Pferdetraining mit Balance Pads

ferdetraining mit Balance Pads

Balance Pads im Pferdetraining scheinen derzeit total in zu sein. Zumindest suggerieren das die sozialen Netzwerke, in denen immer wieder Fotos von Pferden gepostet werden, die auf Balance Pads stehen. Vielleicht hast auch du schon einmal darüber nachgedacht, Balance Pads für dein Pferd zu kaufen. Doch weißt du auch, wie sie auf dein Pferd wirken? Denn obwohl Balance Pads mittlerweile für viele scheinbar zur Standardausrüstung zählen, sind sie eigentlich ein Therapiemittel.

Balance Pads sind beweglich Pads aus festem Schaumstoff, die im Humanbereich häufig zur Stabilisierung von Knie- und Sprunggelenken eingesetzt werden.

Welche Wirkung haben Balance Pads beim Pferd?

Balance Pads bieten dem Pferd einen instabilen Untergrund und sprechen somit sehr gut das propriozeptive System an.

Das propriozeptive System ist die Eigenwahrnehmung oder auch Tiefenwahrnehmung.

Überall in den Gelenken, Bändern, Sehnen und Muskeln befinden sich sogenannten Propriozeptoren. Hierbei handelt es sich um Sensoren und Rezeptoren, das heißt um sensorische Nervenzellen, die zum Beispiel auf Druck, Dehnung oder Verformung reagieren und das zentrale Nervensystem über Körperbewegung und Körperlage im Raum und den IST-Zustand (Position und Aktivität) von Muskeln, Sehnen und Gelenken informieren.  Weitere Informationen dazu findest du in meinem ausführlichen Artikel über das propriozeptive System.

Die meisten Propriozeptoren befinden sich in den tiefen Muskeln in Skelettnähe, insbesondere in der Nähe der Wirbelsäule. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, das Pferd im Rahmen des Propriozeptionstrainings über verschiedene Untergründe zu führen oder zu reiten. Dazu gehören auch die Balance Pads.

Das Stehen auf den Balance Pads spricht die Tiefenmuskulatur an und aktiviert sie und liefert den Pferden darüber hinaus sehr viel nervalen Input. Durch die permanente Destabilisierung durch den instabilen Untergrund muss der Körper sich immer wieder neu ausbalancieren, um sein Gleichgewicht zu halten. Dabei wird der Rumpf des Pferdes gestärkt, weil Bauch- und Rückenmuskeln arbeiten müssen. Dies ist insbesondere für ungeübte Pferde am Anfang wirklich schwer.

Steht ein Pferd auf Balance Pads, kannst du den Pferdekörper arbeiten sehen. Viele Pferde schwanken zum Beispiel, wenn sie das erste Mal auf vier Pads gleichzeitig stehen. Hierbei handelt es sich um Equilibriumsreaktionen:  teilweise unsichtbare Spannungsveränderungen der Muskulatur, um kleinste Gewichtsverlagerungen wie sie beispielsweise durch die Atmung oder Kopfbewegungen entstehen und die zu einem Ungleichgewicht führen können, auszugleichen. Dies läuft ganz automatisch ab und ist vom Pferd nicht steuerbar. Dabei entstehen aber neue Verknüpfungen im Gehirn und je öfter ein Pferd auf die Balance Pads steigt, desto weniger stark wird die Equilibriumsreaktion, weil der Körper um die Instabilität weiß und seinen Muskeltonus entsprechend anpasst.

Auch können Balance Pads das Bewusstsein für einzelne Körperteile deines Pferdes verbessern. Stellst du es beispielsweise nur mit der Hinterhand drauf, kannst du es auf diese Weise unterstützen, die Hinterhand besser wahrzunehmen.

Um das Bewusstsein für die Hinterhand zu verbessern, kann man auch nur die Hinterbeine auf Balance Pads stellen

Durch das Bewusstwerden der Tiefenmuskulatur kann es den Pferden außerdem leichter fallen, verspannte Rückenmuskeln wieder loszulassen und zu entspannen. Pferde zeigen eine entspannende Wirkung der Balance Pads beispielsweise durch Kauen, Gähnen oder Schnauben. Einige Pferde verlagern sogar ganz bewusst ihr Gewicht und die Vermutung liegt nahe, dass dies zu einer bewussten Entspannung führt. Darüber schreibt Miri von MeinFaible ausführlich in ihrem Beitrag Pferdeyoga mit den Balance Pads.

Nicht unterschätzen: Training mit Balance Pads ist anstrengend

Ganz wichtig ist, dass du das Training mit den Balance Pads nicht unterschätzt. Du solltest immer im Kopf behalten, dass Balance Pads ein Therapiemittel sind und als solche solltest du sie betrachten. Sie stehen in keinem Zusammenhang mit Tricktraining oder Zirkuslektionen.

