Reiten

Warum Reiten mehr als nur Reiten ist

Pferd von hinten

Was bedeutet reiten für dich? Ist es, einfach auf dem Pferd sitzen und sich durch Wald und Wiesen tragen zu lassen? Ist es, einen Springparcous oder Dressurlektionen auf dem Platz oder in der Halle zu absolvieren? Oder ist es gar etwas ganz anderes? 

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Werbung.

Ich lese aktuell das Buch „Pferde in Bewegung“ von Susan E. Harris. (Dieses Buch wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – daher auch der Werbe-Hinweis.) In dem Buch geht es um die Anatomie und Biomechanik von Pferden und darum, wie sehr ein Reiter sein Pferd in den Bewegungen positiv wie negativ beeinflussen kann. Und die ganze Zeit denke ich: Eigentlich muss das, was dort steht, jeder Reiter wissen. Ausnahmslos.

Du findest, ich übertreibe?

Ja. Da magst du Recht haben. Dennoch denke ich, dass ein bisschen mehr Wissen auf Seiten der Reiter vielen Pferden viel Leid ersparen würde.

Früher (als Kind und als Jugendliche) war reiten für mich auch „nur reiten“: Wir hatten nie eine Halle oder einen Platz, deswegen bin ich eigentlich ausschließlich ausgeritten. Alleine oder mit meiner Freundin. Reiten war für mich immer schon mit dem Gefühl von Freiheit verbunden. Ich habe mich einfach wohl gefühlt auf dem Pferderücken. Aber ich habe mir kaum Gedanken gemacht, ob ich mein Pferd gesund reite, welche Wirkung ein bestimmtes Gebiss hat oder ob Hufeisen besser sind als barhuf. Dressur war für mich Schenkelweichen auf dem Weg und ein Zirkel auf der Wiese. An Dinge wie Schulterherein oder Traversalen habe ich im Leben nicht gedacht.  Sowas war nichts für mich als Ponyreiter, das war was für die großen Dressurreiter. An Bodenarbeit dachte ich hingegen schon. Immerhin. Denn wie ich in meinem Beitrag zum Kinderpferd bereits schrieb: Ich war nie in einer klassischen Reitschule und Pferde waren für mich nie nur zum Reiten da.

Doch je älter ich wurde, je länger ich ritt und je mehr Erfahrung ich hatte, desto mehr wollte ich auch wissen. Ich fing an zu lesen und zu lernen, besuchte Reitkurse und nahm Unterricht.

Reiten: auch die Theorie ist wichtig

Mittlerweile ist reiten für mich nicht nur die Freiheit auf dem Rücken meines Pferdes spüren. Oder einfach nur ein Hobby. Mittlerweile ist Reiten für mich ein Lebensinhalt und mit jeder Menge Verantwortung verbunden. Denn ich denke: Wer reiten möchte, muss es nicht nur praktisch lernen, sondern sich auch mit der Theorie beschäftigen.

Warum? Ganz einfach:

  • Nur wenn ich weiß, wie der Körper meines Pferdes funktioniert, kann ich dafür sorgen, dass es mich überhaupt tragen kann.
  • Nur wenn ich weiß, wie sich ein Pferd bewegt, kann ich seine Bewegung verbessern – oder sie zumindest nicht verschlechtern.
  • Nur wenn ich weiß, wie ich mein Pferd mit meinem Sitz beeinflusse, kann ich verstehen, warum es so wichtig ist, an sich selbst zu arbeiten, um sich stetig zu verbessern.

Wenn ich mich aber so umblicke in der Reiterwelt, dann sehe ich, dass viele, viele Reiter sich bisher noch nicht mit der Anatomie und Biomechanik von Pferden auseinandergesetzt haben. (Oder haben sie es getan und es ist ihnen egal?)

Ich sehe Pferde, die viel zu eng ausgebunden sind.

Ich sehe Pferde mit Sperrriemen, die dazu noch viel zu eng verschnallt sind.

Ich sehe Pferde mit strampelnden Beinen und weggedrückten Rücken.

Ich sehe Pferde, mit gewaltigen Unterhälsen.

Ich sehe Pferde, die viel zu eng zusammengestellt werden.

Ich sehe Reiter, die ständig in den Rücken des Pferdes plumpsen.

Ich sehe Reiter, die mit ihrem Sitz die verlangte Bewegung ihres Pferdes verhindern und es gleichzeitig dafür bestrafen, dass es ihrem Wunsch nicht entsprechen kann.

Ich sehe noch so viel mehr. Aber alles aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen.

Versteh mich nicht falsch: Niemand muss perfekt reiten können. Darum geht es mir nicht. Von perfekt bin ich auch sehr, sehr weit entfernt. Es geht mir darum, dass man wissen sollte, was man tut und warum man es tut.

Was mache ich und welche Wirkung hat es?

