Rückentraining für Pferde Übungen für einen starken Pferderücken

Rückentraining für Pferde: 6 Übungen für einen starken Pferderücken

Zuletzt aktualisiert am von Karolina

Mein Pferd braucht mehr Rückenmuskeln – diese Aussage höre ich immer wieder. Deswegen möchte ich dir in diesem Beitrag ein paar meiner Lieblingsübungen zeigen, mit denen du den Rücken deines Pferdes stärken kannst.

Ein stabiler Rumpf steht stets im Fokus meines Unterrichts und meiner Kurse. Denn ein stabiler Rumpf ist das A und O, wenn du dein Pferd gesunderhaltend reiten möchtest.

Bevor ich dir meine Lieblingsübungen verrate, möchte ich kurz auf die Anatomie des Pferdes eingehen. Nur so kannst du verstehen, worauf es beim Training ankommt.

Werfen wir einen kurzen Blick auf den Pferderücken…

Schauen wir uns die Wirbelsäule eines Pferdes an, erinnert sie stark an eine Hängebrücke, die zwischen den Vorder- und den Hinterbeinen befestigt ist.

Betrachten wir den gesamten Rumpf des Pferdes, ähnelt er einer Bogensehnenbrücke. Der Bogen dieser Brücke besteht aus Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule. Stabilisiert wird der Bogen einerseits von den tiefen Wirbelsäulenmuskeln und andererseits von der Bauchmuskulatur.

Pferderücken als Bogensehnenbrücke
Diese Skizze soll dir verdeutlichen, was ich mit den Brückenbezeichnungen meine. Diese Skizze stellt aber kein korrektes Pferdeskelett mit sämtlichen Wirbeln, Knochen etc. dar! Es ist lediglich eine Skizze, um dir das Thema deutlicher zu machen.

Der lange Rückenmuskel

Wenn du dich auf ein untrainiertes Pferd setzt, gibt die Wirbelsäule nach unten nach. Um dein Gewicht trotzdem halten zu können, spannt dein Pferd dabei seinen langen Rückenmuskel (M. longissimus dorsi) an.

Der lange Rückenmuskel ist der längste Muskel im Körper deines Pferdes. Er reicht vom Hinterhauptbein bis zum Kreuz-Darmbein. Dieser Muskel ist ein reiner Bewegungsmuskel! Er dient als Feststeller und Strecker der Wirbelsäule hat unter anderem die Aufgabe, die Bewegungsenergie, die beim Fortbewegen in der Hinterhand des Pferdes entsteht, nach vorne zu übertragen.

Tritt dein Pferd aktiv mit der Hinterhand unter seinen Schwerpunkt, dehnt sich der Muskel. Dadurch werden Widerrist und Rückenansatz angehoben und der Rücken aufgewölbt, wie man so schön sagt.

Wenn aber der lange Rückenmuskel fest und verspannt ist, kann dein Pferd nicht ausreichend untertreten. Es macht kürzere Tritte und die Hinterbeine arbeiten eher nach hinten raus, als dass sie untertreten. Dein Pferd läuft auf der Vorhand und macht ein Hohlkreuz.

Über kurz oder lang entstehen dabei Fehlbelastungen, die zu Knochenhautreizungen und Arthrose führen können. Außerdem werden die Dornfortsätze näher aneinandergedrückt und im schlimmsten Fall berühren sie sich, was deinem Pferd starke Schmerzen bereitet.

Die tiefen Muskeln: die Haltemuskulatur deines Pferdes

Wie bereits gesagt, braucht dein Pferd eine gut trainierte Haltemuskulatur und starke Bauchmuskeln.

Wenn dein Pferd seinen langen Rückenmuskel, den Bewegungsmuskel, einsetzen muss um sich zu stabilisieren, überträgt sich die Verspannung auch auf die Tiefenmuskulatur. Dies kann passieren, wenn dein Pferd noch nicht ausreichend Stabilität und Gleichgewicht besitzt, trotzdem aber schon an anspruchsvolleren Lektionen gearbeitet wird.

Die tiefen Muskeln sind zuständig für Stabilisation und Feinkoordination der Wirbelsäule. Sie enthalten viele Propriozeptoren, die deinem Pferd Rückmeldung geben über die Lage seiner Gliedmaßen im Raum. Sind die Haltemuskeln fest, schlecht trainiert und bilden sich dadurch mit der Zeit sogar zurück, kann sich dein Pferd schlechter koordinieren. Es wird verletzungsanfälliger.

Die tiefen Muskeln kannst du weder ertasten, noch kann dein Pferd sie bewusst

Bauchmuskeln: die Grundlage der Brückenkonstruktion

Die Bauchmuskeln deines Pferdes sind die Grundlage der Brückenkonstruktion. Sie tragen die Organe deines Pferdes, dienen der Fortbewegung, sind zuständig für den Kot- und Harnabsatz, helfen Stuten bei der Geburt und sind Hilfsatmungsmuskeln.

