nach hinten Rollen, kippst du dein Becken nach hinten.

Lass die Kugel ein paar Mal hin- und herrollen. Nach vorn, nach hinten aber auch zur Seite und im Kreis.

Wenn du dir der Kugel bewusst bist und du sie gut bewegen kannst, stellst du dir vor, du hast dort, wo deine Wirbelsäule endet (Steißbein), ein Loch. Und in dieses Loch möchtest du die Kugel bringen. Du lochst sie ein, wie einen Golfball.

Anschließend machst du genau das auf dem Pferd. Erst im Stand, dann reitest du los und wenn die Kugel aus dem Loch rutscht, lochst du sie wieder neu ein.

Zugegeben: Das hört sich seltsam an. Ich weiß. Und als ich die Übung zum ersten Mal gemacht habe, fand ich es auch wirklich seltsam. Da stand ich mit beiden Beinen auf dem Boden, bewegte mein Becken und lochte eine imaginäre Kugel ein.

Als ich aber anschließend auf meinem Pferd saß und meine Kugel einlochte, war ich überrascht über die wahnsinnig positive Wirkung: Ich saß plötzlich viel tiefer im Pferd, war viel mehr im Schwerpunkt und viel stabiler – und zwar ohne mich meinen Körper festzumachen und mich in den Sattel zu klammern. Ich war einfach zentriert.

Und nicht nur das: Ich fühlte mich nicht nur zentriert und tiefer mit dem Pferd verbunden, sondern ich hatte auch das Gefühl, als fiele eine Last von mir.

Dazu schreibt Sally Swift in ihrem Buch:

„Die meisten von uns sind versucht, kopf- oder vorderlastig zu sein. Wir kümmern uns auch zu sehr um die Einzelheiten, überorganisieren vieles und atmen meistens mit der Brust. All diese Charakteristika vergrößern unsere Verspannungen, verringern unsere Beweglichkeit, verlagern unser Zentrum der Schwerkraft nach oben, machen uns kopflastig und verschlechtern unsere Koordination.“

In dem Moment, als ich die Kugel ins Nest gelegt hatte, verlagerte sich also mein Zentrum nach unten und nahm damit jede Menge Druck von mir, den ich bewusst und vor allem aber auch unbewusst mit mir herumgetragen habe. Und unter uns: Das, was in dem Moment in mir passierte, hat noch Stunden später nachgehallt und war absolut nachhaltig und langfristig!

So verbessert die Übung deinen Sitz

Wenn du deine imaginäre Kugel eingelocht hast, sitzt du zentriert im Gleichgewicht. Du sitzt stabil, ohne dich festzuhalten. Und nur dann können deine Beine locker aus den Hüftgelenken nach unten hängen, deine Knie locker anliegen. Du sitzt aufrecht ohne dich steif zu machen. Denn du kannst die Kugel nur einlochen, wenn du aufrecht sitzt. Das führt automatisch dazu, dass Schulter, Hüfte und Absatz eine Linie bilden (ob sie nun wirklich lotrecht ist, wie von der FN definiert, sei mal dahingestellt) und ich dein Gewicht gleichmäßig auf beiden Gesäßhälften verteilt wird. Du hörst auf, mit den Knien zu klammern. Das Thema wegfliegende Unterschenkel ist damit auch passé.

Jede Mal, wenn ich aufs Pferd steige, sortiere ich mich und lege die Kugel ins Loch. Dann erst geht’s los. Und auch während des Reitens überprüfe ich immer wieder, ob meine Kugel im Nest liegt, oder ob sie womöglich rausgerutscht ist, weil ich mein Becken gekippt habe oder weil ich vielleicht doch wieder etwas mit mir herumtrage, dass ich mich mental belastet. Letzteres bekommt man nicht immer einfach so abgeschaltet. Ich merke das dann immer sehr stark an meinem Sitz und nicht jedes Mal gelingt es mir, mich zu zentrieren (siehe oben, ich bin mir meiner eigenen Sitzfehler durchaus bewusst).

