Propriozeptives Pferdetraining: Was steckt dahinter und für welche Pferde ist es geeignet?

Sinn und Nutzen von Propriozeptivem Pferdetraining

Seit einiger Zeit hörst und liest du vielleicht immer wieder vom propriozeptiven Pferdetraining. Auch ich benutze diese Begrifflichkeit regelmäßig, denn ich biete meinen Kunden Kurse und Unterrichtseinheiten mit Schwerpunkt propriozeptives Training an. Weil viele mit dieser Bezeichnung aber gar nichts anfangen können, möchte ich mit diesem Beitrag erzählen, was propriozeptives Pferdetraining für mich bedeutet und warum ich es so großartig finde, dass ich es auch aktiv anbiete.

Beim Propriozeptiven Pferdetraining geht es darum, die Propriozeptoren des Pferdes anzusprechen und so unter anderem die Bewegungsqualität und die Balance deines Pferdes zu verbessern.

Propriozeptoren sind sensorische Nervenzellen, die auf Reize reagieren, die aus dem Körper selbst kommen (proprius = eigen). Diese Reize sind zum Beispiel die Länge des Muskels (Dehnung) oder der Muskeltonus. Mit ihrer Hilfe nimmt dein Pferd Stellung und Bewegung des Körpers im Raum wahr, denn die Propriozeptoren informieren das Gehirn zum Beispiel über die Stellung von Gelenken (um ein Gelenk bewegen zu können, muss sich schließlich ein Muskel zusammenziehen). Hier habe ich ausführlich über den Basissinn propriozeptives System geschrieben.

Und genau diese sensorischen Nervenzellen sprechen wir beim Propriozeptiven Pferdetraining an.

Natürlich kannst du die Propriozeptoren nicht nicht ansprechen. Jede Haltung, jede Bewegung deines Pferdes löst schließlich einen Reiz aus, der wahrgenommen wird.

Allerdings ist es so, dass die Propriozeptoren möglichst viele unterschiedliche Bewegungsreize brauchen. Lebt dein Pferd in einer Box und wird immer nur in einer plangezogenen Halle geritten, wird es auf einem unebenen Waldweg sicherlich zu stolpern beginnen, weil sein Körper schlichtweg „überfordert“ ist, auf diese Reize adäquat zu reagieren. Das ist jetzt natürlich ganz vereinfach gesagt und soll dir nur eine Idee davon geben, warum es sich lohnt, die Propriozeptoren zu trainieren.

Propriozeptives Pferdetraining: Was steckt dahinter und warum ist so effektiv und sinnvoll?

Sinn und Nutzen von propriozeptivem Pferdetraining

Mithilfe der Propriozeptoren ist es deinem Pferd möglich, seine Muskeln gezielt einzusetzen. Dies ist wichtig, weil mehrere Muskeln zusammenarbeiten um eine Bewegung auszuführen und ein Gelenk zu stabilisieren. Stand dein Pferd verletzungsbedingt sollte das propriozeptive Training sogar noch vor dem eigentlichen Muskelaufbautraining stehen, weil nur dann ein exaktes Zusammenspiel der Muskeln möglich und ausreichend Gelenkstabilität gegeben ist, die die Gefahr einer erneuten Verletzung verringert.

Doch auch unabhängig davon kann dein Pferd von Übungen, die schwerpunktmäßig sein propriozeptives System ansprechen, enorm profitieren. Diese Form des Trainings kann unter anderem

  • Die Bewegungsqualität verbessern
  • Zu mehr Balance und Trittsicherheit führen
  • Den Rumpf stabilisieren (Bauch- und Rückenmuskeln stärken)
  • Die Körperwahrnehmung deines Pferdes verbessern
  • Zu mehr Motivation und Bewegungsfreude führen

Beim letzten Punkt Motivation und Bewegungsfreude muss ich jedoch ergänzen, dass dies abhängig ist, wie du das propriozeptive Pferdetraining einsetzt und wie du dein Pferd trainierst – ob mit Zwang und Druck oder mit positiver Verstärkung, Spaß und Motivation.

Hier siehst du mein eigenes Pferd mit „seiner“ Turnmatte, die es mittlerweile heiß und innig liebt. Du siehst, wie sich sein Körper verändert, wenn er auf die verkleinerte instabile Matte tritt. Er muss sich dabei ausbalancieren, seinen Rumpf stabilisieren, seine Hufe gezielt platzieren und vieles mehr.

Auf diese spielerische Art und Weise unterstütze ich mein Pferd vom Boden aus dabei seinen Körper so zu trainieren, dass er mich als Reiter gesund tragen kann. Wir trainieren Dinge wie die Versammlungsfähigkeit, also das Abkippen des Beckens und das Anheben des Widerrists bzw. das Aufwölben des Rückens, die Verlagerung des Körperschwerpunktes usw.

Außerdem liefern wir den Propriozeptoren des Pferdes also jede Menge Input – und je mehr Input sie erhalten, desto besser kann das Pferd seine eigene Körperstellung und Bewegung wahrnehmen.

