Train the Trainer Clickertraining Pferd lernen

Train the Trainer: So lernt dein Pferd beim Clickertraining

Was macht das Clickertraining so besonders im Vergleich zum konventionellen Training? Nur die Leckerlis, die es bekommt? Nein! Das Clickertraining, also das Training mit positiver Verstärkung, ist eine ganz andere Form des Lernens. Und um selbst nachvollziehen zu können, wie dein Pferd beim Clickertraining lernt, gibt es eine ganz tolle Möglichkeit: das Spiel Train the Trainer, das ich dir hier vorstellen möchte.

Bevor ich gleich näher auf das Training mit positiver Verstärkung bzw. das Lernverhalten des Pferdes an sich eingehen und dir im weiteren Verlauf Train the Trainer vorstellen möchte, möchte ich kurz ein bisschen ausholen und dir erzählen, warum ich der Meinung bin, dass man nicht oft genug über das Thema Clickertraining bzw. Training mit positiver Verstärkung und die Frage, wie Pferde lernen, sprechen kann.

Kurzum: Nur wenn du weißt, wie dein Pferd lernt und welche Folge dein Trainingsverhalten hat, kannst du das Pferdetraining optimieren und pferdefreundlicher gestalten. Du kannst es deinem Pferd nämlich leichter machen zu verstehen, was du von ihm möchtest und ihm dadurch die Möglichkeit geben, richtig zu reagieren.

Dies ist zunächst unabhängig davon, ob du mit negativer Verstärkung oder mit positiver Verstärkung trainierst.

Lernverhalten: So lernt dein Pferd

Beim Lernen lassen sich drei Lernformen unterscheiden, die ich dir jetzt kurz vorstellen möchte:

Lernen durch Nachahmung

Beim Lernen durch Nachahmung guckt sich dein Pferd etwas an und ahmt es nach, wenn sich das Verhalten des anderen lohnt. So lernt es beispielsweise, wie eine Selbsttränke funktioniert. Es kann aber auch lernen, dass eine bestimmte Sache gefährlich sein kann, wenn ein anderes Pferd immer wieder davor scheut.

Lernen durch Gewöhnung

Wie der Name schon sagt lernt das Pferd etwas, indem es sich daran gewöhnt. So lernt es, dass der Trecker zwar laut ist, dass von ihm aber keine Gefahr ausgeht. Oder es gewöhnt sich an das Tragen von Sattel und Reitergewicht.

Lernen durch Konsequenzen

Beim Lernen durch Konsequenzen gibt es verschiedene Lernoptionen und daher nimmt dieses Lernverhalten im Training den größten Part ein. Grundsätzlich können Konsequenzen positiv oder negativ sein.

Beim Lernen durch Konsequenz wird unterschieden zwischen klassischer Konditionierung (hier wird ein neutrales Signal mit etwas verbunden: Dein Pferd oder dein Hund hören dich das Futter vorbereiten und wissen, dass es gleich etwas zu fressen gibt – beim Hund ist dies sehr schön am erwartungsvollen Speicheln zu erkennen!) und operanter Konditionierung. Bei der operanten Konditionierung gestaltet dein Pferd das Lernen aktiv mit. Und hier kommen wir nun endlich zur positiven und negativen Verstärkung.

Die Konsequenzen, die dein Pferd beim Lernen helfen, sind entweder angenehm (Belohnung) oder unangenehm (Strafe). Belohnung und Strafe werden hinzugefügt (+/positiv) oder weggenommen (-/negativ).

Daraus ergeben sich vier Möglichkeiten:

  1. Positive Verstärkung: Positives (z.B. Futter) wird hinzugefügt -> Das gewünschte Verhalten wird häufiger gezeigt.
  2. Negative Verstärkung: Unangenehmes (z.B. treibende Hilfe) wird entfernt -> Das gewünschte Verhalten wird häufiger gezeigt.
  3. Positive Strafe: Unangenehmes (z.B. Gertenschlag) wird hinzugefügt -> Das unerwünschte Verhalten wird seltener gezeigt.
  4. Negative Strafe: Angenehmes (z.B. Futter) wird entfernt -> Das unerwünschte Verhalten wird weniger oft gezeigt.

Bei positiver und negativer Verstärkung handelt es sich also primär um mathematische Größen, die neutral betrachtet werden können.