Was sich auf diese Weise verändert hat, ist meine Angst beim Reiten (zumindest bezogen auf mein eigenes Pferd). Springt es mal zur Seite, bringt mich das nicht mehr aus dem Gleichgewicht, weil ich einfach viel zentrierter und stabiler sitze.

Außerdem konnte ich erst durch das zentrierte und stabile Sitzen wirklich anfangen, über den Sitz mit meinem Pferd zu arbeiten. Sitz ich nämlich instabil und bin fest, arbeite ich viel mehr mit den Händen und den Zügeln als ich eigentlich will. Einfach, weil mein Sitz als Kommunikationsmittel ausfällt.

Deswegen ist mein Tipp an dich: Probier die Übung unbedingt aus! Sie wird dich ganz sicher auch einen großen Schritt nach vorn bringen!

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Übrigens: Auch Blogleserin Melli kennt die imaginäre Kugel. In meinem Beitrag Mit dem Becken locker mitschwingen hat sie in einem Kommentar geschrieben, dass man das Tempo des Pferdes beeinflussen kann, indem man die Kugel mal langsamer und mal schneller durch die Acht im Becken rollen lässt. Hast auch du die Kugel schon kennengelernt? Oder hast du vielleicht noch ganz andere tolle Tipps zum Verbessern des Reitersitzes? Dann immer her mit deinen Erfahrungen! 🙂

Zum Weiterlesen:

Das Praxisbuch – Reiten als Dialog: Situationsanlysen & Lösungswege für Reitprobleme* ist unbedingt zu empfehlen.

9 Kommentare zu „Reitersitz verbessern und stabiler sitzen – mit dieser Übung klappt es bestimmt!“

  1. Pingback: Reitersitz: 12 Tipps für einen zügelunabhängigen Sitz!

  2. Pingback: Reiten Sitzschulung: Spielend den Reitersitz verbessern

  3. Pingback: Dein Sitz verrät mehr über dich als tausend Worte!

  4. Hallo,

    Ich finde den Artikel wirklich toll und musste beim lesen schon schmunzeln, weil ich genau weiß was du mit „seltsam“ meinst.
    Ich selbst reite jetzt seid 6 Jahren bei einer centered riding instructorin, wobei ich am Unterricht auch auf ihren Hottas teilnehme.

    Ich bin begeistert von den ganzen Bildern die sie mir gibt und schon sitzt man anders, das Pferd läuft locker vorwärts-abwärts und alles ist viel weniger verkrampft.

    Erst vor zwei Wochen war ich bei einem ihrer Lehrgänge dabei und es ist wirklich zum lachen wenn man 8 Erwachsene Frauen im Kreis auf dem Putzplatz stehen sieht und alle kreisen und kippen ihr Becken, lochen imaginäre Kugeln ein, atmen „bunte“ Luft bis in die Füße und schütteln ihre Arme auf die gleiche Länge 😀

    Aber ich kann es jedem nur wärmsten empfehlen sich mal auf diese Reitweise einzulassen und vllt mal einen Schnupperkurs zu besuchen.
    Und nein, es ist ganz und gar nicht nur für Freizeitreiter, auch Turnierreiter und generell Reiter aller möglichen Reitweise können hier was für sich mitnehmen 🙂

    Liebe Grüße
    Jasmin

  5. Pingback: Reiten Sitzschulung: Spielend den Reitersitz verbessern

  6. Ich versuche es mir gerade auch zu verbildlichen. Aber erst schreibst du „ich kippe das Becken nach vorn und nach hinten“, ich hab da eine vor und zurück Bewegung im Kopf. Ein paar Sätze später hattest du dann aber Kreisbewegungen daraus gemacht. Und viel später schreibst du dann, es wären achterbewegungen. Ich weiß gerade gar nicht mehr was ichbmir vorstellen soll..