Gemeinsam mit den Brustmuskeln sorgen die Bauchmuskeln dafür, dass dein Pferd seine Wirbelsäule aufwölben kann.

Lesetipp: Pferderücken stärken mit Bauchmuskeltraining!

Dein Pferd benutzt seine linken und rechten Muskeln wechselseitig: Spannt dein Pferd seine Bauchmuskeln an, wird das jeweilige Hinterbein nach vorne geführt und der lange Rückenmuskel gedehnt. Spannt der lange Rückenmuskel an, wird das Bein nach hinten geführt.

Ohne ausreichend Spannung der Bauchmuskeln hängt der Rücken durch! Der Rumpf deines hängt passiv in den Rumpfträgern. Du erkennst das daran, dass die Oberlinie im Bereich hinter den Schulterblättern eingefallen wirkt.

Aber auch zu viel Spannung – nämlich Verspannung – ist nicht gut. Verspannte Bauchmuskeln verhindern nämlich ebenfalls eine gute Rückentätigkeit.

Den Pferderücken trainieren

Um den Rücken deines Pferdes zu stärken, solltest du nicht nur den Rücken, sondern den gesamten Rumpf betrachten. Hierbei spielen zwei wichtige Punkte rein:

  • die Rückenlinie muss dehnbar sein
  • die Bauchmuskeln müssen aktiv arbeiten

Nur dann kann sich dein Pferd am Ende auch korrekt versammeln, sein Becken kippen, den Rücken aufwölben, mit der Hinterhand unter den Schwerpunkt treten und Tragkraft entwickeln!

6 Übungen, mit denen du dein Pferd vom Boden aus rückenfit trainieren kannst

Ich verrate dir gleich sechs Lieblingsübungen, mit denen du dein Pferd rückenfit trainieren kannst. Diese Übungen berücksichtigen vor allem die tiefen Muskeln. Um effektiv den Rücken deines Pferdes zu trainieren, solltest du diese vermehrt statischen Übungen mit Bewegung abwechseln, beispielsweise mit dem Training an der Longe (was nicht gleichgesetzt ist mit zentrifugieren!). In meinem Beitrag Muskelaufbau durch Bodenarbeit bekommst du dafür weitere Ideen. Und auch in meinem Onlinekurs „Mehr Balance mit kreativer Bodenarbeit“ lernst du mehr darüber.

Damit ein Muskel kräftigt werden und wachsen kann, braucht er unterschiedliche Reize und einen steten Wechsel aus Anspannung und Entspannung. Dies erreichst du durch ein möglichst abwechslungsreiches Training.

Statische Übungen sollten sich mit Bewegung abwechseln und Versammlung und mit Dehnung. Lässt du dein Pferd immer nur in einer Form laufen, ermüden die Muskeln leicht und verspannen sich – ein Muskelaufbau ist nicht möglich. Hier kann dir eine Pferdemassage möglicherweise helfen.

Außerdem solltest du immer für eine stressfreie Trainingsatmosphäre sorgen. Ist dein Pferd angespannt und im „Fluchtmodus“, trägt es den Kopf erhoben und spannt dabei automatisch die Oberlinie an.

Balance Pads und instabile Untergründe

Das Stehen auf instabilen Untergründen ist unglaublich effektiv für die Haltemuskulatur deines Pferdes. Durch die Instabilität gerät dein Pferd permanent minimal aus dem Gleichgewicht. Die tiefen Muskeln sorgen dafür, dass dein Pferd trotzdem in Balance bleibt, indem sie entsprechend reagieren, das heißt an- und abspannen.

Mehr dazu liest du in meinem Beiträgen Pferdetraining mit Balance Pads und Pferdetraining mit Plufsig: Warum die Gymnastikmatte mein Lieblingstool bei der Bodenarbeit ist.

Oder du hörst dir das Interview mit mir zum Thema Pferdetraining mit Balance Pads beim Pferdegewieher-Podcast an.

Pferdetraining mit Balance Pads zur Verbesserung der Körperwahrnehmung
Balance Pads stimulieren das propriozeptive und vestibuläre System und stärken die Tiefenmuskulatur deines Pferdes

Pferdewippe

Mit einer Pferdewippe stärkst du den Rumpf deines Pferdes enorm, weil sich dein Pferd – ähnlich wie auf Balance Pads – ständig stabilisieren und ausgleichen muss. Wippentraining mit der Zweibeinwippe kräftigt primär die Schulter- und Brustmuskulatur. Die Ganzkörperwippe kräftigt vor allem die Bauchmuskeln, die Hinterhand und die Haltemuskeln deines Pferdes.