Deswegen solltest du dein Pferd möglichst nicht im Zusammenhang mit den Balance Pads clickern. Denn die jeweilige Trainingsdauer richtet sich individuell nach deinem Pferd und seinen körperlichen Voraussetzungen. Bei einigen Pferden reicht es vollkommen aus, wenn sie anfangs mit einem Huf eine halbe Minute auf einem Pad stehen und du die Dauer und die Anzahl der Pads nach und nach erhöhst. Clickerst du dein Pferd, bleibt es womöglich länger als gut wäre darauf stehen, weil es auf den nächsten Keks hofft.

Ich lege außerdem großen Wert darauf, dass die Pferde, die auf die Balance Pads gestellt werden, aufgewärmt sind und zumindest ein paar Runden Schritt gegangen sind. Denn, wie ich oben geschrieben habe, siehst du die Muskeln deines Pferdes ordentlich arbeiten und deswegen ist das Aufwärmen in meinen Augen absolut wichtig!

Auch solltest du IMMER auf die Reaktion deines Pferdes achten: Wie steht es um den Muskeltonus deines Pferdes? Was sagt sein Gesicht? Ist es entspannt oder ist es ihm unangenehm, auf den Pads zu stehen?

In meinem Onlinkurs lernst du, wie du mit propriozeptiven Training nicht nur den Rumpf deines Pferdes stabilisierst, sondern auch Koordination, Balance und Körpergefühl stärkst
In meinem Onlinkurs lernst du, wie du mit propriozeptiven Training nicht nur den Rumpf deines Pferdes stabilisierst, sondern auch Koordination, Balance und Körpergefühl stärkst

Balance Pads sind nicht ausnahmslos für jedes Pferd gut

Am besten sprichst du dich mit dem Pfergo oder Pferdephysio deines Vertrauen ab, wenn du Balance Pads in dein Training einbinden möchtest. Denn nicht für jedes Pferd sind Balance Pads geeignet. Bei akuten Verletzungen, nach frischen Operationen oder anderen akuten Entzündungsprozessen wie Arthrose solltest du sie keinesfalls benutzen. Und auch bei hypermobilen Pferden solltest du nicht einfach drauflostherapieren.

Es geht nicht darum, welches Pferd am längsten darauf stehen kann

Es geht auch niemals darum, dass dein Pferd möglichst lange auf den Pads stehen kann oder sich sofort auf alle vier Pads stellt. Es geht auch nicht darum, dass sich dein Pferd auf den Pads gleich entspannt.

Es geht darum, dass dein Pferd überhaupt einen Huf auf ein Balance Pad setzt und dabei seinen Körper anders wahrnimmt.

Deswegen solltest du ihm das Tempo gewähren, dass es braucht. Hat dein Pferd beispielsweise Probleme im propriozeptiven System oder mit dem Gleichgewichtssinn, kann es sein, dass es wesentlich länger braucht, um dein Ziel, auf Balance Pads zu stehen, überhaupt umsetzen kann.

Als Pferdeergotherapeutin würde ich dir in so einem Fall im Rahmen der Therapie Alternativen aufzeigen, die am Ende dazu führen, dass dein Pferd auf den Pads stehen kann und die gleichzeitig seine Basissinne stärken.

Gern unterstütze ich dich und dein Pferd dabei, sein Körpergefühl zu verbessern

Alternative zu Balance Pads

Doch nicht nur Balance Pads eignen sich für das propriozeptive Training mit Pferden, sondern auch andere instabile Untergründe – beispielsweise die grüne Spielmatte aus dem schwedischen Möbelbaus oder Fallschutzmatten. Und es gilt: Je instabiler der Untergrund, desto anspruchsvoller ist es für das Pferd.

Das propriozeptive System beim Pferd lässt sich unter anderem mit verschiedenen instabilen Untergründen fördern
Das propriozeptive System beim Pferd kann unter anderem mit verschiedenen instabilen Untergründen verbessert werden

An dieser Stelle ist mir aber wichtig zu sagen, dass immer gilt: Safety first! Auf mit Luft gefüllte Balancekissen solltest du unbedingt verzichten. Diese können nicht nur zu unberechenbaren Bewegungsausschlägen führen, was negative Auswirkungen auf die beteiligten Gelenke haben kann, sie können auch einfach platzen.

Welche Erfahrung hast du mit Balance Pads gemacht? Schreib mir gern einen Kommentar und erzähl davon.

Hast du Lust bekommen auf eine Trainingseinheit mit Balance Pads?

Dann melde dich bei mir und wir vereinbaren einen Termin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.