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Die Koordination von Pferd und Reiter verbessern

Stangentraining mit Pferd

Koordination spielt beim Reiten eine immens große Rolle – und zwar für Pferd UND Reiter. Was es mit der Koordination auf sich hat, warum eine gute Koordination so wichtig ist für dich und dein Pferd und wie du eure koordinativen Fähigkeiten schulen kannst, erfährst du in diesem Beitrag.

Koordination – Was ist das eigentlich?

Ganz einfach gesagt: Koordination ist das harmonische Zusammenspiel unserer Sinnesorgane, unserer Muskeln und unseres Nervensystems/dem Gehirn. Koordination befähigt uns (und unsere Pferde und alle anderen Tiere), präzise, geordnete und effiziente und zielgerichtete Bewegungen auszuführen – beispielsweise, gefühlvoll und im Takt leichttraben und nicht wie ein nasser Mehlsack auf dem Pferderücken herumplumpsen oder die Muskeln rhythmisch im jeweiligen Takt der Gangart anzuspannen und zu lösen, um im Gleichgewicht zu bleiben.

Wie funktioniert Koordination?

Doch wie funktioniert das? Unsere Sinnesorgane – insbesondere die Propriozeptoren, die sich vor allem in Muskulatur, Sehnen und Gelenken befinden und Informationen über die jeweilige Muskelspannung oder die Stellung unserer Gliedmaßen erhalten – nehmen einen Reiz auf und leiten diesen an das Nervensystem weiter, wo dieser verarbeitet wird. Anschließend gibt das Nervensystem einen Befehl an die Muskeln, die daraufhin entsprechend reagieren. Dies alles geschieht in Millisekunden.

Die Koordination ist es auch, die Reiten für uns so schwer macht: Unser Körper muss sich der jeweiligen Bewegung des Pferdes anpassen und auf Änderungen reagieren, wir müssen präzise Hilfen geben, Hand und Fuß müssen unabhängig voneinander agieren können, wir müssen vorausschauend agieren, uns in unserer Umgebung orientieren (damit wir auf dem Platz niemanden umreiten) usw. Puh!

Gleiches gilt für dein Pferde: Machst du Stangenarbeit, muss dein Pferd in der Lage sein, seinen individuellen Bewegungsrhythmus entsprechend anzupassen. Reitest du Seitengänge, muss dein Pferd einzelne Teilkörperbewegungen präzise und effizient ausführen können.

Die Koordination von Pferd und Reiter kann mit einem abwechslungsreichen Training verbessert werden.

Doch Koordination ist nicht nur die Hand-Fuß-Augen-Koordination, an die die meisten bei dem Wort Koordination denken, oder das, was wir als „geschickt“ empfinden. Koordination ist viel umfangreicher und umfasst verschiedene koordinative Fähigkeiten. Dazu gehören zum Beispiel

  • die Fähigkeit das Gleichgewicht zu halten (Balancefähigkeit)
  • die Raum-Lage-Wahrnehmung (Orientierungsfähigkeit)
  • die Reaktionsfähigkeit
  • die Fähigkeit, sich einem von außen vorgegebenem Rhythmus anzupassen (Rhythmisierungsfähigkeit)
  • eine präzise Bewegungsgenauigkeit (kinästhetische Differenzierungsfähigkeit)
  • die Fähigkeit, Bewegungen in Bezug auf ein Handlungsziel aufeinander abzustimmen (Kooplungsfähigkeit)
  • die Fähigkeit, seine Handlung veränderten Bedingungen anzupassen (Umstellungsfähigkeit)

Die koordinativen Fähigkeiten sind nicht angeboren. Wir müssen sie im Laufe unseres Lebens erlernen, festigen und weiterentwickeln. Je länger du reitest, desto besser wirst du leichttraben können. Je häufiger du mit deinem Pferd Stangenarbeit machst, desto leichter fällt es ihm, seinen Bewegungsrhythmus anzupassen.

Koordination braucht dein Pferd aber nicht nur, wenn du mit ihm arbeitest. Dein Pferd braucht auch eine gute Reaktionsfähigkeit, wenn es in der Herde weggeschickt wird, es braucht eine gute Orientierungsfähigkeit, wenn es aus Übermut wild bockend über den Paddocktrail läuft und es braucht eine gute Umstellungsfähigkeit, um sich den jeweiligen Bodenverhältnissen (nass, hart, matschig usw.) anpassen zu können.

Koordinationsprobleme sind gar nicht so selten

Doch nicht immer funktioniert die Koordination einwandfrei. Menschen (und Pferde) mit Koordinationsstörungen wirken häufig tollpatschig, haben Probleme mit der Balance und stolpern gerne oder sie können Abstände, Höhen und Längen nur schwer einschätzen (ich selbst laufe zum Beispiel ständig gegen Türrahmen und stoße mich irgendwo…). Auch einen von außen vorgegebenen Rhythmus umzusetzen – zum Beispiel beim Leichttraben oder beim Tanzen – gelingt ihnen nicht gut.

Man kann sagen: Pferde und Menschen mit Koordinationsproblemen haben kein gutes Körpergefühl und können ihren Körper nicht adäquat einsetzen.