Lernbereitschaft und Lernmotivation des Pferdes lassen sich beeinflussen

Weniger neutral ist die eingesetzte Konsequenz auf die Lernbereitschaft und Lernmotivation. Und hier kommt Train the Trainer ins Spiel.

Das Clickertraining steigert Lernbereitsschaft und -motivation des Pferdes

Train the Trainer lässt dich am eigenen Leib erleben, wie sehr das Training mit dem Clicker sprich mit positiver Verstärkung die Lernmotivation fördert – und zwar über die extrinsische Motivation (das kann bei uns Menschen das Gehalt am Ende des Monats sein oder beim Spiel Train the Trainer die Menge der gesammelten „Kröten“) die intrinsische Motivation (die Motivation aus dem inneren heraus, weil man mit Freude und Begeisterung dabei ist).

Bei Train the Trainer schlüpfen du und deine Mitspielern abwechselnd in die Rolle des Trainers und des Schülers (also des Pferdes, des Hundes o.ä.). Es gibt eine Aufgabe, die du als Schüler ausführen sollst. Du kennst die Aufgabe aber nicht, die kennt nur dein Trainer. Und der darf nichts sagen, sondern dir lediglich mithilfe des Clickers den Weg weisen.

Aufgaben können sein: Der Schüler soll beim Zeigen der Ampel-Symbolkarte das gelbe Stäbchen berühren (Einsteigeraufgabe Signaleinführung) oder der Schüler zeichnet mit dem Zeigefinger ein Herz in die Luft und wiederholt dies noch einmal.

Du als Trainer lernst das richtige (erwünschte) Verhalten exakter zu verstärken und deinem Schüler Wege aufzuzeigen, die ihn zum Wunschverhalten führen.

Du als Schüler verstehst, wie wichtig ein exaktes Verstärken und ein optimales Timing des Trainers sind, wie sehr du dich konzentrieren musst und wie die eigene Motivation wächst, die richtige Lösung zu finden und das Lob zu erhalten.

So lernt dein Pferd beim Clickertraining

Als Schüler stocherst du im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln. Du zeigst aktiv und von dir aus verschiedene Verhaltensweisen/Bewegungsmuster und wartest auf den Hinweis des Trainers, ob das Gezeigte richtig ist. Bei dieser Form des Lernens gibt es quasi kein „Nein, das ist falsch“ und keine Korrektur. Wenn dein gezeigtes Verhalten richtig ist, bekommst du eine Belohnung (beim Spiel gibt es einen Click und eine Kröte, dein Pferd würde einen Click und ein Futterlob erhalten). Wenn dein Verhalten nicht richtig ist, gibt es nichts. Kein Falsch, keine Korrektur, keinen Click.

Die fehlende Korrektur beim Clickertraining macht es so wahnsinnig anspruchsvoll, die richtige Lösung zu finden. Und das gilt für dich als Spieler ebenso wie für dein Pferd. Du wirst schnell merken, wie sehr du dich konzentrieren musst und wirst verstehen, dass eine Clickereinheit ein Pferd, von dem man ausgeht dass es sich nur rund 10 Minuten am Stück konzentrieren kann, ein Pferd ganz schön fordert.

Übrigens ist die kognitive Anstrengung manchmal auch ein Grund für ein hohes Stresslevel beim Clickern. Ich merke das bei meinem Pferd immer wieder. Die vertrauten Übungen werden aus dem FF abgespult. Bei neuen Übungen, die noch unbekannt sind, brauchen wir regelmäßige Denkpausen (ich führe dann meist ohne mehr zu wollen).

Gleichzeitig merkst du, wie du durch das positive Verstärken in deinem eigenständigen Denken und Handeln gefördert wirst. Und das motiviert natürlich enorm. Es gibt nicht nur einen richtigen Weg zum Ziel, vielmehr ist der Weg das Ziel. Und wenn das Ziel erreicht ist und der Click und die Kröte kommen, freust du dich umso mehr.

Das ist jetzt die Kurzfassung. Natürlich ist es kein reines Blind-im-Dunkeln-Stochern. Du lernst im Spiel das Training mit dem Clicker systematisch aufzubauen. So wie du es auch im echten Training machst: Du gewöhnst dein Pferd schließlich auch zunächst an ein Target und nutzt dieses anschließend, um darüber verschiedene Übungen aufzubauen (nebenher laufen, „longieren„, Seitengänge usw.) Dabei gehst du von leicht zu schwer.