Für welche Pferde ist das propriozeptive Training geeignet?

Diese Frage habe ich im Grunde schon beantwortet: Für alle Pferde!

Junge Pferde können spielerisch ihr Körpergefühl verbessern und ihre Muskeln stärken, ehe sie geritten werden. Gleiches gilt für alte Pferde, die nicht mehr oder nur selten geritten werden.

Bei verletzten Pferden bzw. Pferden in der Rekonvaleszenz hilft diese Form des Trainings dabei, das Zusammenspiel der Muskeln zu verbessern um die erforderliche Gelenkstabilität zu gewährleisten und ein erneutes Verletzungsrisiko zu gering wie möglich zu halten.

Gesunde Pferde können ihre Bewegungen verbessern und mit diesem kreativen Training noch einmal anders herausgefordert und beschäftigt werden.

Ist spezielles Equipment erforderlich?

Um den Propriozeptoren deines Pferdes möglichst unterschiedliche Bewegungsreize anbieten zu können, brauchst du nicht unbedingt einen Haufen an Equipment. Gehst du mit deinem Pferd im Wald spazieren, lässt es über Wurzeln steigen, von Sand- auf Schotter- und Graswege wechseln und Hügel hochkraxeln, brauchst du sogar gar kein Equipment.

Hier siehst du ein weiteres Beispiel, für das du kein Equpment außer vielleicht einen Clicker und ein paar Pferdekekse brauchst. Bei uns heißt die Übung „Nase“.

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Wer hat dich 2019 inspiriert? 🐴 Wenn ein Jahr zu Ende geht, steht bei mir seit vielen, vielen Jahren schon ein Jahresrückblick an. Ich reflektiere jeden Monat: Was war los? Was war gut, was war schlecht? So sehe ich, wie ich mich weiterentwickelt habe und was dazu geführt hat, dass ich heute die bin, die ich vor einem Jahr noch nicht war. 2019 war für mich ein unglaubliches Jahr, das mich persönlich sehr verändert hat. Und auch im Training mit meinem Pferd ist einiges anders als noch vor einem Jahr. Neben meinem Wissen aus der Pfergo-Ausbildung ist und dem Physio Riding ist die größte Veränderung: Ich trainiere mittlerweile fast immer mit dem Clicker. Das war vor einem Jahr noch nicht so. Inspiriert hat mich in diesem Jahr vor allem Ruth von @team.shettysport und @pfergo_akademie mit ihrem Clickerpony. Sie hat dafür gesorgt, dass ich mich noch einmal viel intensiver mit dem Thema und den tollen Chancen dieser Trainingsform auseinandergesetzt und sie neu für uns entdeckt habe. Ebenfalls inspiriert hat mich dann natürlich meine wunderbare Trainerin @sabine.theissen Ihr Ansatz für die Arbeit mit dem Pferd unter dem Sattel und mein Ansatz der Bodenarbeit ergänzen sich ganz wunderbar und Sleipi hat sich körperlich wirklich toll entwickelt! Und zum Schluss wurde ich #intrinzeninspired und einige „Übungen“, insbesondere die Crunches, sind bei uns nicht mehr wegzudenken. Wer hat dich 2019 am meisten inspiriert und verändert und warum? #360gradpferd #icelandichorses #islandpferdeliebe #islandpferde #kreativebodenarbeit #bodenarbeit #bodenarbeitistliebe #pferdemädchen #pferdeliebe #ponyliebe #fairzumpferd #pferdegerecht #horseylove #clickertraining #clickertraininghorses #herzenspferd

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Ansonsten reichen ein paar (bruch- und splitterfeste) Stangen (die du dir im Zweifelsfall sogar ganz leicht selbst bauen kannst) und vielleicht noch ein instabiler Untergrund wie Balance Pads oder eine Turnmatte. Mit letzterem bietest Bewegungsreize, die dein Pferd standardmäßig wenig erfährt und förderst nicht nur das propriozeptive System und stärkst die Tiefenmuskulatur, sondern du stärkst auch den Gleichgewichtssinn deines Pferds. Über das Training speziell mit Balance Pads findest du hier weitere Informationen und hier liest du, warum ich das Training mit instabilen Untergründen liebe.

Du hast Lust bekommen, das propriozeptive Pferdetraining selbst auszuprobieren?

Wenn du nun auch Lust bekommen hast auf propriozeptives Pferdetraining, dann komm ich gern für eine Trainingseinheit, einen Workshop oder einen Tageskurs zu dir an den Stall und zeige dir, wie dein Pferd kreativ und abwechslungsreich vom Boden aus trainieren und seine Körperwahrnehmung verbessern kannst. Schick mir gern eine E-Mail an info@360gradpferd.de. Weitere Infos zu meinem Angebot findest du hier.

Alternativ findest du auch Trainingsideen in meinem eBook Pferdetraining mit instabilen Untergründen und in meinem Onlinekurs „Mehr Balance mit kreativer Bodenarbeit“.

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