Nehmen wir das Beispiel der Seitengänge: Habe ich sie früher in die Kategorie „das ist für die Dressurreiter, das ist nichts für mich Ponyreiter“ gepackt, vergeht heute kaum ein Tag, an dem ich sie nicht abfordere. Seitengänge wie Schulterherein, Travers oder Traversale fordern das Pferd zum vermehrten Untertreten, dem Beugen der Hanken und dem Aufwölben des Rückens auf. So nimmt beispielsweise beim Schulterherein das innere Hinterbein vermehrt Last auf und wird gestärkt. Gleichzeitig wird die äußere Schulter frei und die Beweglichkeit der Schulter wird gefördert. Das Pferd biegt sich und dehnt den äußeren Rückenmuskel. Das Schulterherein fördert die Losgelassenheit, die Geraderichtung und die Versammlungsfähigkeit meines Pferdes. Und all dies ist wichtig, damit es überhaupt in der Lage ist, mein Gewicht auf seinem Rücken zu tragen ohne groß Schaden zu nehmen.

Ein weiteres Beispiel: Wenn ich als Reiter nicht an meinem Sitz arbeite, weil ich vielleicht denke es ist nicht so wichtig, da ich eh nur ein Wald- und Wiesenreiter bin, beeinflusse ich die Bewegungsabläufe meines Pferdes negativ und verhindere ebenfalls, dass es mich korrekt tragen kann. Sitze ich beispielsweise (unwissentlich) nach vorne gebeugt, bringe ich mein Pferd zu sehr auf die Vorhand. Presse ich meine Knie zu sehr ans Pferd, blockiere ich im Becken und verhindere, dass mein Pferd losgelöst laufen und den Rücken korrekt aufwölben kann. Reagiert ein Pferd dann nicht so, wie der Reiter es sich wünscht, wird es häufig bestraft. Bestraft, weil es gar nicht anders kann. Bestraft, weil es nicht verstanden hat, was es machen soll, weil die Hilfen des Reiters nicht verständlich waren.

Fair und freundlich sieht anders aus.

Außerdem bin ich der Meinung, dass reiten nicht nur reiten bedeutet und auch gesund reiten nicht alles ist. Steht ein Pferd nämlich die meiste Zeit des Tages in einer Box – und sei es eine Box mit Außenpaddock, der zwar frische Luft bietet aber keinen Platz zum Laufen – ist das entgegen seiner Natur. Pferde sind Lauftiere und darauf sind ihre ganzen Körperfunktionen ausgelegt. Ihr gesamter Organismus, der Kreislauf, die Verdauung und die Atmung, die Muskeln, Sehnen, Bänder und sogar für die Hufe sind auf ausreichend Bewegung angewiesen, um gesund funktionieren zu können. (Mehr dazu kannst du in meinem Beitrag zur artgerechten Pferdehaltung lesen.)

Zurück zum Reiten: Pferde kosten Geld und nicht jeder Reiter kann sich regelmäßigen Unterricht bei einem guten Trainer leisten. Doch selbst unregelmäßige Reitstunden zahlen sich aus und tragen zur Gesunderhaltung des Pferdes bei. Und ein, zwei gute Fachbücher, die entsprechendes Grundwissen liefern, sollte auch jeder Pferdebesitzer im Schrank stehen haben. (Am Ende des Beitrags empfehle ich dir noch ein paar Bücher, die auch in meinem Bücherregal stehen und die ich selbst sehr gut und informativ finde.)

Bücherregal mit Pferdebüchern
Meine (nicht vollständige) Sammlung an Pferdebüchern

Das Internet trägt meiner Meinung nach bereits einen großen Teil dazu bei, dass die Pferdewelt ein kleines bisschen fairer wird. Es ist mittlerweile leicht, an Wissen zu kommen und neue Einblicke zu erlangen, die zum Nach- und vielleicht sogar Umdenken anregen. Und auch wenn Fairness gegenüber dem Pferd im großen Sport noch nicht angekommen ist: Jeder Reiter, der anfängt sich mit der Anatomie und der Biomechanik seines Pferdes zu beschäftigen und beginnt, sein Pferd artgerecht zu halten und gesund zu gymnastizieren, damit es überhaupt in der Lage ist ein Reitpferd sein zu können, trägt dazu bei, dass die Reiterwelt ein kleines bisschen besser wird.

Was bedeutet Reiten für dich? Findest du auch, dass wir Reiter verpflichtet sind, uns mit der Anatomie und der Biomechanik unserer Pferde zu beschäftigen? Schreib mir gerne einen Kommentar, ich freue mich, auf die Diskussion!

Viele Grüße

 

 

Folgende Bücher lege ich dir ans Herz:

Bei den Links handelt es sich um Affiliate Links. Das heißt: Wenn du eins der Bücher kaufen solltest, erhalte ich eine minikleine Provision. Von dem Geld bezahle ich diese Seite.

über

Ich bin Karolina und seit mehr als 25 Jahren Pferdefreundin. Auf meinem Pferdefreunde-Blogmagazin schreibe ich über Themen, die mich in meinem Alltag mit meinem Pferd beschäftigen - sei es in Bezug auf das Training oder die Haltung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Webseite verwendet Cookies. Cookies werden zur Benutzerführung und Webanalyse verwendet und helfen dabei, diese Webseite zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit unserer Cookie-Police einverstanden. Mehr Infos gibt es in der Datenschutzerklärung.

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen