Automatische-Heuraufe-Vorteile-und-Nachteile

Automatische Raufe für die Pferdefütterung: Vorteile und Nachteile

Seit vielen Jahren schon bin ich Fan von automatisierten Helfern bei der Pferdefütterung: seien es automatische Weidetore oder auch eine automatische Heuraufe. Während ich über die Vorteile der automatischen Weidetore – die du übrigens auch super für die Fütterung von Raufutter einsetzen kannst – schon viel geschrieben habe, kam das Thema automatische Heuraufe zu kurz. Das möchte ich mit diesem Beitrag endlich nachholen.

In ihrem Gastbeitrag Zeitgesteuerte Heuraufe selber bauen verrät Margaretha, wie sie mithilfe eines Rolladenmotors und einer Zeitschaltuhr eine Fütterungsmöglichkeit für ihre Pferde gebaut dabei. Bei ihrer Version wird ein Brett hochgezogen und gibt ein Loch in der Wand frei.

Wir haben eine ähnliche Version im Betrieb, zumindest was die Technik angeht. Unsere Raufe ist allerdings eine Rundballenraufe und statt eines Bretts an einer Wand gibt es eine Plane, die zur eingestellten Uhrzeit runter- bzw. hochfährt und so das Futter für die Pferde freigibt.

Stand heute (November 2020) haben wir unsere Raufe seit gut eineinhalb Jahren in Betrieb. Und obwohl es viele Vorteile gibt, gibt es auch einige Nachteile. Auf beides möchte ich hier eingehen.

Automatische Raufe für Pferde

Bevor ich dir von den Vor- und Nachteilen erzähle, möchte ich dir kurz unsere Raufe zeigen.

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Der Bau unserer automatischen Heuraufe

Vorher vielleicht noch kurz etwas zu unserer Raufe:

Die Holzraufe wurde selbst gebaut. Die Technik funktioniert, wie schon gesagt, nach der Anleitung von Margaretha, die ich dir oben verlinkt habe. Für diese Variante brauchst du Strom am Stall. Wir haben hierzu Stromkabel verlegt. Damit die Pferde sie nicht ausbuddeln, liegen sie unter Paddockplatten.

Wichtig ist eine Zeitschaltuhr, in der du mehrere Öffnungs- und Schließzeiten einstellen kannst. Wir haben auch die von Margaretha. Ich persönlich find die Zeitschaltuhr manchmal etwas nervig, da sie doch sehr sensibel ist. Aber sie bietet einfach die Möglichkeit, mehrere Zeiten unkompliziert einzustellen. Und darauf kommt es an!

Wir haben diese Zeitschaltuhr mit Steckreitern im Einsatz, bei Rot geht die Raufe auf, bei Blau geht die Raufe zu. Pro Öffnungs- und Schließvorgang brauchst du vier Reiter (Strom an, Strom aus, Strom an, Strom aus – der dritte Link zeigt ein falsches Bild an, unter dem Link findest du die blauen Reiter):

Alternativ könnte auch die letzte Zeitschaltuhr funktionieren, hier gebe ich dir aber keine Garantie. Sie sieht mir von der Funktion her aber sehr ähnlich aus:

Die Plane (LKW-Plane) ist oben und unten an einem Holzrahmen befestigt. Damit sie nicht ganz auf den Boden rutscht, sind an der Raufe Stopper.

Falls du dich fragst, ob die Pferde mit ihren Hufen reintreten: Nein. Das ist noch nie vorgekommen.

Die Raufe ist mit Drahtseil, das durch Umlenkrollen läuft, am Rolladenmotor befestigt.

Automatische Heuraufe für Pferde selber bauen
Automatische Heuraufe für Pferde selber bauen

Die Vorteile der automatisierten Heuraufe:

Zeit- und Arbeitsersparnis

Der wohl allergrößte Pluspunkt ist die Zeit- und Arbeitsersparnis. Wir sind drei berufstätige Pferdebesitzerinnen in unserer Haltergemeinschaft. Ich habe ein kleines Kind und durch meine Selbstständigkeit wenig Planbarkeit. So geht es den anderen aus verschiedenen Gründen auch. Niemand von uns könnte garantieren, vier- oder fünfmal am Tag (und in der Nacht) die Pferde zu füttern, damit sie keine langen Fresszeiten haben.