Vielleicht als Vergleich noch kurz etwas zum Training mit negativer Verstärkung. Hierbei wäre es andersherum, da würdest du permanent ein Nein oder eine Korrektur hören. Beim richtigen Verhalten wäre der Trainer still oder würde dir ein „gut“ schenken – eine Kröte kriegst du allerdings nicht.

Wenn du dich für das Training mit positiver Verstärkung interessierst und womöglich sogar schon clickerst aber es noch nicht so richtig rund läuft, dann ist das Spiel genau richtig für dich. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen.

Clickertraining: Ganz viel Arbeit an sich selbst

Angefangen mit dem Clickertraining habe ich bereits 2013/2014, also vor gut 7 Jahren. Damals wollte ich meinem Pferd Zirkustricks beibringen. Es kannte bis dato kein Futterlob und es hat nicht lang gedauert, da hatte ich ein Pferd, das schnappte und total gestresst sämtliche Tricks abspulte (Trick Nr. 1: „Nein“-Sagen – hab ich nach nur einer Woche üben nie wieder aktiv abgefragt, weil das Kopfschütteln sofort überhand nahm). Der Fehler lag nicht beim Pferd und das Verhalten meines Pferdes sagt auch nicht, dass es für das Training mit Futterlob nicht geeignet ist. Ich war das Problem. Ich hab Fehler gemacht, war nicht verständlich genug, nicht schnell genug, usw.

Lesetipp: Interview mit Nina Steigerwald über Fehler beim Clickertraining

Das weiß ich heute, einige Jahre später.

2018 bin ich auf Intrinzen gekommen und stand vor der Frage: Gebe ich dem Clickern eine neue Chance und bau es neu auf, damit ich intrinzensinspiriert trainieren kann, oder lasse ich es endgültig sein. Intrinzen hat mich am Ende so sehr in den Bann gezogen, dass ich dem Ganzen eine neue Chance gegeben habe. Ich hab mich intensiv in das Thema reingearbeitet und mich ständig beim Training mit dem Clicker gefilmt. Wir haben einen riesigen Fortschritt gemacht und ich möchte das Training mit positiver Verstärkung niemals mehr missen. Ich weiß, dass ich auch heute noch unfassbar viele Fehler mache. Aber mir ist das zunehmend bewusst. Und Train the Trainer hat mir schon öfter am aufgezeigt, wie frustrierend es für den Schüler sein kann, wenn der Trainer ungenau ist. Diese Erkenntnis ist unglaublich wertvoll!

Das Spiel lehrt einen aber nicht nur etwas, sondern macht obendrein richtig viel Spaß. Selbst mein nicht-clickernder Mann und unser dreijähriger Sohn spielten begeistert mit. Und wenn wir uns irgendwann alle wieder in großen Runden treffen dürfen, sorgt das Spiel sicherlich auch in einer feuchtfröhlichen Runde mit nicht-Pferdemenschen für ganz viel Spaß! 😜

Entwickelt wurde das Spiel von den beiden Clickertrainerinnen Wibke Deutsch und Corinna Lenz. Es ist im Kynos Verlag erschienen und kostet 69,95 €. Danke an dieser Stelle für das Bereitstellen eines kostenlosen Rezensionsexemplars. Du findest das Spiel hier*.

Kleiner Tipp: In meinem Onlinekurs Rückenfitte Pferde gehe ich auch auf das Lernverhalten ein, denn ich habe eine Lektion zur positiv verstärkten Freiarbeit und zeige dir unter anderem die Intrinzen-Crunches ein, die du idealerweise mit dem Clicker erarbeitest.

Und wenn du von der Pieke auf das Clickern lernen möchtest, empfehle ich dir die Onlinekurse von Clickerexpertin Nina Steigerwald*. Du findest in ihrer Online Academy verschiedene Kurse, vom Einstieg ins Training mit positiver Verstärkung über das Höflichkeitstraining* bis zum Erstellen sinnvoller Trainingspläne*. Und auch zum Wippentraining*, das nicht ohne Clicker funktioniert, findest du tolle Kurse und Aufzeichnungen.

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