Darum ist Bodenarbeit mit Pferden toll!

Pferd von hinten im Travers an der Hand

Wenn es um die Arbeit mit dem Pferd geht, denken viele primär ans Reiten. Das finde ich seltsam. Ich zum Beispiel bin ein riesiger Fan von Bodenarbeit. Und meine Begeisterung versuche ich mit meinen Reitschülern und Kunden zu teilen. Vielleicht kann ich mit diesem Text ja auch dich überzeugen.

Bodenarbeit ist alles andere als langweilig!

Ein Gerücht, dass sich hartnäckig unter den Reitern hält: Bodenarbeit ist langweilig.

Woher dieses Gerücht kommt, das weiß ich nicht. Ich habe verschiedene Vermutungen.

Zum einen denke ich, dass es daran liegt, dass sich viele gar nicht genau vorstellen können, wie vielfältig diese Form des Trainings sein kann.

Zum anderen denke ich, dass vielen die Kommunikation mit ihrem Pferd vom Boden aus schwer fällt. Sitze ich auf seinem Rücken, muss ich weniger mit meinem Körper kommunizieren – natürlich kommuniziere ich auch über meinen Sitz, ich habe jedoch auch die Zügel. Vom Boden aus findet eine ganz andere Kommunikation statt. Man muss seinen Körper anders und vor allem bewusst einsetzen. Und das fällt vielen schwer.

Bodenarbeit mit dem Pferd ist einfach toll und jeder sollte sein Pferd viel häufiger vom Boden aus arbeiten
Ich behaupte: Bodenarbeit ist alles andere als langweilig.

Ich schätze die Bodenarbeit aus verschiedenen Gründen

  • Bodenarbeit bringt Abwechslung in den Trainingsalltag.
  • Bodenarbeit fordert unsere Kreativität heraus.
  • Bodenarbeit umfasst nahezu alles, was nicht auf dem Pferderücken stattfindet: Longieren, Handzügelarbeit, Freiarbeit, Clickertraining und Zirzensik. Selbst Spazierengehen ist Bodenarbeit.
  • Bodenarbeit stärkt die Persönlichkeit.
  • Bodenarbeit verbessert die Pferde-Mensch-Kommunikation.
  • Bodenarbeit stärkt die Bindung zwischen mir und meinem Pferd.

Bodenarbeit ist die Basis für alles

Die gesamte Pferdeausbildung baut auf der Bodenarbeit auf. So sind Führen und Anhalten zum Beispiel elementare Bestandteile der Pferdeausbildung. Für ein Pferd mag Schrittgehen und Anhalten vielleicht körperlich nicht anstrengend sein. Für den Kopf eines Jungpferdes ist es das aber allemal.

Als mein Wallach damals vierjährig zu mir kam, kannte er quasi noch nichts. Fast ein Jahr lang stand bei uns nur Bodenarbeit an. Dann erst kamen Sattel und Reiter. Spielerisch haben wir uns der Reitpferdewelt genähert. Ob Führtraining, Schrecktraining, longieren oder Spaziergänge – unser Trainingsplan war mindestens so abwechslungsreich wie unser Trainingsplan heute. Langeweile? Fehlanzeige.

Durch die vorbereitende Bodenarbeit ist die Beziehung zwischen meinem Jungpferd und mir gewachsen und stetig enger geworden. Wir haben uns auf Augenhöhe kennengelernt und haben entdeckt, dass wir einander vertrauen können. So gab es auch später beim Einreiten nie Probleme. Er kannte das meiste nämlich schon. Er wusste, er braucht keine Angst haben. Und er wusste, dass es angenehm sein kann, die Zeit mit mir zu verbringen. Probleme beim Einfangen oder Führen haben wir bis heute nicht gehabt.

Diesen Weg gehe ich auch mit meinen Kunden und ihren Pferden. Ich unterstütze sie dabei, ihren Pferden auf Augenhöhe zu begegnen und sie vom Boden aus ausreichend auf ihren Job als späteres Reitpferd vorzubereiten.

Onlinekurs Grundlagen der Bodenarbeit PDF Selbstlernkurs für Pferdebesitzer
In meinem Onlinekurs „Grundlagen der Bodenarbeit“, einem PDF-Selbstlernkurs, zeige ich dir Schritt für Schritt die Basics der Bodenarbeit und beweise dir, wie abwechslungsreich und kreativ Bodenarbeit sein kann

Bodenarbeit: Gymnastizieren ohne Störfaktor

Vom Boden aus können wir unser Pferd aber nicht nur auf das Reiten selbst vorbereitet, wir können vom Boden aus auch unser Reiten selbst verfeinern. Stellung und Biegung, Vorwärts, Rückwärts, Seitwärts – alles ist möglich. Der Vorteil dabei ist, dass das Pferd kein zusätzliches Reitergewicht trägt, keinen Reiter auf dem Rücken hat, der Balance und Gleichgewicht stört und der durch das eigene Anspannen verhindert, dass das Pferd gelöst und locker laufen kann. (Mehr darüber kannst du hier nachlesen)

Ich gehöre zu den Reitern, die sich schnell festmachen. Damit blockiere ich mein Pferd und verhindere, dass es locker und losgelassen laufen kann. Das passiert am Boden nicht.