Deswegen war von Anfang an klar, wir wollen die Pferdehaltung im Selbstversorgerstall so einfach und gleichzeitig so pferdegerecht wie möglich gestalten.

Der erste Versuch war Heulage ad lib mit kleinem Heunetz. Dies hat leider nicht für alle unsere Pferde funktioniert. Also musste ein Plan B her.

Eine Alternative wären die Weidetore, über die ich dir hier ausführlich berichte. Aber da wir bereits eine sehr schöne Holzraufe hatten, haben wir uns entschieden, diese zu automatisieren und eine Plane zu installieren, die alle paar Stunden Zugang zum Futter freigibt.

Sobald das Futter alle ist, wird ein neuer Ballen reingestellt. Und damit hat sich die Arbeit fast schon erledigt.

Natürlich müssen Raufe und Heunetz gereinigt werden. Wenn ein Ballen reingestellt wird, bleiben zum Beispiel immer mal wieder Ampferreste übrig, die sich leider nicht immer vermeiden lassen. Dennoch ist es ein Unterschied, ob alle paar Tage ein großer Ballen in die Raufe gestellt wird, oder ob man, wie bei der Weidetorlösung, mehrere Raufutterportionen abwiegen und platzieren muss.

Kurze Fresspausen

Ein enormer Vorteil an der automatisierten und zeitgesteuerten Pferdefütterung besteht darin, dass du genau sagen kannst, wie lang die Fresspausen deines Pferdes sein sollen. Wenn in einem Stall nur morgens und abends eine (große) Portion Heu oder Heulage gefüttert wird, weißt du in der Regel nicht, wie lang dein Pferd wirklich daran frisst und wie lang es ohne Futter ist.

Sicherlich weißt du, dass der Pferdemagen permanent Magensäure produziert und auf viele Stunden fressen ausgelegt ist. Gibt es nun lange Leerlauf, greift die Magensäure den Magen an und Bauchschmerzen durch Magengeschwüre und ähnlichem entstehen. Spätestens nach vier Stunden sollte dein Pferd fressen können.

Die durch die Automatisierung kannst du genau sagen, dass die Pferde alle 1, 2, 4 oder 4 Stunden Zugang zum Raufutter erhalten sollen.

Lesetipp: Fresspausen bei Pferden – ein wichtiges Thema während der Paddockzeit

Exakte Mengenbestimmung für die gesamte Herde

Ein weiterer Vorteil ist, dass du sagen kannst, wie viel die Pferde fressen sollen. Das ist vor allem für dickere Pferde und Pferde mit Stoffwechselerkrankungen wie EMS und auch Hufrehe enorm wichtig. Natürlich macht die Menge Raufutter allein nicht aus, ob ein Pferd dick ist oder nicht – hier spielt das Futter, das dein Pferd frisst, eine enorme Rolle. In meinem Beitrag zur Heulage gehe ich mehr darauf ein. Um genau zu erfahren, wie gehaltvoll dein Raufutter ist, kannst du es bei der Lufa untersuchen lassen.

Durch die Möglichkeit der Zeiteinstellung kannst du herausfinden, wie viel Futter dein Pferd in welcher Zeit frisst. Und entsprechend gestaltest du die Fütterungszeiten.

Wir füttern zum Beispiel im Winter pro Pferd 10 Kilo Heulage. Bei Heu ist die Faustformel 1,5 Kilo pro 100 Kilo Körpergewicht. Bei der Heulage musst du mehr rechnen, weil sie feuchter und damit schwerer ist. Mehr dazu kannst du in meinem Text über dicke Pferde nachlesen.

Wir haben durch die Variation der Öffnungszeiten geschaut, wie lang unsere Raufe auf sein muss, damit die Pferde die Menge Futter in 24 Stunden fressen.

Aktuell haben wir nun 5 Fresszeiten zwischen 1,5 und 2 Stunden und in Kombination mit dem Netz kommen wir so ziemlich gut auf 10 Kilo pro Pferd pro 24 Stunden.