Gründe für eine Koordinationsstörung können unter anderem das falsche Erlernen von bestimmten Bewegungsabläufen sein. Doch auch Bewegungsmangel ist für eine schlechte Koordination verantwortlich. Und Bewegungsmangel ist sowohl unter uns Reitern als auch unter den Pferden ziemlich weit verbreitet. Stehen Pferde in der Box, werden nur wenig bergauf und bergab im Gelände geritten und haben immer wieder das gleiche Training, bekommen die Sinnesorgane, allen voran die Propriozeptoren, nur wenig Input, was sich – unter anderem – in einer nicht so guten Koordination wiederspiegeln kann. Sitzen wir den ganzen Tag am Schreibtisch, erhalten unsere Propriozeptoren nur sehr wenig Input.

Koordination kann trainiert werden

Ich habe aber eine gute Nachricht: Koordination kann in den allermeisten Fällen trainiert und verbessert werden! Je vielfältiger die Sinnesorgane stimuliert und je öfter die Nervenbahnen genutzt werden, desto besser funktionieren sie und desto leichter und besser werden beispielsweise die koordinativen Fähigkeiten und Bewegungen von dir und deinem Pferd.

Koordinationstraining für den Reiter

Möglichkeiten, die eigenen koordinativen Fähigkeiten zu verbessern, gibt es viele. Da wäre unter anderem Ausgleichssport. Auch Yoga bietet sich an. Vieles kannst du aber auch ganz prima vor dem Reiten als kleines Aufwärmprogramm machen und in deinen Stallalltag integrieren.

Hier siehst du ein paar Beispiele für ganz einfache Koordinationsübungen, die du in deinen Stallalltag einfließen lassen kannst:

  • Abwechselnd von links und rechts aufsteigen
  • Das Leichttraben variieren und nur bei jeden zweiten Schritt aufstehen
  • Beim Fegen und/oder Ausmisten einfach mal die andere Hand benutzen
  • Gewohnte Bewegungs- und Handlungsabläufe bewusst ändern
  • Auf einer geraden Linie laufen und dabei die Gerte auf der Hand balancieren

Auch Tanzen, mit einem Bein auf einem Kissen stehen und dabei im Takt eines Lieds klatschen oder mit einer Hand auf den Kopf klopfen und mit der anderen Hand kreisend über den Bauch streichen, schulen die Koordination.

Wenn du an deiner eigenen Koordinationsfähigkeit und damit an deinem Sitz arbeiten möchtest, lege ich dir mein Lieblingsreitbuch Reiten aus der Körpermitte von Sally Swift sehr ans Herz. Darin findest du ganz viele tolle Übungen, die dich ins Gleichgewicht bringen und gleichzeitig deine koordinativen Fähigkeiten schulen.

Auch der Bewegungstrainer Eckart Meyners bietet in seinen Büchern viele tolle Tipps, die auch deine koordinativen Fähigkeiten nach vorne bringen.

Koordinationstraining für das Pferd

Die beste Möglichkeit, die Koordination zu verbessern, ist ein variantenreiches und abwechslungsreiches Training. Bleibt das Training immer gleich, gibt es zwar anfangs Verbesserungen, diese stagnieren aber irgendwann. Werden hingegen Varianten eingebaut und damit neue koordinative Reize geschaffen, ist das Training effektiver und zielführender.

Um Abwechslung zu schaffen und die koordinativen Fähigkeiten deines Pferdes zu schulen, könntest du folgendes in dein Training integrieren:

Sabine van Waasen hat sich auch ein paar Koordinationsübungen für ihre Pferde überlegt. Schau gern mal bei ihr vorbei. Das Team Shetty Sport bietet sogar Kurse rund um das Thema Koordination und Körperwahrnehmung an. In dem Buch Fitnessstudio für mein Pferd* (über das ich hier geschrieben habe), findest du ebenfalls viele Ideen, um die Koordination zu verbessern. Außerdem kann ich dieses coole Fitnessbundle, das du bei Pferdeflüsterei findest, sehr empfehlen:

Mit diesem coolen Fitnessbundle bekommst du viele Ideen, wie du die Koordination deines Pferdes verbessern kannst.

Auch Pferdeergotherapie kann deinem Pferd effektiv und nachhaltig dabei helfen, seine Koordination zu verbessern. Pferdeergotherapie stärkt die Basissinne deines Pferdes und fördert so ein harmonisches Zusammenwirken von Bewegung, Wahrnehmung und Aufmerksamkeit und somit die koordinativen Fähigkeiten deines Pferdes. Hier kannst du mehr über Pferdeergotherapie erfahren.

Kommst du aus dem Raum NordWest-Niedersachsen/Südliches Hamburg, dann helfe ich dir und deinem Pferd gerne, sein Körpergefühl und seine koordinativen Fähigkeiten zu verbessern. Schau hier vorbei oder schick mir einfach eine E-Mail an info@360gradpferd.de.

Viele Grüße

Viele weitere Tipps findest du auch in meinem eBook Rückenkurs für Pferde, das du dir hier auf meiner Seite kaufen kannst.

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