Rezension Neuroathletik für Reiter

Rezension Neuroathletik für Reiter

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Beim Sensomotoriktraining arbeite ich mit dem Pferdegehirn. Denn im Gehirn werden wahrgenommene Reize verarbeitet und es kommt zu einem motorischen Output. Was ich als Sensomotoriktraining bezeichne, ist auch unter vielen anderen Begrifflichkeiten bekannt. Meistens variiert der Schwerpunkt ein wenig. Im Profi-Sport ist es unter dem Namen Neuroathletik bekannt – hier liegt der Fokus allerdings mehr auf der sportlichen Leistungsfähigkeit. Auch für Reiter gibt es ein entsprechendes Programm mit Übungen, die gezielt die Fähigkeiten, die wir als Reiter mitbringen müssen, verbessert: Neuro-Riding.

Das Neuro-Rider-Trainingsprogramm wurde entwickelt von Marc Nölke, einem ehemaligen Skispringer, der aus einer Pferdefamilie kommt und daher eine große Affinität zum Reitsport besitzt. Doch nicht nur aus diesem Grund hat er ein Neuro-Riding-Programm entwickelt. Zu Beginn seines Buches Neuroathletik für Reiter, das Anfang 2022 im Kosmos-Verlag erschienen ist, schreibt er etwas über den Reitsport bzw. über uns Reiter, das bekannt ist aber nicht verändert wird: „Reiter gehören zur Risikogruppe unter den Sportlern. Wie Rugbyspieler, Abfahrtsskiläufer, Motorrad- und Autorennfahrer. Aber weißt du, wie fit diese Sportler sind? Und wie hart sie trainieren? Deshalb erholen sie sich meist wieder recht gut. Reiter nicht. Reiter leiden lange. Und die meisten Reiter wissen nichts von ihren möglichen Spätfolgen.“

Eine Aussage, die sitzt.

Während meiner Ausbildung zum Physio-Riding®-Coach (2019-2021) habe ich mich viel mit dem Zusammenhang von Reiterfitness, Reitersitz und Pferdegesundheit beschäftigt und ich bin damals zu dem Entschluss gekommen, dass ich nicht mehr reiten kann, weil ich einfach nicht fit genug bin und mein Pferd viel zu sehr negativ beeinträchtige. Das ist auch der Grund, warum die Bodenarbeit für mich so einen hohen Stellenwert hat.

Mittlerweile reite ich wieder – auch, weil mein Pferd mir deutlich gesagt hat, dass es das möchte. Aber immer wieder hadere ich an mir. Und aus diesem Grund hat mich der Satz von Marc Nölke so stark getriggert.

Stabiler sitzen und feiner Reiten dank eines besseren Körpergefühls

Doch es geht nicht nur um die körperliche Fitness in seinem Buch, es geht vor allem auch um das Zusammenspiel von Nervensystem und Gehirn. Je besser dies funktioniert, desto sicherer und stabiler sitzen wir am Ende auf unseren Pferden und desto feiner können wir reiten.

Das Gehirn hat vor allem eine Aufgabe: das Überleben sichern. Und entsprechend entscheidet es, ob eine Bewegung sicher ist – oder nicht. Die meisten Impulse, die das Gehirn sendet, dienen daher auch der Stabilisierung einer Bewegung. Entscheidet das Gehirn, dass eine Bewegung unsicher sein kann, tritt es auf die Bremse und drosselt zum Beispiel die erforderliche Kraft, um die Bewegung ausführen zu können.

Marc Nölke hat gezielte Übungen entwickelt, er nennt sie Neuro-Rider-Moves, mit denen sich Körpergefühl, Sehvermögen, Gleichgewicht und Atmung verbessern und die Bremse des Gehirns lösen lassen – Aspekte, die jeder Reiter braucht. Sein neurozentriertes Trainingssystem und seine Übungen lehrt er nicht nur live auf Kursen, er bildet auch Neuro-Rider-Coaches aus und hat ein buntes Portfolio im Buch Neuroathletik für Reiter veröffentlicht. Darin erläutert er zunächst die theoretischen Grundlagen hinter seinem Programm, gibt dir verschiedene Tests an die Hand und stellt für die unterschiedlichen Sinnessysteme konkrete Übungen vor.

Neuroathletik für Reiter Neuroriding

Was ich an dem Buch Neuroathletik für Reiter mag

Was mir an dem Buch am besten gefällt ist der lockere Schreibstil des Autors. Ich habe in den vergangenen Jahren mehrere Bücher und Aufsätze zum Thema Neuroathletik, Sensomotorik usw. gelesen. Die einen schaffen es, das Thema so rüberzubringen, dass man Lust darauf hat. Bei anderen klingt es kompliziert und abstrakt und schreckt eher ab – Marc Nölke gehört hier definitiv nicht dazu.

Was mir ebenfalls sehr gut gefällt ist, dass der Autor dem Leser Mut macht. So schreibt er beispielsweise zur Übung Blickstabilisierung auf 9 Punkte: „Die Aufgabe erscheint sehr einfach, neurologisch ist sie aber recht komplex. Blickstabilisierungen sind isometrisches Training für unsere Augenmuskeln. Sie trainieren unser mittleres Kleinhirn und unsere Fähigkeit, ablenkende Reize zu ignorieren […].“ Sowas mag ich und so arbeite ich selbst auch. Ich erkläre Pferdebesitzern regelmäßig, dass diese vermeintlich leichten und nach nichts aussehenden Übungen anstrengend für ihre Pferde sein können – nicht so sehr körperlich, vielmehr aber mental. Wenn ich weiß, dass es schwer ist, obwohl es nach nichts aussieht, nimmt es mir den Druck. Mir selbst, wenn ich eine Übung ausführe, und dir, wenn du weißt, dein Pferd muss es (noch) nicht können.

Fazit

Mit seinem Buch Neuroathletik für Reiter. Das Neuro-Rider-Trainingsprogramm öffnet Autor Marc Nölke das nischige und gleichzeitig wahnsinnig spannende Thema für die „breite Masse“. Mit seinen nachvollziehbaren bildhaften Beschreibungen, seinen Tests, die jeder zu Hause durchführen kann, und den verschiedenen Übungen, die er für das Training der Sinnessysteme zusammengestellt hat, ist ein Buch entstanden, von dem jeder Leser profitieren kann – nicht nur beim Reiten, sondern auch im Alltag. Denn, so schreibt Marc Nölke: „[…] neben den direkten Effekten beim Reiten können auch ganz andere Wirkungen durch das Neuro-Rider-Training auftreten. Ich nenne sie die KDS-Effekte. Weil meine Klienten und Absolventen von Seminaren immer wieder Kann das sein-Fragen stellen. Zum Beispiel ‚Ich habe zum ersten Mal wieder eine Nacht durchgeschlafen […]‘, ‚Ich bin irgendwie viel konzentrierter bei der Arbeit‘, ‚Ich habe das Gefühl, dass ich viel klarer denken kann‘, ‚Ich habe gar keine emotionalen Ausbrüche mehr‘ […]“

Ebenfalls positiv hervorzuheben ist die crossmediale Verknüpfung: Über die Kosmos-App kannst du dir nämlich verschiedene Filme und Übungen ansehen.

Von mir gibt es für das Buch eine klare Leseempfehlung. Und wenn du mit deinem Pferd parallel trainieren möchtest, findest du bei mir Ideen für das Sensomotorische Pferdetraining.

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