Unsere Zeiten sehen aktuell wie folgt aus:

FresszeitDauer
04:00-06:002 Stunden
08:30-10:302 Stunden
13:30-15:001,5 Stunden
18:00-20:002 Stunden
23:30-01:302 Stunden
Diese Zeiten variieren je nach Jahreszeit und Futterzustand der Pferde

Bei der Wahl der Fresszeiten haben wir darauf geachtet, dass die Pferde zu den Zeiten, an denen die meisten von uns am Stall sein können, nicht fressen. Das ist von 15-18 Uhr.

Uns war allen wichtig, dass die Pferde möglichst lang fressen. Das erscheint uns sinnvoller als mehrere Fresszeiten mit nur 0,5 Stunde Fressdauer.

Unsere Pferde sind recht zufrieden damit.

Da nicht alle Pferde den gleichen Bedarf haben – manche Pferde sind größer, andere sind kleiner, manche werden mehr bewegt, andere weniger, usw. müssen wir immer individuell schauen, wie es mit der Menge passt. Wir haben uns gesagt, wir orientieren uns am „schwächsten Mitglied“ der Herde und das ist für uns das dickste Pferd. Wenn eins zu dünn wird, organisieren wir eine zusätzliche Fütterung, sei es durch Heucobs oder durchs Separieren und im abgetrennten Bereich füttern.

Natürlich ist diese Regelung für diejenigen, die eher dünne Pferde haben, nicht immer ganz zufriedenstellend. Doch bisher haben wir immer eine Lösung gefunden, die für alle gepasst hat – ein großer Vorteil übrigens, den ein Selbstversorgerstall gegenüber einem Pensionsstall hat. 😉

Doch die Raufe bietet nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile.

Automatische Heuraufe für die Pferdefütterung Vorteile und Nachteile
Automatische Heuraufe für die Pferdefütterung Vorteile und Nachteile

Die Nachteile der automatischen Heuraufe

Technikausfälle

Unsere Raufe ist recht stabil und mit hochwertiger Plane ausgestattet. Installiert wurde die Elektrik von einem Fachmann.

Trotzdem kommt es immer mal wieder zu Problemen. Steht beispielsweise der Wind auf der Raufe, kann es mal passieren, dass sich die Spule beim Hochfahren nicht richtig aufwickelt. Dann kann die Raufe nicht korrekt runterfahren und hängt sich auf.

Wir lassen die Raufe an Tagen, an denen es wirklich stürmt, mittlerweile auf.

Auch Stromausfälle blockieren die Raufe. Diese kommen nicht häufig vor – sie passieren aber trotzdem. Ganz zu Beginn hatten wir das mal. Unsere Lösung ist ein Pieper: Sobald der Strom weg ist, bekommt eine von uns eine Info auf ihr Handy.

Steckreiter Zeitschaltuhr für automatische Heuraufe
Auch die Zeitschaltuhr ist ein wenig empfindlich und funktioniert nicht immer tadellos. Zum Bedienen ist jede Menge Fingerspitzengefühl erforderlich

Wenig Flexibilität bei der individuellen Fütterung

Durch die Steuerung hat man nur verhältnismäßig wenig Flexibilität was die individuelle Fütterung der Pferde angeht. Braucht ein Pferd zum Beispiel mehr Raufutter als die anderen, kann man das nicht so leicht lösen.

Bei der Variante mit den Hühnerklappenöffnern und den Weidetoren haben wir zum Beispiel die alten Pferde, die mehr Bedarf hatten, in den Futterraum gelassen und die anderen kamen erst dazu, als das Tor aufging. Das bedeutet für niemanden mehr Aufwand.

Ungesunde Fressposition am Rundballen

Ein Punkt, der aber leicht zu lösen ist und nichts mit der Automatisierung der Raufe zu tun hat, ist die Fressposition: Steht ein kompletter Rundballen in einer Raufe, ist die Fressposition nicht optimal.

Wenig Einsicht ins Futter

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass man das Futter nicht mehr in die Hand nimmt, wenn man den Ballen immer nur in die Raufe stellt. Ampfer ist das eine. Mittlerweile stehen aber auf vielen Heuwiesen Giftpflanzen wie JKK oder Herbstzeitlose. Auch tote Tiere sind (vor allem in Heulageballen) ein Problem.

Dies alles sehe ich nur, wenn ich das Futter immer wieder selbst in die Hand nehme. Stelle ich nur einen Ballen rein, bekomm ich davon nur wenig mit.