Hier findest du weitere Infos über Muskel- und Balancetraining mit der Zweibeinwippe.

Gern komm ich mit meinen Wippen zu dir an den Stall für eine Wippeneinheit. Solltest du aus Nordrhein-Westfalen kommen, empfehle ich dir eine Wippeneinheit mit Eva-Marie von equilution.

Rückentraining-Pferd sechs Übungen für einen starken Rücken
Rückentraining-Pferd sechs Übungen für einen starken Rücken

Stangentraining

Stangen am Boden bringen dein Pferd dazu, dass es seine Beine höher nimmt. Dies führt meist dazu, dass dein Pferd sein Bein weiter nach vorne schwingt besser unter den Schwerpunkt tritt. Dabei wird das Becken abgekippt, der Rücken aufgewölbt und die Bauchmuskulatur aktiviert.

Nutzt du dabei unterschiedliche Abstände, muss dein Pferd seine Schrittlänge variieren und seine Muskeln unterschiedlich einsetzen.

In meinem Beitrag Kreatives Stangentraining am Boden findest du weitere Infos und Trainingsideen.

Tempovarianzen

Je langsamer sich dein Pferd bewegen soll, desto mehr muss es sich ausbalancieren und auf seine Haltemuskeln zurückgreifen. Variiere daher das Tempo: eine halbe Seite Schritt im Schneckentempo, eine halbe Seite schneller Schritt. Diese Übung kannst du in sämtlichen Gangarten trainieren.

Für die Übergänge von schnell zu langsam und wieder zu schnell braucht dein Pferd Kraft aus der Hinterhand (seinem Motor) und es muss seine Bauchmuskeln einsetzen, wenn es langsamer wird. Dadurch tritt es automatisch mehr unter, kippt sein Becken und wölbt den Rücken auf.

Ein Pferd mit gutem Körpergefühl bei der Handzügelarbeit
Tempovarianzen kannst du auch super bei der Handzügelarbeit einsetzen

Podesttraining

Ich liebe das Podest fürs Pferdetraining! Mit einem Podest kannst du dem Rücken deines Pferdes nämlich etwas richtig Gutes tun – und dafür muss dein Pferd nicht mal mit allen vier Hufen aufs Podest klettern. Wenn es nur mit der Vorhand draufsteht und seinen Kopf senkt, entsteht ein toller Spannungsbogen: der lange Rückenmuskel wird dabei wunderbar gedehnt.

Weitere Infos zum Podesttraining inkl. einer Bauanleitung habe ich hier für dich in meinem Beitrag Schritt für Schritt aufs Podest zusammengestellt.

Crunches

Die Crunches aus dem Intrinzen-Programm haben sich – gemeinsam mit der Plufsig-Matte – zu einer meiner Lieblingsübungen gemausert. Bei dieser Übung hebt dein Pferd seinen Widerrist und Rückenansatz an. Dafür muss es unter anderem seine Bauch- und Rückenmuskeln einsetzen.

Mehr Infos zu den Crunches findest du in meinem Beiträgen über Intrinzen, über intrinzeninspiriertes Pferdetraining und bei Sonja von Bewegungsfreude Pferd.

Pferdewippentraining zur Stärkung der Bauch- Rückenmuskulatur
Hier siehst du Crunches auf der Pferdewippe

Du willst noch mehr Tipps fürs Rückentraining für dein Pferd?

Super! Ich habe nämlich noch einige Tipps!

Wenn du Lust auf eine abwechslungsreiche Herangehensweise an das Thema hast, dann empfehle ich dir meinen Onlinekurs „Mehr Balance mit kreativer Bodenarbeit“, der dir jede Menge Tipps und Übungen für einen stabilen Rumpf bietet. Von Dehnungsübungen über isometrische Muskelübungen bis hin zum Training mit Stangen und instabilen Untergründen. Außerdem verrate ich dir, wie du einen gezielten Trainingsplan für dein Pferd erstellst.

Auch in meinem eBooks Rückenkurs für Pferde und Pferdetraining mit instabilen Untergründen findest du Ideen, mit denen du die Bauch- und Rückenmuskeln deines Pferdes stärken kannst.

Außerdem unterstütze ich dich natürlich auch sehr gern persönlich vor Ort, den Rücken deines Pferdes zu stärken. Entweder mit Unterricht oder bei einem Workshop/Kurs zum Thema Rückenfitte Pferde. Wenn du weitere Fragen zu dem Thema oder Interesse an einer Unterrichtseinheit/einem Kurs bei dir am Stall hast, dann schreib mir gern eine E-Mail an info@360gradpferd.de.

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