    1. Liebe Sara,
      oh je, verwirrend wollte ich dich nicht mit meinem Beitrag, ich möchte meinen Lesern mit meinen Texten doch eigentlich ein bisschen helfen.
      Ich versuche es nochmal zu erklären.
      Also: Angefangen habe ich mit Trockenübungen am Boden, um mich mit meinem Becken und der imaginären Kugel vertraut zu machen. Dabei habe ich immer wieder getestet, wie sich die Kugel verhält, wenn ich mein Becken bewege. Kippe ich es nach vorne, rollt die Kugel nach vorne, kippe ich es nach hinten, rollt sie nach hinten. Ziel war es, die Kugel unterhalb der Wirbelsäule, in meinem „Zentrum der Schwerkraft“ einzulochen. Wenn du dein Becken ein paar Mal kippst, merkst du, wo sich diese Stelle befindet.
      Auf dem Pferd wird es genau so gemacht. Du setzt dich in den Sattel und schaust, dass du durch ein nach vorne und nach hinten kippen deines Beckens genau die Stelle findest, wo die Kugel hingehört. Dort „lochst“ du sie ein. Du wirst merken, dass du viel zentrierter und mehr im Schwerpunkt sitzt. Wichtig hierbei ist, dass du aufgerichtet sitzt und dein Rücken gerade ist. Andernfalls wirst du die Kugel nicht richtig einlochen können.
      Ist die Kugel drin, darfst du aber nicht steif sitzen bleiben. Im Gegenteil. Du musst mit dem Becken den Bewegungen deines Pferdes folgen und immer wieder nachspüren, ob die Kugel noch an der richtigen Stelle ist und du im Schwerpunkt sitzt oder ob du vielleicht nach vorne, zur Seite oder nach hinten gekippt bist und dich wieder neu ausbalancieren musst.
      Ich weiß leider nicht, wo du die Kreisbewegungen findest. Meinst du den Satz „nachdem die Kugel ein paar Runden in meinem Becken gedreht hat“? Hier meine ich nicht, dass ich das Becken habe kreisen lassen, sondern dass ich die Kugel in meinem Becken bewegt habe. Allerdings (das ist jetzt ein Zusatz für dich und steht nicht im Text) könntest du sie natürlich auch kreisen lassen, wenn du die Stelle zum Einlochen nicht findest. Bist du zum Beispiel im Becken total schief und eine Seite steht höher als die andere, dann kannst du deine Mitte nur finden, wenn du die beiden Seiten des Beckens in eine Linie bringst und hierbei kann es dir sicherlich helfen, Kreisbewegungen zu machen und die Kugel nach vorne, zur Seite und nach hinten rollen zu lassen.
      Wenn du weißt, wie du dich zentrierst, damit du im Gleichgewicht bist, kannst du die Kugel (also dein Becken) bewusst einsetzen und mit ihr arbeiten. Das ist die Sache mit der Acht, die mir eine Leserin empfohlen hat. Sie nutzt die Kugel ganz bewusst, indem sie eine Acht in ihrem Becken rollen lässt und durch das Tempo, mit dem sie die Kugel rollt, das Tempo ihres Pferdes bestimmt. Dein Becken macht automatisch eine Acht, wenn du locker bist und die Bewegungen deines Pferdes zulässt. Die Kugel soll dich ja nicht davon abhalten, locker zu sitzen und die Bewegungen deines Pferdes zuzulassen. Sie hilft dir dabei, im Gleichgewicht auf dem Pferd zu sitzen und dein Becken besser einzusetzen. Dazu kannst du hier mehr lesen: https://360gradpferd.de/becken-mitschwingen/ Ich mache es übrigens ganz ähnlich. Ich stelle mir nicht vor, dass ich die Kugel in unterschiedlichem Tempo wie eine Acht durch mein Becken rollen lasse. Ich stelle mir verschieden große Achten vor, die mein Becken macht. Eine große Acht führt zu längeren Schritten, eine kleine Acht lässt mein Pferd langsamer werden und hilft beim Versammeln.
      Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen mit meiner Antwort? Falls nicht, dann frag einfach weiter. 🙂
      Viele Grüße
      Karo

  7. Pingback: Der Sitz - Das Becken als Bewegungszentrum - IndigoPferd

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