Hier muss ein Stallbetreiber oder eine Haltergemeinschaft für sich überlegen, wie sehr man dem Futterlieferanten vertrauen kann und was gut umsetzbar ist.

Wir sind aktuell dazu übergegangen, unsere Raufe jeden Tag neu zu befüllen. Bei vier Pferden ist das auch machbar. Dadurch haben wir einen Eindruck vom Futter und die Pferde haben eine bessere Fresshaltung.

Wichtig: Abwechslungsreiche Paddockgestaltung

Ein Kritikpunkt, den ich nun schon mehrfach gehört habe, ist, dass die Pferde immer nur an der Raufe warten würden, bis sie aufgeht und sich gar nicht mehr bewegen.

Diese Kritik kann ich nicht bestätigen. Zumindest nicht in Bezug auf die Raufe. In Bezug auf die Weide hab ich das auch schon mehrfach beobachten können.

Klar kennen die Pferde ihre Fresszeiten. Aber wenn sie satt werden, ist es ok, dass die Raufe geschlossen ist. Unsere Pferde schlendern nach dem Fressen meist gemeinsam über den Trail zum Wasser und verteilen sich dann auf dem Trail oder dem Paddock um zu schlafen und zu chillen. Oder um zu spielen. Je nachdem.

Sie stehen aber definitiv nicht die ganze Zeit vor der Raufe und warten!

Oft ist es sogar so, dass sie ganz woanders sind, wenn die Raufe aufgeht und nicht jedes Pferd rennt sofort hin. Auch das zeigt, dass die Fütterung so, wie sie aktuell ist, funktioniert.

Was ich damit sagen will: Wenn der Paddock nicht nur ein langweiliges Viereck ohne Anreize ist und die Fütterungsintervalle passen, stehen die Pferde nicht nur an der Raufe und warten, bis sie aufgeht.

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Mein Fazit zur automatischen Heuraufe

Eine automatische Heuraufe erleichtert die Pferdehaltung (als Selbstversorger) enorm!

Aber ich bin ganz ehrlich: Würde ich meine Pferde bei mir zu Hause stehen haben und dort versorgen, würde ich vermutlich nicht auf diese Lösung zurückgreifen. Das sage ich jetzt allerdings auch vor dem Hintergrund, dass mein Pferd nie wirklich Gewichtsprobleme hatte und nur in der Zeit, als ich schwangerschafts- und babybedingt nur sehr wenig mit ihm machen konnte, ein wenig mehr draufhatte (damals hatte er aber auch Futter ad lib).

Warum nicht?

Auch wenn die Raufe zu 95% funktioniert, ein richtig gutes Gefühl habe ich nie. Wenn ich zum Stall komme, gilt mein erster Blick immer der Raufe: Ist sie auf? Ist sie zu?

Wenn etwas nicht stimmt, ist das Problem meist komplizierter und „nicht mal eben so“ zu lösen.

Natürlich kommt es auf die verwendete Technik und die Gegebenheiten vor Ort an. Und irgendwann kennt man seine Raufe und ihre Macken. Ich bin kein Technik-Ass, deswegen gebe ich die Reparaturarbeiten gern ab. Wenn aber unsere Raufen-Expertin mal zwei Wochen im Urlaub ist und die Raufe ausfällt, haben wir anderen ein Problem.

Ich würde vermutlich eher versuchen, die Automatisierung über die Weidetore realisieren. Natürlich haben auch die automatischen Weidetore Ausfälle – in den vergangenen drei Jahren waren es aber nicht mehr als vielleicht fünf?

Lesetipp: Automatisches Weidetor mit Hühnerklappenöffner

Hast du auch eine automatische Heuraufe im Einsatz? Wie hast du deine gebaut? Bist du zufrieden? Erzähl mir gern im Kommentar davon!

2 Kommentare zu „Automatische Raufe für die Pferdefütterung: Vorteile und Nachteile“

  1. Hallo,
    halten die Planen denn auch einem bollerigen Pferdekopf stand? Könnte mir bei meiner vorstellen, dass sie im Zweifelsfall mit dem Kopf durch die Wand bzw. die Plane drücken würde, um ans Futter zu kommen…

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