Lernen durch Beobachten

Ein weiterer ganz großer Vorteil, den ich an der Bodenarbeit schätze: Ich sehe, wie mein Pferd sich bewegt.

Ein Pferd mit gutem Körpergefühl bei der Handzügelarbeit
Ein Pferd mit gutem Körpergefühl bei der Handzügelarbeit

Ich sehe, ob es gerade und spurig läuft, ob es seine Hinterhand aktiv nutzt und ob es seinen Rücken locker schwingen lässt. Ich sehe, wie meine Hilfen ankommen und wie mein Pferd reagiert. Allein durch das Beobachten lerne ich ganz viel über mein Pferd. (In meinem eBook Rückenkurs für Pferde zeige ich dir, wie du das Rückentraining in den Alltag mit deinem Pferd einbinden kannst.)

Gleichzeitig lerne ich durch die Bodenarbeit aber auch viel über mich und für mich. Ich erfahre, wie ich auf mein Pferd wirke. Trete ich zu dominant auf oder bin schlecht drauf, dann weicht es von mir. Bin ich eine kleine graue Maus, dann nimmt es mich nicht ernst.

Durch regelmäßige Bodenarbeit lernst du, deinen Körper als Kommunikationsmittel viel bewusster einzusetzen. So kannst du viel klarer und auch feiner mit deinem Pferd kommunizieren. Durch diese feine Kommunikation und das Vertrauen, das dabei aufgebaut wird, wird es möglich, Probleme zu lösen, die unlösbar scheinen, beispielsweise wenn ein Pferd klebt.

Außerdem kann ich mithilfe von Bodenarbeit ganz toll Muskeln aufbauen. Darüber habe ich hier sehr ausführlich geschrieben.

Was ich aber am meisten an der Bodenarbeit schätze ist, dass sie den allermeisten Pferden ganz viel Spaß macht (zumindest dann, wenn auch der Mensch mit Freude dabei ist). Vor allem zirzensischen Übungen wie das Podest-Training aber auch die Handzügelarbeit liebt mein Pony sehr. Seit einiger Zeit haben wir auch das Intrinzen-Training (insbesondere die Crunches) in das Training integriert, was nochmal einen ganz neuen Impuls für unser Miteinander gibt.

Lesetipp: Auch Pfridolin Pferd weiß Bodenarbeit zu schätzen – mehr dazu gibts hier zu lesen.

Möchtest auch du verstärkt die Bodenarbeit in dein Training integrieren aber dir fehlen die Ideen? Dann melde dich gern bei mir und vereinbare einen Termin. Rund um 21244 Buchholz/südliches Hamburg bin ich als Pferdetrainerin mit dem Schwerpunkt gesunderhaltenes Pferdetraining und als Pferdeergotherapeutin unterwegs. Schreib mir gern auch, wenn du von weiter weg kommst, häufig sind Trainingstouren möglich. (Mehr zu meinem Angebot)

Und nun bin ich gespannt auf deine Meinung: Machst du gerne Bodenarbeit oder findet du sie eher langweilig? Was machst du an Bodenarbeit? Welche Tipps hast du für andere Reiter? Schreib mir gern einen Kommentar!

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Du möchtest mit der Bodenarbeit starten und weißt nicht wie? Mit meinem Onlinekurs „Grundlagen der Bodenarbeit“ möchte ich dich dabei unterstützen

2 Idee über “Darum ist Bodenarbeit mit Pferden toll!

  1. Silke Bischoff sagt:

    Liebe Karo, toll geschrieben. Ich mache sehr sehr gerne Bodenarbeit und das Reiten fehlt mir überhaupt nicht – habe zwei Shettys 😉 Freue mich auf die nächsten Teile zu dem Thema. Viele Grüße Silke

  2. Pferdeflüsterei sagt:

    Liebe Karo, ein wunderschöner Artikel und ich freue mich jetzt schon auf die Serie. Ich bin ja auch ein Riesenfan von Bodenarbeit und kann so gar nicht verstehen, warum sie nicht ein Musthave für alle Reiter in der Pferdewelt ist. Sie kann so viel für uns und unser Pferd und unsere Pferd-Mensch-Beziehung zu tun. Und warum soll ich dem Pferd eigentlich immer erst alles von „oben“ erklären? Das habe ich noch nie verstanden 🙂 Bis zum nächsten Teil und alles Liebe, Petra

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